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Rückblick nach 1,5 Jahren

Puh. Es ist einiges an Zeit vergangen, seit ich das letzt mal gebloggt habe. Und seitdem hat sich viel geändert.

Für die Blog-Pause gab es verschiedene Gründe.

  • Mal ging’s mir einfach zu schlecht. Immer nur rum jammern macht ja weder mir Spaß, noch denen, die’s dann lesen.
  • Mal ging’s mir gut, aber alles interessante, über das ich hätte schreiben können, war sehr eng mit bestimmten anderen Menschen verbunden, und ich war überfordert davon, wie ich darüber schreiben könnte, ohne deren Privatsphäre zu gefährden.
  • Und oft war ich einfach zu beschäftigt.

Eigentlich bin ich immer zu beschäftigt. Auch bzw. gerade jetzt sind es bewegte Zeiten für mich. Wie könnte ich da Zeit zum Bloggen finden? Aber ich glaube, ich muss das einfach mal wieder machen. Ich brauche gerade Selbstreflektion, und dazu am besten auch ein bisschen Distanz. Und die bekomme ich am ehesten, wenn ich für ein Publikum schreibe, das nicht ich selbst bin.

Bin ich noch dieselbe?

Ich habe soeben nochmal meine letzten 2 Blogposts von 2014 gelesen, um mich zu vergewissern, ob ich immernoch der selbe Mensch bin, der das damals geschrieben hat. Ich denke, ja, das bin ich. Aber meine Gedanken sind seit einiger Zeit gänzlich andere.

Seit diesem Blogpost mit der Unfickbarkeit, der nun zwei Jahre lang quasi das wenig rühmliche Aushängeschild meiner Online-Identität bildete, hatte ich ein paar schöne sexuelle Erlebnisse. Das hat zeitweise auch dazu geführt, dass ich die Unfickbarkeit als besiegt oder widerlegt angesehen habe, aber eben auch nur zeitweise.

Was ist eine Beziehung, und wenn ja, wie viele?

Aber ich schrieb ja auch dort schon: „Aus meinem Innersten heraus, frei von äußerer Beeinflussung, ist mir diese Verbindlichkeit sogar wichtiger als Sexualität.“ Somit ist es zwar ganz gut, offenbar nicht „unfickbar“ zu sein, aber viel prägender war für mich die Erkenntnis, dass das, was ich mir an „Beziehung“ oder „Verbindlichkeit“ wünsche, auch völlig unabhängig von sexueller Attraktivität für mich erreichbar ist.

Jene Erkenntnis kam langsam und auf holprigem Wege, da der Begriff „Beziehung“ eben allgemein ziemlich aufgeladen ist, und von jedem Menschen unterschiedlich mit Inhalt gefüllt wird. In den letzten Jahren gab es viele Menschen, die mir so viel Nähe geschenkt haben, dass es sich für mich eben als „Beziehung“ anfühlte, aber so gut wie nie hat jemand von diesen Menschen genau diesen Begriff dafür gewählt. Für mich fühlte sich das noch lange Zeit wie eine direkte Ablehnung an, hat mich verunsichert und manchmal sogar verletzt. Dass Menschen im Allgemeinen keine Beziehung mit mir führen wollen, ist das nicht genauso ausschließend (im Sinne von: mich von den allermeisten anderen Menschen separierend) wie die sexuelle Ablehnung, über die ich damals schrieb?

Später kam ich zur Einsicht, dass ich es auch als „Beziehung“ wertschätzen kann, wenn mein Gegenüber für die selbe Form der Nähe einen anderen Begriff bevorzugt, und inzwischen hänge ich selbst nicht mehr so sehr an diesem Wort. Je nach Kontext und Zielgruppe kann ich nun komplett auf den Begriff verzichten, oder aber sagen, ich habe 0, 2 oder 6 Beziehungen, und mein Gegenüber wird unter „Beziehung“ eine sehr konkrete Form oder romantischen Partnerschaft verstehen, oder eine sehr allgemeines Konzept. Ich bin nun Beziehungsanarchistin und damit in meinem Umfeld bei weitem nicht die einzige.

Zu viel des Guten

Ob man es also nun Beziehung nennt, oder nicht, das was ich da mit manchen Menschen habe, bedeutet Nähe, Stabilität, sich-kümmern, emotionale und wirtschaftliche Verflechtungen und somit auch Verantwortungen und Abhängigkeiten. Und von vielen dieser Dinge, die üblicherweise mit Beziehungen assoziiert werden, habe ich eher zu viel als zu wenig. Ja, es ist schon etwas grotesk: ich kann nicht mal mit völliger Überzeugung sagen, mehr als 0 Beziehungen zu führen, aber zeige dennoch so ziemlich alle Symptome einer Person, die durch das Führen von zu vielen Beziehungen überlastet ist.

Darüber möchte ich in Zukunft schreiben, und dies hier ist der Versuch einer Überleitung dazu.