Die Öffentlichkeit des Privaten: die Konsequenz für mich als Transsexuelle

Die Öffentlichkeit des Privaten: die Konsequenz für mich als Transsexuelle

Als ich begann, diesen Text zu schreiben, fing ich mit einem Vorwort über die gesellschaftliche Situation an, das sich zu einem eigenen Beitrag entwickelt hat, der nun hier zu finden ist. Irgendwie habe ich darin noch über ein paar technische Überleungen den thematischen Bogen zu meinem (unfertigen) Lebenswerk Cubenet geschafft. Man sieht, alles in meinem Leben hängt irgendwie grob zusammen. Nun aber zum privaten Aspekt, und warum ich den nicht mehr privat halte:

Stufen der Geheimhaltung

Gewöhnlich hat man wohl verschiedene Kreise der Privatheit. Ich nummeriere diese mal kurz durch, um mich anschließend einfacher darauf beziehen zu können:

  1. Worüber man öffentlich, z.B. im WWW oder im Fernsehen, berichtet
  2. Worüber man mit jedem offen redet
  3. Worüber man mit Freunden spricht
  4. Worüber man nur mit den aller vertrautesten Personen spricht
  5. Worüber man mit niemandem spricht
  6. Worüber man nicht mal bewusst nachdenkt

Meine Transsexualität, die mir irgendwie schon seit 16 Jahren bewusst ist, war trotzdem die gesamte Zeit über auf „Geheimhaltungsstufe 6“. Ich wusste, das da etwas ist, aber dieses Wissen hat es mit sehr wenigen Ausnahmen nicht mal in Selbstgespräche oder mein Tagebuch geschafft. Viel privater und geheimer kann etwas nicht sein. Der Gedanke, dass irgendwer davon erfährt, war an sich schon undenkbar. Es hätte das Ende bedeutet, was auch immer das bedeuten mag…
Im kurzen Zeitraum von April bis Mai 2011 hat sich dieses Thema zügig von „Stufe 6“ auf „Stufe 1,5“ hochgearbeitet. Sobald ich mich wagte, darüber aktiv nachzudenken, habe ich etwas in Gang gesetzt, das zur Umsetzung führen würde, also zur öffentlichen Transition. Jeder Mensch auf der Welt könnte mich draußen als Frau antreffen, das ist schon sehr öffentlich. Jedem, der aufmerksam genug hinsieht, würde ich auf stille Weise kommunizieren: „Ich bin transsexuell“.

Ist öffentlich gleich öffentlich?

Aber wie öffentlich ist das wirklich? „Ich bin transsexeuell“ erschien mir lange als eine sehr schwergewichtige Information, ein großer Brocken, für den es gewiss viel Mut bräuchte, um ihn in die Öffentlichkeit zu zerren. Aber letztlich ist es auch eine triviale Information, die sich in ein paar Zeichen verkürzt darstellen lässt: „Ich=TS“. In 6 Byte kann schon Informationstheoretisch nicht viel Wissen drin stecken. Alle Details, all das was mich als Mensch und meinen Werdegang wirklich ausmacht, lässt sich anhand dessen nur sehr grob erahnen.
Ich habe deshalb mein Coming-Out mit einem etwas längeren Text begangen, nämlich über 12.000 Zeichen, worin auch die Aufforderung an meine Freunde enthalten war, mich nach Details zu fragen, sowie eine genaue Beschreibung dessen, wie öffentlich das nun alles sein soll:

„Ihr könnt mir jederzeit Fragen stellen, wobei folgendes Prinzip gilt: Ihr dürft mich fragen was immer ihr wollt, ich nehme keine Fragen per se übel. Ich werde die meisten Fragen offen und ehrlich beantworten, aber behalte mir natürlich auch als Transsexueller ein gewisses Maß an Privatsphäre vor. (…) Du kannst übrigens auch gerne mit jedem anderen im Raum Braunschweig über das Thema bzw. über mich sprechen. (…) Globaler als in Braunschweig möchte ich das Thema noch nicht verbreiten, also bitte ich euch alle inständig, zunächst mal keine „auffälligen“ Dinge über Facebook, StudiVZ und Co. zu verbreiten. Das kommt zu gegebener Zeit noch, aber bitte nicht jetzt.“

Damit habe ich die Öffentlichkeit auf Stufe 3 oder sogar 2 gelegt, aber auch ganz klar nicht auf Stufe 1.
Eine Transfrau kann natürlich nicht ohne weiteres mit männlichen Onlineprofilen durch’s Web ziehen, und als ich nach ein paar Wochen meinen Facebook-Account und wenig später auch den bei StudiVZ umstellte, war klar, dass meine Transsexualität für immer auch online verbucht sein würde. Damit war meine Transsexualität auf Stufe 1 angelangt, aber noch lange nicht alles gesagt. Ich wusste nicht, wie sehr ich mein Facebook-Account nun mit diesem Thema „zuspammen“ sollte.  Die Details waren nicht online. Und die allermeisten Menschen würden nun sagen: „Richtig so, da gehören sie ja auch nicht hin.“ Wenn ich selbst die Details meiner transsexuellen Entwicklung – vielleicht das privateste was ein Mensch haben kann – online ausbreite, dann schaffe ich ja quasi meine Privatsphäre ab.

Will ich es riskieren, nichts privates mehr zu haben?

Ja, ich will, ich muss. Eigentlich wusste ich das von Anfang an.
Die Anfänge – ich meine nicht die echten Anfänge, damals als ich 11 war, sondern den April 2011 – waren eine stürmische Zeit. Ich setzte mich hin und entschloss mich, endlich über meine geschlechtliche Identität nachzudenken. Um mein jahrelang unterdrücktes und dadurch festgefahrenes Denken etwas in Schwung zu bringen, surfte ich im Netz und suchte ganz bewusst Berichte von anderen, denen es ähnlich geht oder ging. Ganz am Anfang wusste ich nicht mal genau, wo nach ich gerade suche, surfte ein wenig hier und da herum, uns stieß zunächst auf die „Teilzeitfrau“ Jula und ihre Website. Von da aus dauerte es nicht lange, bis ich auf Svenjas Blog stieß.
Svenja ist transsexuell und hat ihren Weg vom ersten ersten Tag an akribisch, schonungslos offen aber auch mit viel Humor online dokumentiert. Ach, ich brauche das ganze gar nicht wortreich umschreiben, lest einfach diesen Zeitungsartikel über ihren Blog in den Kieler Nachrichten, oder schaut direkt in ihren Blog: Svenja-and-the-City. Darüber, was Svenjas Blog für mich persönlich bedeutete und möglich machte, werde ich in Kürze noch ausführlich berichten…

Solche Frauen braucht das Land!

Transsexuelle, die ihre privatesten Details nach außen kehren, leisten einen unbeschreiblichen und unbezahlbaren Dienst für andere, die ihren Weg noch vor sich haben. Vom Bewusstwerden und Akzeptieren über das Coming-Out und die Transition, nichts von alle dem erscheint auch nur annähernd machbar bevor man nicht jemanden sieht, der es getan hat. Ich hätte so gerne etwas getan, um etwas dankend an Svenja zurück zu geben. Mir wurde aber bewusst, dass ich nicht viel tun kann für Svenja, dafür aber viel für andere. Ich schrieb ihr eine lange Mail, voll von dankenden Worten, aber auch mit dem Versprechen: Auch ich werde meinen Teil beitragen, ich werde einen Teil meiner Privatheit aufgeben um anderen ein Vorbild, eine Stütze, eine Inspiration oder ein Hoffnungsschimmer zu sein.
Aber Vorsätze sind immer leichter gesprochen als umgesetzt. Ich hatte zwar schon einen lauffähigen Blog, den ich nur noch mit neuen Inhalten füllen musste, sowie mit einem neuen Banner, um den alten Namen loszuwerden. Aber irgendwas hielt mich zurück. Auch wenn doch nun praktisch alle wissen, dass ich transsexuell bin, und ich mit praktisch jedem darüber spreche: darüber zu schreiben ist schwierig. Verdammt schwierig. Vielleicht bin ich auch einfach nicht die richtige Person, um darüber zu bloggen, und sollte mich lieber anders nützlich machen?

Alternativen zum Blog

Inzwischen kannte ich auch viele amerikanische Seiten über Transsexualtiät. Manche sind ebenfalls chonologisch geordnete Blogs, andere sind klar strukturierte Webseiten mit sachlichen Informationen, manche mischen beides. Vielleicht läge mir das eher? Aber schon jetzt gibt es viel zu viele solche Seiten, jede für sich ist wertvoll und unverzichtbar, aber ihrer Gesamtheit sind sie ein heilloses Chaos, über das niemand einen Überblick bewahren kann. Und jede der Infoseiten für Transsexuelle hat ihre Themenschwerpunkte, stellt die Meinung oder Erfahrung von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen dar, und viele werden auch seit Jahren nicht mehr aktualisiert. Die Autoren und Autorinnen haben verständlicherweise irgendwann andere Lebensschwerpunkte als ihre Transsexualität.
Der einzige Weg, wie ich die Lage verbessern könnte, wäre vielleicht ein Wiki. Hier könnte es eine zentrale Informationsquelle geben, die von vielen Bearbeitet wird, wo einerseits jeder sein persönliches Wissen einbringen kann, und andererseits auch Informationen von anderen Seiten gesammelt und zusammengefasst werden können. Ein Wiki über Transsexualität und verwandte Themen aufzusetzen, mit ersten Inhalten zu füllen, und dann zu moderieren, das könnte mein Beitrag für eine bessere Welt für Transsexuelle sein…
Nun, ich war nicht untätig. Ich kann sogar wohl behaupten, schon über 100 Stunden in besagtes Wiki investiert zu haben, welches nun kurz davor ist, veröffentlicht zu werden. Dazu gibt’s dann natürlich auch die entsprechende Ankündigung hier im Blog, wenn es soweit ist. Aber ich werde mich jetzt aber nicht auf ein Datum festlegen!

Und doch wieder der Blog

Erstaunlicherweise ist aber nun doch mein Blog schneller gewesen, und enthält nun erste Beiträge von mit, die sich mit Transsexualität auseinandersetzen. Ich habe endlich wirklich Stufe 1 erreicht. Ich habe langsam auf Facebook eine Balance gefunden zwischen meinen Interessen (Programmierung, Geektum, Fotografie, Transsexualtiät, Politik, Queerness, Feminismus…) und so auch eine neue, gemischte Richtung für meinen Blog gefunden, wie ich hier berichtet habe. Bis vor wenigen Tagen ging das nicht sehr in die Tiefe, und vor allem wusste wohl niemand, dass ich nach einem Jahr Pause wieder aktiv blogge.
Vorgestern passierte es dann, dass Janet Mock über Facebook ihren neusten Blogpost ankündigte. Sie ist eine extrem sichtbare Persönlichkeit in den USA, eine Transsexuelle die ihr Leben per Blog und Podcast beschreibt, auf Konferenzen Vorträge hält, ständig in den Medien ist… ein echtes Vorbild an Öffentlichkeit. Sie ist sicher für tausende von Amerikanern das, was Svenja für mich und viele andere deutsche ist. Was ich bis vorgestern nicht wusste: Sie ist erst seit weniger als einem Jahr an der Öffentlichkeit. Davor hat sie Jahre lang „stealth“ gelebt, also so, dass nur ihre engsten Vertrauten von ihrer Transsexualität wussten. Sie ist innerhalb weniger Monate zu einer kraftgebenden Leuchtgestalt für so viele Menschen geworden, wie kaum jemand anders.
Und sie hat mich daran erinnert, dass ich das auch sollte. Sie hat mich an mein „Versprechen“ gegenüber der Welt erinnert, dass ich Svenja gegenüber geäußert habe. Sie hat mich daran erinnert, mal wieder in Svenjas Blog zu schauen. Dort heißt es:

„Meine Personenstandsänderung war das letzte TransThema in meinem Blog. Es gibt im Blog keine Andeutung meiner Vergangenheit mehr.“

Das Klingt so, als wird dort ein Job frei… Ich kann nicht genau das tun, was Svenja getan, weil mein Leben ein völlig anderes ist. Ich kann nicht genau das tun, was Janet tut, weil ich nicht so sein kann wie Janet ist. Aber ich kann mein bestes tun. Mein Blog mit seinen viel zu langen Texten wird nicht die Welt retten. Mein Wiki wird es nicht. Aber es sind zwei Puzzle-Stückchen, weitere werden folgen, wenn ich dazu bereit bin. Und Menschen wie Svenja, Janet, Jula, Claudia, Jeanette, Madeline, Lynn, Lannie, Balian und viele andere werden mich durch ihr Werk regelmäßig daran erinnern, mich selbst zu prüfen. Das heißt, ab und zu nachzusehen, ob ich inzwischen genug Erfahrung, Weisheit, Kraft, Motivation, Mut und Zeit gesammelt habe, um ein weiteres Puzzlestück beizutragen.

8 Gedanken zu „Die Öffentlichkeit des Privaten: die Konsequenz für mich als Transsexuelle

  1. „Svenja ist transsexuell und hat ihren Weg vom ersten ersten Tag an akribisch, schonungslos offen aber auch mit viel Humor online dokumentiert. Ach, ich brauche das ganze gar nicht wortreich umschreiben, lest einfach diesen Zeitungsartikel über ihren Blog in den Kieler Nachrichten, oder schaut direkt in ihren Blog: Svenja-and-the-City. Darüber, was Svenjas Blog für mich persönlich bedeutete und möglich machte, werde ich in Kürze noch ausführlich berichten…
    Solche Frauen braucht das Land!
    Transsexuelle, die ihre privatesten Details nach außen kehren, leisten einen unbeschreiblichen und unbezahlbaren Dienst für andere, die ihren Weg noch vor sich haben.“

    Entschuldigung,
    Solche Transen brauchen die Transsexuellen in diesem Land nicht!
    Swenja sei Transsexuell(??), so ist es dann nun auch nicht, denn wenn „Swenja“ Transsexuell währe, hätte sie sicherlich schon nach nun (etwa) 6 1/2 Jahren ihre GA-OP! dies ist aber nachweislich (selbst bekundet: http://mysvenja.blogspot.de/2011_01_01_archive.html
    „Bisher musste man sich in einer schwierigen Operation die Geschlechtsorgane entfernen lassen, um auch im Personen­stands­register den gewünschten Geschlechtseintrag männlich, oder weiblich, zu bekommen.
    Im Klartext: Wer nicht bereit war, sich operieren zu lassen, der meinte es auch nicht ernst. Mediziner wissen schon seit vielen Jahren*, dass diese Schluss­folgerung falsch ist und selbst die beiden psychiatrischen Gutachter für die Namens­änderung haben mir damals trans bescheinigt, ohne überhaupt die Frage nach der OP gestellt zu haben.“

    ) nicht der Fall.
    Deswegen ist „sie“ für mich lediglich Transgender, andere nennen so was einen Schwanzlurch.
    Swenja vollbringt uns Transsexuellen somit wohl eher einen üblen Bärendienst!
    Deshalb schreibt „sie“ ja auch im Dezuember 2011: „http://pic.mysvenja.de/tagebuch2012.png
    Liebe Grüße
    Alexandra Galle
    (Formatierungen nachträglich von Lena eingefügt um den Kommentar übersichtlicher zu machen, Text unverändert)

    1. Hallo Alexandra,
      Vorweg: ich möchte dich zu etwas mehr Sachlichkeit aufrufen. Die Worte „Transe“, „Schwanzlurch“ und das von dir in Anführungszeichen gesetzte „sie“ wäre eigentlich schon mehr als genug, um deinen Beitrag zu sperren. Ich bin aber auch kein Freund von Zensur und glaube gelegentlich daran, dass man auch einen ungünstig begonnenen Dialog mit etwas Mühe noch in eine konstruktive Richtung lenken kann.
      Diesen Kommentar zu veröffentlichen ist also soetwas wie ein Experiment. Also bitte bemühe dich bei weiteren Beiträgen um eine andere Ausdrucksweise, sonst wird dieses Experiment gleich wieder eingestellt. Das gilt natürlich auch für alle anderen, die hier kommentieren.

      Aber nun zur Sache:
      Wenn du Transsexualität dadurch definierst, dass jemand alle möglichen Schritte inkl. GaOP geht, dann ist Svenja halt nicht transsexuell. Das ist eine gültige Möglichkeit, TS zu definieren, aber eben nicht die einzige. Aber egal ob Svenja jetzt in die Definition von Transsexuell oder Transgender oder sonst etwas passt, welche Bedeutung hat das? Für mich sind das, wenn überhaupt, zwei verschiedene Formen der TS für die eben der selbe Begriff verwendet werden. Ist dir bewusst, dass Svenja und andere Transfrauen ohne GaOP dennoch eine Hormontherapie durchmachen und somit große Änderungen an ihrem Körper vollziehen, die sämtliche sekundären und teritären Geschlechtsmerkmale beeinflussen? Vielen Transgendern und den allermeisten Transvestiten ginge das bereits viel zu weit. Frauen wie Svenja als Transgender zu bezeichnen macht das Begriffschaos nicht kleiner. Es gibt nunmal unendlich viele verschiedene Identitäen und Lebensweisen aber nicht unendlich viele Begriffe dafür.
      Unabhängig davon, was bzw. wer Svenja durch ihren Lebensweg und ihre Entscheidung nun ist bzw. wie man sie einkategorisieren mag, ging es ja auch ursprünglich um den „Dienst“, den sie anderen erweist. Warum sollte die Form dessen, was sie in der Hose hat, irgendetwas daran ändern wie wertvoll ihre Erfahrungen und Informationen für andere sind? Für mich war die wichtige Kernaussage ihre Blogs: „Auch wenn man mit einem männlichen Körper zur Welt kam: Als Frau in unserer Gesellschaft zu leben ist wirklich möglich und auch wenn es schwer ist, es kann sich lohnen den Schritt zu wagen.“ Als ich diese Botschaft aufgenommen und verinnerlicht hatte, wusste ich noch nichts über ihren OP-Status und es hätte auch keine Bedeutung für mich gehabt wenn ich es gewusst hätte. Ich kann nichts negatives daran erkennen.
      Aber dafür gibt es positive Aspekte. Svenja hat sich mit dem Thema OP kritisch auseinandergesetz, ihre Gedanken dazu geteilt und zu einer Diskussion in den Kommenaren aufgerufen: http://mysvenja.blogspot.de/2009/06/funf-fragen-die-sich-jede-transsexuelle.html Dabei haben sich sowohl OP-befürwortendes als auch OP-kritische Menschen beteiligt, darunter Transsexuelle, Transgender und auch Cis-Gender, sowohl Männer als auch Frauen. Dabei ist sind gute Anregungen herausgekommen für jeden Menschen, der sich überlegen muss, ob eine GaOP für ihn das richtige ist.
      Ich würde sagen, Transsexuelle können damit noch besser überdenken, ob sie unwiederruflich „postoperative Transsexuelle“ werden wollen oder lieber „präoperative Transsexuelle“ bleiben möchten – egal ob nur vorerst oder letzlich doch für immer. Nach deiner Definition würden die betroffenen Menschen damit stattdessen erkennen, ob sie „echte Transsexuelle“ sind, oder eben „nur Transgender“. Auch ok.
      Egal wie man es nennt, ich finde, zu dieser Überlegung aufzurufen und neutrale Hilfestellung zu geben kann doch für niemanden etwas schlechtes oder ein „Bärendienst“ sein. Magst du vielleicht nochmal genauer erklären, wo das Problem liegt?

  2. Wer sich als „war früher ein Mann“ bezeichnet, oder bezeichnen lässt, (http://mysvenja.blogspot.de/2009/06/svenja-ist-in-der-zeitung.html) wie in Zeitungsartikeln mehrfach geschehen und auch noch im eigenen Block von sich selbst dieses bekundet, ist in meinen Augen ein Opfer der patologisierenden Sexualforscherapostellogik und irgendwie tut das der Transpridebewegung und dem Ansehen von Transsexuellen allgemein überhaupt nicht gut.
    Ich glaube, so wird jeglichem transsexuellen Selbstbewusstsein entgegengeredet.
    Sie wurde mit Gewalt in eine Rolle gezwungen, in Ordnung? Aber war sie deswegen jemals die „Rolle“, „der Mann“??
    Wer sich als „war früher ein Mann“ bezeichnet und auch noch im eigenen Block von sich selbst dieses bekundet, und dann noch selbst schreibt „Hura ich habe trotz Schnippelschen nun die Änderung der juristischen Geschlechtszugehörigkeit“ (oder so ähnlich), braucht sich nicht zu wundern wenn er (sie) und auch andere transsexuelle Menschen ein Opfer der faschistoiden, pathologisierenden „Sexualapostel Logik“ werden.
    Und irgendwie ist das dann keine „Vorzeige(trans)frau“ für die Transpridebewegung.
    Liebe Grüße
    Alex.andra Galle

    1. Und irgendwie ist das dann keine „Vorzeige(trans)frau“ für die Transpridebewegung.

      Das ist absolut richtig: für eine Bewegung, der es extrem wichtig ist, dass ihre Identität als Frau (oder Mann, im Fall von Transmännern) zu 100% anerkannt wird, inklusive der Zeit vor dem Coming Out bzw. der Transition, ist Svenjas Ausdrucksweise nicht förderlich.
      Meiner Meinung nach ist das aber längst nicht der einzige Maßstab, an dem man einen Trans*menschen und seinen „Dienst“ für andere Trans*menschen messen kann. Die „Transpridebewegung“ mag ein wichtiger Teil der allgemeinen „Transbewegung“ sein, aber sie ist eben nicht alles.
      Es gibt viel zu tun, an allen möglichen Ecken und Enden muss sich etwas ändern:

      • Die Psychopathologisierung
      • Die Fremdbestimmung
      • Die Verwechslung von sexueller Identität, sexueller Orientierung und Fetischismus
      • Der Gedanke, dass Transfrauen Männer sind und immer Männer bleiben werden (und andersherum)
      • Der Gedanke, dass Transfrauen früher mal Männer waren und jetzt Frauen sind (und andersherum)
      • Die Idee, dass Trans*Menschen sich spontan zur Transsexualität entscheiden
      • Alle Bedingungen, die dazu führen, dass transsexuelle ihre Identität zwar früh erkennen aber dennoch erst so spät oder nie nach außen tragen können
      • Die Einschätzung, dass Transmenschen kleinkarierte Korinthenkacker sind, denen man es eh nicht recht machen kann

      Svenja schafft es sicher nicht, all diesen Notwendigkeiten gerecht zu werden. Ich schaffe es auch nicht, auch bei dir bin ich mir sicher dass du es nicht kannst, und überhaupt glaube ich nicht, dass irgendwer das alles gleichzeitig kann.
      Ich habe meine ganz persönlichen Schwerpunkte, auf die ich mich konzentriere. Das, was Svenja mit ihrem Blog tut, passt mir da ganz gut, deshalb wird sie von mir lobend erwähnt, neben anderen.
      Ein paar Menschen, Vereine oder Gruppen von Transsexuellen schreiben viel zu oft Kram, mit dem ich mich nicht identifizieren kann. Von denen liest man bei mir im Blog dann eher selten etwas. Aber auch bei denen erkenne ich an, dass sie insgesamt etwas positives leisten, wenn auch teils mit Mitteln und Wegen, die ich mit mir selbst nie vereinbaren könnte. Ich würde diese vermutlich nicht unterstützen, aber eben auch nicht hindern. Die Zeit und vor allem die emotionale Energie, die ich damit bei mir und bei denen aufbrauchen würde, ist mir einfach zu schade, die kann ich anderswo produktiver einsetzen.
      Natürlich ist es dein gutes Recht der Meinungsäußerung, Svenja für die Punkte zu kritisieren, in denen sie nicht das Ideal trifft, wie auch immer man das nun definieren mag. Ich finde es nur sehr schade, dass du dabei alles andere, was möglicherweise an ihr, ihrem Engagement und ihrer Öffentlichkeit positiv ist, ignorierst.
      Zwischen verschiedenen Personen, die grob gesehen für das selbe Ziel kämpfen aber in den Details uneinig sind kommt es zwangsläufig zu Meinungsverschiedenheiten. Dabei aber mit wenig Respekt und Wertschätzung herum zu meckern, das ist es, was ich als den wirklichen „Bärendienst“ bezeichnen würde.
      LG, Lena

  3. Hej …
    ich würde nie sagen, „ich lebe seit Xx Jahren ausschließlich ALS Frau“, sondern ich habe es geschafft, nicht mehr dieses Schauspiel zu spielen, in dem mich die Umwelt als „Mann“ sah.
    Ich dachte als Kind auch, weil es mir immer eingeredet wurde, ich sei ein Junge, der halt (etwas) Spinnt. Vor allen, fragte ich mich immer, warum ich es „keinem recht machen konnte“.
    Irgendwann (1968/69) habe ich dann von Transsexualität und „Geschlechtsumwandlung“ (ich weis das man das nicht sagt) gehört und dachte von da an ich sei Transsexuell, eben weil ich es für mich, 13jährig, nicht besser wusste … da wusste ich ja auch noch nichts von der offiziellen Diagnose der Ärzte (dieser Lügner), die schon sehr früh die wahren Diagnosen kannten:
    „Der Patient ist XY Genotyp – Pseudohermaphroditismus masculinus“. (…) „Ich bitte um unbedingte Berücksichtigung der Tatsache, daß Herr G. über das Ausmaß der Erkrankung noch nicht informiert ist. Die obige Diagnose darf ihm und sollte seinem Hausarzt auf keinem Fall mitgeteilt werden.“ (Lemgo, 9.11.1975 Chefarzt Priv. Doz. Dr. Manz), (Detmold, 10.11.1975 Dr. Lummerzheim Med.Dir.Oberfeldarzt)
    … aber mit der Zeit spürte ich, das ich eben ganz anders empfinde wie die meisten TS-Frauen und bin dann auch in viele Löcher gefallen und dachte nun Hilfe, ich bin nicht Transsexuell, wie erhalte ich denn Hilfe? … Brauche ich überhaupt die GAOp, … machen oder nicht? *verlegen lächeln*
    … Nach einer langen Phase des auf und ab, bis hin zu Suizidversuchen, des Hinterfragens, habe ich für mich fest gestellt, das ich doch auf dem richtigen Weg bin und festgestellt dass doch alles passt … heute sehe ich mich als eine Frau die nur „normal anders“ ist und trotz dessen das ich nicht Transsexuell habe ich die OPs nach den „Regeln“ des „Transregimes“, mit den TS Gutachten und so…., angestrebt und gemacht, längst habe ich … ich weis das mag etwas verrückt klingen … aber mein Denken, Fühlen und Handeln als schon immer weiblich(Gehirn) gehalten …
    Kann ja sein, das einige (viele) TS an einer „Identitätsstörung leiden“, (dieses scheiß Regime für sich übernommen haben) aber ich als Frau leide (lid) an einer körperlichem Störung(Geburtsfehler) … die meisten TS leiden unter ihrem Penis den sie loswerden wollen … ich als Frau Lid darunter das ich keine Vulva hatte … mir ist klar geworden worin mein Leidensdruck besteht und fühlte mich gezwungen, den offiziellen Transsexuellen-Weg zu gehen …
    Egal wie Ihr Anderen in Zukunft das bezeichnen oder sehen werdet … Letztlich sind wier doch alle davon betroffen … wie auch immer das dann persönlich gelebt wird … tv , ts , tg, cd oder was auch immer, mit oder ohne, Vulva oder Penis, … alles ist für jeden selbst legitim und hilft der Seele!
    >>>>> Aber bitte sage keine/r: „Ich bin Transsexuell“, … wenn sie/er Transgender, Transvestit …. oder, oder, ist! <<<<
    Danke
    Alexandra Galle

  4. PS.: Du kannst das gerne, nein bitte,Formatiere das nachträglich, um den Kommentar übersichtlicher zu machen!
    Danke

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