Geschlechtsneutrale Sprache als Chance betrachten statt als Zwang

Geschlechtsneutrale Sprache als Chance betrachten statt als Zwang

Es ist ja nicht unüblich, einen Blogpost über einen Zeitungsartikel zu schreiben. In der Süddeutschen gab es kürzlich einen, der sich thematisch dazu anböte. Wirklich gut finde ich den Artikel nicht. Eigentlich reicht der erste Absatz, den ich mir hier zu zitieren erlaube:

Ende Januar ist in Schweden das erste Kinderbuch in geschlechtsneutraler Sprache erschienen. „Kivi“ heißt das Kind, um das es in diesem kleinen Werk von Jesper Lundqvist und Bettina Johansson geht (Olika Verlag, Stockholm 2012), und weil „Kivi“ sich einen Hund wünscht, aber nicht sofort bekommt, entsteht eine kleine Geschichte in Reimen. Das alles ist sehr heiter und angemessen skurril, hätte aber nie die große Aufmerksamkeit erreicht, die es jetzt erhielt, wäre in diesem Buch nicht konsequent das neue Personalpronomen „hen“ verwendet worden. In ihm sollen „hon“ („sie“) und „han“ („er“) zusammenfallen, wobei selbstverständlich auch die konjungierten Formen „hens“ für den Genitiv und „henom“ für die Objektform dazugehören. Seitdem geht eine öffentliche Auseinandersetzung um die Sprache als Medium sexistischer Vorurteile durch das Land.

Weitere Beispiele

Übrigens gibt es noch mehr solcher schönen Kinderbücher. Eine gute Freundin zeigte mir vor kurzem „No Matter What“ von Debi Gliori. Nicht nur ist es wunderschön gezeichnet und überbringt eine ebenso schöne Botschaft, es verzichtet auch sowohl sprachlich als auch grafisch komplett darauf, dem Elternteil und dem Kind ein Geschlecht zuzuordnen. Damit kann sich dann jeder Junge, jedes Mädchen und jedes andere Kind identifizieren, egal ob es bei Mutter, Vater, beiden oder was auch immer für Elternteilen aufwächst. Da man hier ohne Wortneuschöpfungen ausgekommen ist, gab es auch keinen großen Aufschrei. (Es gibt übrigens auch eine deutsche Übersetzung „So wie du bist“, welche angeblich ein wenig sprachlichen Charme verloren hat und dafür auch mehr als doppelt so viel kostet – aber vermutlich wurde auch hier kein Geschlecht festgesetzt.)

Diskussion um das Buch

Aber zurück nach Schweden und zum SZ-Artikel – oder auch nicht, denn der restliche Text ergeht sich dann in Hintergrundinfos auf die ich auch hätte verzichten können. Und die Anschließende Diskussion auf der Seite der Süddeutschen ist auch nicht weiter lesenswert (Anzeichen für die Ignoranz und Denkfaulheit des durchschnittlichen Internetnutzers, wenn man sie denn wirklich braucht, lassen sich anderswo auch noch kompakter finden).
Durchaus lesenswert fand ich aber diese Diskussion im Forum des Onlinewörterbuchs LEO. Dort geht u.A. darum, ob man sprachliche Veränderungen denn erzwingen sollte bzw. ob das überhaupt möglich ist und ob man denn durch anderen Sprachgebrauch eine reale Gleichstellung erreichen könnte. Ob man es denn verbieten müsste, das Geschlecht einer Person zu nennen, und ob man nicht genauso auch verbieten müsste, irgendein anderes Merkmal einer Person zu erwähnen (Rasse, Hautfarbe, Nationalität, Name, Größe, Haarfarbe und -länge…). Auch gibt es ein bisschen unbedacht eingesetzte Heteronormativität die ruhig als solche Aufgedeckt und in ihrer gewünschten Argumentationswirkung ausgehebelt wird.
Doch auch wenn die Unterhaltung dort lesenswert sein mag, all diese Fragestellungen gehen letztlich an der Problematik vorbei. Das in Schweden zu debattierende „hen“ ist ja kein Zwang, sondern eine Möglichkeit.

Was ohne „hen“ nicht möglich ist

Bei all den anderen Attributen einer Person (siehe vorletzter Absatz) habe ich die sprachliche Freiheit, sie zu spezifizieren oder offen zu lassen. Das Geschlecht einer Person anzugeben kann man jedoch kaum vermeiden. Natürlich kann ich darauf verzichten, „Mann“ oder „Frau“ als Hauptbezeichner zu wählen. Hebe ich ein anderes Attribut auf den ersten Platz, indem ich etwa von „dem Schweden“ oder „der Schwarzen“ spreche, stellt sich einerseits gleich die Frage, warum ich denn nun gerade diese Eigenschaft so wichtig finde, und außerdem hab ich da auch gleich wieder ein grammatisches Geschlecht welches eindeutig das soziale Geschlecht angibt. Ich selbst erwische mich dabei, „der Mensch“ zu schreiben, wenn es sich um einen Mann handelt und „die Person“ wenn es eine Frau ist. Dabei sind ja beide Begriffe geschlechtsneutral verwendbar.
Das Geschlecht außen vor zu lassen ist schwierig. Oft will und soll man das ja auch gar nicht, denn wenn eine Person eindeutig und gerne Frau ist und sich als solche versteht, und auch sonst keine besonderen Umstände es erfordern, sehe ich keinen Grund, das Geschlecht zu verschweigen.
Aber es gibt Momente, da halte ich es für angebracht, geschlechtsneutral zu schreiben oder gar zu sprechen:

  • Wenn ich potentiell jeden Menschen meine, egal welches Geschlecht.
  • Wenn ich das konkrete Geschlecht einer Person kenne, aber es in dem Moment für ungünstig halte, es zu erwähnen.
  • Wenn die Person kein männliches oder weibliches Geschlecht hat.
  • Wenn die Person sich mir mal als Mann und mal als Frau gezeigt hat und ich nicht sicher bin, mit welchem Geschlecht ich mich auf sie beziehen soll (also insbesondere, wenn ich nicht weiß, wie die Person sich selbst bezeichnet).
  • Wenn ich über eine Person spreche, über deren Geschlecht im Kreis der Zuhörer und Diskutierenden Uneinigkeit herrscht und ich mich nicht voreilig festlegen möchte.
  • Wenn es sich um eine Person handelt, die vermutlich eindeutig männlich oder eindeutig weiblich ist, aber ich es nicht weiß (ich z.B. einen Bericht nacherzählen möchte, der in einer geschlechsneutralen Sprache geschrieben war, oder weil ich es einfach vergessen habe)
  • Wenn ich Zuhörer bewusst im Unklaren über das Geschlecht einer Person lassen möchte, um die Vermutung zu prüfen, dass sie aufgrund anderer Informationen ein bestimmtes Geschlecht annehmen, und dann zu schauen wie verdutzt sie sind wenn ich plötzlich das (von ihnen nicht erwartete) Geschlecht nenne.
  • Wenn ich auch mal ein Kinderbuch schreiben wollte bei dem es dem Leser bzw. Zuhörer überlassen ist, ob er sich einen Mann, eine Frau oder sonst irgendwen vorstellt.

Klingt konstruiert? Bis auf den letzten Punkt sind das alles Situationen, in denen ich auch wirklich schon einmal war.

Lösungen im Deutschen, die mich nicht befriedigen

Möglichkeiten, geschlechtsneutral zu schreiben, gibt es an sich viele:

  • Immer beides Nennen („der Gärtner bzw. die Gärtnerin mit seiner bzw. ihrer Heckenschere „)
  • Binnen-I (GärtnerIn)
  • Gender-Gap (Gärtner_in)
  • Sternchen (Gärtner*in oder einfach Gärtner*)

Ersteres macht lange, unschöne Sätze und lässt keinen Platz für Menschen außer Mann und Frau. Die drei anderen Varianten sehen typographisch furchtbar aus und lassen sich kaum angemessen vorlesen. All das kann man trotz dieser Probleme praktisch anwenden, und ich werde bestimmt nie jemanden dafür kritisieren dass er es tut. Aber ich selbst möchte zwar gerne hier und da geschlechtsneutral sprechen, aber bitte mit Sahne, also so, dass es geschmeidig klingt. Nicht mit künstlichen Zusatzstoffen die beim Sprechen zwischen den Zähnen knirschen.
Und das Hauptproblem sind so oder so nicht die Substantive selbst, sondern die vielen anderen Worte im Satz, die entsprechend dekliniert werden müssen. Da helfen die vier Varianten von oben auch nicht weiter.
Wohl aber das „hen“, welches die Schweden wohl noch nicht so recht ins Herz geschlossen haben, bzw. dessen Vorbild „hän“ welches im Finnischen seit jeher geschlechtsneutrales Sprechen ermöglicht. In einigen wenigen deutschen Blogs wird auch schon „hän“ verwendet, und ich finde, es macht Texte nicht länger, strukturell nicht komplexer, ist typographisch völlig akzeptabel… was will man mehr? Ich finde, auch wir können ein hän gebrauchen.

Das böse Neutrum

Es gibt zwar im Deutschen schon das grammatische Neutrum, aber mit dessen Verwendung richtet man auch mehr Schaden an als es hilft. Eine Person als „es“ bzw. „das“ zu bezeichnen gilt als tiefe Beleidigung, das Neutrum positiv neu zu besetzen halte ich für ausgesprochen schwierig.
Aber warum ist „es“ eigentlich so abwertend? Ich denke, wenn man eine Person als „es“ bezeichnet, löst das beim Hörer nicht primär das Verständnis hervor, es würde ich um einen Menschen ohne männliches oder weibliches Geschlecht handeln, sondern viel mehr, dass es sich um gar keinen Menschen handelt, sondern ein seelenloses Ding. Oder ein grausames Monster. Dinge können auch männlich oder weiblich sein, Menschen aber nie „sachlich“. Diese Konnotation des Genus ist meiner Meinung nach in erster Linie keine Abscheu vor Menschen ohne Geschlecht, sondern „nur“ die Ignoranz dessen, dass es solche Menschen überhaupt gibt. Aber letztens führt da auch das eine zum anderen.

Und gleich noch ein fünftes

Reicht denn ein „hän“ aus? Nicht unbedingt. Nein, denn es gibt Menschen, die weder weiblich noch männlich sind und die (völlig zu recht) ihr Geschlecht dennoch als etwas eigenständiges ansehen. Wie dieses „dritte“ Geschlecht zu nennen wäre ist noch völlig unklar, und da diese weiteren Geschlechter untereinander auch alles andere als gleich sind, muss man wohl von mehreren „anderen“ Geschlechtern sprechen. Ich vermute aber mal (auch wenn ich mich damit weit aus dem Fenster lehne), dass diese Menschen dennoch gut mit einer Zusammenfassung in einem weiteren Genus leben könnten. Eine Unterordnung ins männliche oder weibliche würde die Eigenständigkeit des Geschlechts nicht anerkennen. Wenn diese Menschen das Bedürfnis haben, ihr „anderes“ Geschlecht explizit zu nennen, ist auch ein generisches „Hän“-Geschlecht keine Lösung, da es doch gerade der Nichtnennung von Geschlechtern dient. Und das Neutrum wird vermutlich immer mit dem nicht-Menschsein assoziiert bleiben.
Somit sehe ich dann Bedarf für folgende fünf grammatikalischen Geschlechter:

  • Maskulinum für Männer und Sachen
  • Feminunum für Frauen und Sachen
  • „Anderum“ (ich kann kein Latein… ginge vielleicht „Alium“?) für Menschen mit „anderen“ Geschlechtern
  • „Generikum“ für Menschen deren Geschlecht nicht explizit genannt werden soll oder kann
  • Neutrum für Sachen

Und wenn man schon mal dabei ist, könnte man auch gleich alle Gegenstände zum Neutrum machen: das Messer, das Gabel und das Löffel. Ich könnte mich auch daran gewöhnen. In diesem Sinne: Gutes Nacht!

9 Gedanken zu „Geschlechtsneutrale Sprache als Chance betrachten statt als Zwang

  1. Mir ist gerade noch eingefallen: Bei „das Kind“, „das Baby“ und „das Mädchen“ wird das Neutrum doch bei Personen eingesetzt und wird nicht als Entmenschlichung angesehen. Könnte das also vielleicht doch auch in anderen Zusammenhängen funktionieren?
    Dumm nur, dass einige Pronomen im Neutrum die gleichen sind wie im Maskulinum. Wenn ich also schreibe „Kim hat seine Hausaufgaben gemacht“ merkt ja niemand, dass ich Kim bewusst ins Neutrum gesetzt habe und es klingt nach Maskulinum. Bringt mich also kaum weiter.

  2. interessante überlegungen… die bisherigen lösungen im deutschen finde ich auch nicht befriedigend – benutze sie aber doch, weil sie immer noch besser sind, als einfach das „normale“ diskriminierende deutsch zu verwenden.
    das neutrum, finde ich, geht aber gar nicht, um menschen zu beschreiben. eine freundin von mir bezeichnet transidente menschen oft als „es“, was ich zutiefst herabwürdigend finde. auch für „mädchen“ ist das „es“ nicht okay. ich würde auch nicht mit „es“ auf das weibliche kind referieren, wenn es irgendwie zu vermeiden geht (auch wenn das dann grammatikalisch falsch ist).
    aber natürlich ist sprache im ständigen wandel, und rein theoretisch wäre es nicht unmöglich, sich mit der zeit an das neutrum für personen zu gewöhnen, dann aber wirklich für alle ohne ausnahme. und auch nur, wenn man trotzdem noch diskriminierung benennen kann und diese nicht sprachlich untergeht ohne gesellschaftlich zu verschwinden.

  3. Das dieser Vorschlag ausgerechnet aus Schweden kommt, überrascht mich nicht. Dort ist nämlich die Geschlechterlücke ein Stückchen kleiner als bei uns.
    Außerdem ist es in der Schwedischen Sprache bereits jetzt so, dass zwischen männlich und weiblich weniger unterschieden wird. Es gibt zwar die Pronomen, die männlich und weiblich verschieden sind. Aber bei den Artikeln zum Beispiel gibt es soweit ich weiß nur zwei Geschlechter – nein, nicht männlich und weiblich wie im Französischen. Sondern: Utrum und neutrum. Utrum ist dabei für geschlechtliche Wesen, neutrum für Dinge. Das schwedische Utrum entspricht somit deinem Generikum – nur dass es das Utrum halt auch im Schwedischen noch nicht überall gibt. Braucht man z.B. ein Pronomen, dann muss man Maskulinum oder Femininum nehmen.
    Ich finde die Idee mit den 5 Geschlechtern nicht schlecht, obwohl ich mal in Frage stellen würde, ob das Anderum wirklich nötig ist. Das Utrum/Generikum könnte diesen Zweck ja vielleicht auch tun. Ich finde es aber gut, wenn man bei der Sprache sowohl das Geschlecht offen lassen als auch es gezielt nennen kann – so bräuchte ich, wenn ich in einem Chatroom einem Benutzer mit neutralem Nickname begegne, hen (!) nicht mehr als „er“ zu bezeichnen, ohne genau zu wissen, ob ich da das generische Maskulinum benutze oder ob ich annehme, dass hen ein er ist (womit ich meist richtig liegen würde). Übrigens ist dies das erste mal, dass ich das Wort „hen“ verwende.
    Ach ja, nochwas, mir fällt hierzu ein Dialog aus einem Asterix-Heft ein:
    Asterix: Wie sagt man zu euch, „die Bardin“? „Die BArde“?
    Weiblicher BArde: „Der Barde“!

    Asterix: Miraculix, die Wollen Trubardix durch einen weblichen Barden ersetzen! […] Glaubst du, es könnte bald auch weibliche Druiden geben?
    Kurz: Asterix musste erst die Bardin fragen, wie denn die weibliche Form von Barde ist, bevor er über sie reden konnte!
    Übrigens: Während viele andere Sprachen im Plural kein Genus mehr kennen, hat das Französiche kein „Utrum plural“. Stattdessen wird dort – auch im Plural – streng zwischen männlich und weiblich unterschieden. Hat man es mit einer gemischten Gruppe zu tun, muss man das „generische maskulinum plural“ nehmen. Weiß man nicht, ob die Gruppe nur aus Frauen besteht oder ob auch Männer dabei sind, hat man ein problem.
    Nochwas zum nachdenken: Wie wäre es, wir führen unterschiedliche Artikel, Pronomen, etc. nach Religion oder Rasse ein?
    Beispiel für bestimmte Artikel:
    kru Mann, kru Frau (der weiße christliche Mann, die weiße christliche Frau)
    kra Mann, kra Frau (der schwarze christliche Mann, die schwarze Christliche Frau)
    kri Mann, kri Frau (der asiatische christliche mann, die asiatische christliche Frau)
    isu Mann, isu Frau (der muslimische weiße Mann, die muslimische weiße Frau)
    isa Mann, isa Frau (usw.)
    isi Mann, isi Frau
    üdu Mann, üdu Frau (dasselbe nochmal für Juden)
    üda Mann, üda Frau
    üdi Mann, üdi Frau
    Unbestimmte Artikel:
    krux, krax, krix, isux, isax, isix, üdux, üdax, üdix.
    Und jetzt sehen wir, wie tief das Denken, dass Rasse und Religion unabhängig voneinnader sind, in meinem Kopf verankert ist – nämlich so tief, dass ich davon ausgegangen bin, dass ich hier jede mögliche Kombination vorsehen muss.
    Jeder würde diese Idee für diskriminierend und völlig unsinnig halten, nicht nur, weil Hindus und Atheisten plötzlich ohne einen Artikel dastehen würden. Stellen wir uns aber mal vor, dass sowas in unserer Sprache zentral verankert wäre? Würden wir das dann normal finden? Und was würden wir von Leuten denken, die religions- und rassenneutrale Grammatik fordern? Wir würden wahrscheinlich behaupten, sie hätten einen Knall.

  4. Ach ja, das mit den Personen, deren Geschlecht man nicht erkennen kann, hatte ich sogar schon in RL. Bisher habe ich es immer geschafft, still zu sein und peinliche Situationen zu vermeiden.
    Ich hätte dann noch eine Frage: Hen ist ein Pronomen. Wie lauten die dazu passenden bestimmten und unbestimmten Artikel?

    1. Das ist in der Tat eine gute Frage. Dazu habe ich bisher noch nirgends brauchbare Vorschläge gefunden, und die Artikel sind natürlich genauso wichtig.
      Hätte man die neutralen Artikel (?), die neutralen Pronomen (hän) und dann noch neutrale Substantive (StudentIn, Student_in, Student* überzeugen mich alle noch nicht so ganz), dann wäre ja alles komplett und die Sache quasi Alltagstauglich – von der anfänglichen Umstellung mal abgesehen, aber Umstellungen sind nun mal immer schwierig, da führt wohl kaum etwas dran vorbei.

      1. Ich hab mal über den unbestimmten Artikel nachgedacht. Mir ist zuerst das schwedische „ett“ in den Sinn gekommen. Es würde ganz gut zu „ein“ und „eine“ passen. Aber ett ist dummerweise neutrum und nicht utrum, wäre also irgendwie unpassend. Andererseits wäre es durchaus auch sinnvoll, maskulinum und neutrum zu trennen – dann könnte man „ett“ als unbest. Artikel neutrum benutzen..
        Jetzt haben wir aber immernoch keinen unbest. Artikel Utrum.
        Mögliche Optionen wären:
        – eine durch ein ersetzen und nur noch „ein“ benutzen. Also: Ein Lehrer, Ein Lehrerin. Ein REpublik. Ein FRau. Etwas gewöhnungsbedürftig.
        – „en“ als unbest. Artikel Utrum benutzen (wird so in Schweden bereits benutzt, männlich und weiblich wird in Schweden beim unbest. Artikel nicht unterschieden). Allerdings klingt „en“ immernoch wie „ein“ und weniger wie „eine“. Ist also immernoch nicht ganz befriedigend.
        Da fällt mir ein:
        Wie schreibe ich denn jetzt die Anrede im Brief?
        Sehr geehrta (!) …. Meier,
        Wir brauchen ein generisches Synonym für Herr/Frau.

        1. Interessante Ideen. Mein Senf dazu:
          „ein“ als Generikum einzusetzen, wäre denkbar zwar denkbar. Aber so wohl der Fakt, dass es ja jetzt schon ein Artikel im Neutrum ist, als auch, dass es ein Artikel im Maskulinum ist, machen es suboptimal. Dann doch lieber „ett“ oder „en“.

          Sehr geehrta (!) …. Meier,

          „geehrta“ klingt aber, wenn man es ausspricht sehr nach „geehrter“ und somit nach Maskulinum. Bei Adjektiven und Verben könnte man dabei aber doch ganz auf die Endung verzichten:
          Sehr geehrt … Meier,
          Bei Akademinischen Titeln gibt es da ja schon Neutrale Bezeichnungen:
          Sehr geehrt Dr. Meier,
          Und muss denn überhaupt etwas an die Stelle des „Herr“/“Frau“/“Dr.“/“…“? Warum nicht einfach
          Sehr geehrt Meier,
          Oder eben den Vornamen dazu:
          Sehr geehrt Kaya Meier,

    2. Bisher habe ich es immer geschafft, still zu sein und peinliche Situationen zu vermeiden.

      Ja, mag eine Lösung sein. Aber ist doch schade, dass die einzige Möglichkeit, keine peinlichen Situationen zu erzeugen, das Schweigen ist. Oder?

  5. Und wieder mal ein Nachtrag: Zu dem oben erwähnten Buch „So wie du bist“ gibt es offenbar auch einen Nachfolger: „Und wenn es stürmt“.
    Das interessante: Während ein Rezensent bei Amazon lobend hervorhebt, dass auch in diesem Buch das Geschlecht von Kind und Elternteil undefiniert bleibt, heißt es in der Artikelbeschreibung: „(…) Dann nehme ich dich in die Arme und halte dich fest, sagt seine Mutter. (…)“
    Siehe http://www.amazon.de/Und-wenn-st%C3%BCrmt-Debi-Gliori/dp/3827053730/ref=pd_rhf_dp_shvl7
    Ein deutliches Zeichen dafür, dass viele Menschen eben nicht ohne Geschlechterkategorien denken/schreiben/sprechen können oder wollen.

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