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Die letzten 1,5 Jahre meiner „Krankheitsgeschichte“

Ich bin mal wieder gezwungen, mich sehr ausführlich mit dem „transsexuellen System“ zu beschäftigen. Deshalb entstand heute ein sehr langer, konfuser Text, den ich nun in mehreren Einzelteilen nach und nach veröffentliche. Dieser erste Teil fasst zusammen, was ich in den letzten Jahren durchlaufen habe.

Inneres Coming-Out

Zuallererst waren da diese Wochen und Monate, in denen ich im stillen Kämmerchen in mich selbst hinein gehorcht habe bis ich mir absolut sicher war: Ich bin eine Frau und es gibt keinen anderen Ausweg als in Zukunft auch genau so zu handeln. Zu dieser Phase findet ihr in einigen meiner älteren Blogposts Erzählungen, auch wenn viele wichtige Teile des Erkenntnisprozesses noch nicht verschriftlicht sind. (Eigentlich ist dieser Post aus dem August der einzige, der sich direkt darum dreht.) Diese Wochen waren teilweise „harte Kost“, weil da einfach sehr intensive Gedanken und Gefühle sehr viel Raum eingenommen haben.

Die Suche nach einem Psych*

Aber es ging mir inzwischen sehr gut, ich hatte nicht das Gefühl, psychische Probleme zu haben. Trotzdem würde ich mich nach einem Psych* umsehen müssen.

(Ich benutze in all meinen Texten „Psych*“ als Oberbegriff für Psycholog_innen, Psychiater_innen und Psychotherpeut_innen. Es mag wichtige Unterschiede zwischen diesen  dreien geben, aber all die, mit denen ich zu tun hatte, haben sich so verhalten, dass diese Unterschiede nicht relevant waren. Gelegentlich steht psych* auch für Mengen von Adjektiven wie z.B. „psychologisch/psychiatrisch“)

Denn es gibt Behandlungsrichtlinien, die sagen, ein transsexueller Patient muss erst zu einem Psych* bevor eine Hormontherapie stattfinden kann. Manche Richtlinien sehen eine 6- bis 12-montagie Begleitung/Betreuung/Begutachtung vor, die sehr ergebnisoffen sein soll. Andere Richtlinien machen keinen Hehl daraus, dass es sich dabei um eine Therapie handeln soll, deren Ziel es ist, „den Transsexuellen Wunsch“ zu heilen.

Als ich zu meiner Krankenkasse ging um dort zu fragen, was ich nun tun kann, gab es also keine Frage nach dem „ob“ sondern nur noch eine Frage nach dem „wie“ für mich. Ich hatte da ja schon die Entscheidung, das Coming-Out und den öffentlichen „Rollenwechseln“ hinter mir, habe schon mit vielen Bekannten über einiges gesprochen, aber nun mussten konkrete Handlungen folgen. Die Sachbearbeiterin dort sagte mir, ich müsste 1 Jahr Psych*Theraphie machen und könnte dann Hormone verordnet bekommen. Konkret hat sie mich zu einer bestimmten Psych* geschickt, da sie mir ansonsten keine Psych* dafür empfehlen könnte. Anschließend habe ich gut 4 Monate auf einen Termin bei besagter Psych* gewartet.

Kurze Psych*-Begleitung beim Studentenwerk

Zwischendurch habe ich auch eine andere Psych* aufgesucht, die über das Studentenwerk angestellt ist, um Studierende zu betreuen. Hier hatte ich nur zwei Wochen Wartezeit. Mit ihr sprach ich sehr offen über meine Transsexualität und meine Erfahrungen. Denn trotz der vielen tollen Gespräche im Bekanntenkreis wollte gerne mal mit einer außenstehenden und psych* fachkundigen Person sprechen. Ich war 3 oder 4 Mal zu einer Sitzung dort, und ich bin sehr gerne dorthin gegangen. Beim letzten Mal hatten wir aber beide das Gefühl, dass alles wichtige gesagt ist und ich eigentlich keine „Hilfe“ mehr brauchen kann. Eine langjährige Betreuung und Indikationsstellung kam bei der Art ihrer Anstellung und (Nicht-)Zulassung sowieso nicht in Frage. Also beließen wir es dabei.

Meta-Gatekeeping

Jene von der Kasse empfohlene Psych* hat mich 1 Stunde befragt. All das, um mir dann sinngemäß zu sagen: „Sie sind transsexuell, sie brauchen Behandlung, aber nicht von mir. Hier haben sie eine Liste von Psych* die sich damit auskennen. Holen sie sich einen Termin bei einem davon.“ Als ich fragte, wozu diese Stunde Gespräch war, sagte sie mir in etwa: „Ich habe geprüft, ob sie verrückt sind. Hätte ich dabei festgestellt, dass sie verrückt sind, hätte ich sie ohne die Liste nach Hause geschickt. Ich beschütze meine Psych*-Kollegen vor einer Flut von Verrückten.“ Ich weiß nicht mehr, ob sie „verrückt“ oder „bescheuert“ oder „durchgeknallt“ sagte, aber es war definitiv ein Begriff aus dieser abwertenden Kategorie.

(Zur Überschrift: Als „Gattekeeper“, also „Türsteher“ werden gelegentlich Psych* bezeichnet, die den Zugang zu Hormonen und OPs beschränken. Diese Psych* hat den Zugang zu jenen Gatekeepern beschränkt.)

Die „Therapie“

Ich habe dann bei einem Psych* eine „Therapie“ (Das Wort muss in in Anführungszeichen setzen, da ja hoch mehrdeutig ist, ob das eigentlich eine Therapie sein soll, und wenn ja, was da therapiert wird) begonnen, um letztlich die Indikation für Hormone und OP zu bekommen. Das war natürlich wieder einige Monate später, da Psych* ja lange Wartelisten haben. Es war übrigens niemand von der tollen Liste, da mir vier andere Transfrauen einheitlich einen bestimmten Psych* empfahlen, der eben nicht darauf stand.

Er erklärte mir zu Beginn, welche Regeln da bestünden, also im Wesentlichen mindestens 12 Monate Behandlung. Er machte von Anfang an klar, dass er diese Regeln selbst unmenschlich findet, es ihm Leid tut, dass er mich diesen Regeln unterwerfen muss, und dass er versuchen wird, das ganze so wenig nervig wie nötig zu machen, z.B. indem ich in diesem Jahr nur recht selten und kurz dorthin muss. Das klingt ja alles in allen sehr positiv, ganz so als täte dieser tolle Mensch alles ihm Mögliche, um es mir recht zu machen.

Diesen Glauben konnte ich aber leider kein ganzes Jahr aufrecht erhalten. Wenn er mich zu Beginn einer Sitzung fragte, warum ich heute hier sei, und ich in meiner Antwort irgendetwas von Hormonen erwähnte, wurde er wütend. Aber warum sollte ich auch sonst hier sein? Wenn ich genaueres zu dieser Richtlinie wissen wollte, die mich zu einem ganzen Jahr Therapie verpflichtet, wich er aus oder speiste mich mit unklaren Halbwahrheiten ab. Die meiste Zeit ging es mir generell gut, aber zwischenzeitlich hat mich das Warten auf die Hormone ziemlich zermürbt. Auf die Frage „Wie geht es ihnen?“ antwortete ich zuvor immer ehrlich mit „Sehr gut.“ Als ich einmal mit „Nicht so gut.“ antwortete, sagte ich auf weitere Nachfrage nach den Gründen: „Mich beschäftigt es sehr, auf den Beginn der Hormontherapie warten zu müssen. Und der Gedanke, dass es noch so lange bis dahin dauert, und es keinen Weg gibt, es zu verkürzen, bedrückt micht.“ Darauf hin meinte er nur „Darüber brauchen wir hier gar nicht reden.“ und beendete kurz später unsere Sitzung. Dabei ist diese Unzufriedenheit mit dem Warten schon lange da, wie dieser Text von Januar 2012 belegt. Die „Therapie“ fing ja erst im Dezember davor an.

Viele würden nun sagen: „Nu lass den guten Mann doch mal in Ruhe seine Diagnose machen, und dränge ihn nicht voreilig dazu, eine Stellung zu beziehen oder sogar schon Hormone zu verschreiben.“ Das Problem ist: nach der zweiten Sitzung war die Sache für ihn schon geklärt: Transsexualität, keine weiteren psychischen Auffälligkeiten. Er hat noch ein paar biografische Standard-Daten abgefragt, aber ist nie sonderlich in die Tiefe gegangen. Hätte ich schwerwiegende Psychische Krankheiten, so würde er es nicht wissen. Er hat sich weder bemüht, diese aus mir heraus zu fragen, noch hat er mir einen Rahmen gegeben, in dem ich von mir aus etwas hätte äußern können, was darauf hindeutet. Gleiches auch für die Transsexualität: ich hatte zwar kein extrem ausgeprägtes Bedürfnis danach, über intimste Details zu sprechen, aber immerhin eine große Bereitschaft. Aber er wollte alles nur ganz oberflächlich wissen, nichts im Vergleich zu den Gesprächen mit der Psych* des Studentenwerks. Aber bei meinem „betreuenden“ Psych* haben nach ein paar Sitzungen eigentlich über gar nichts mehr gesprochen.  Ob das alles Teil dessen war, es mir so angenehm wir möglich zu machen?

Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass mir diese ganze Therapie, die ich von Beginn an für nicht sehr sinnvoll hielt, immer sinnloser erschien. Für diese 10 Minuten unpersönlichen Smalltalk, bei dem es das ungeschriebene Gesetz gab, bloß nicht über Transsexualität zu sprechen, war ich oft 4 bis 5 Stunden außer Haus, was auch noch so im Tageslauf lag, dass ich weder davor noch danach viel geschafft habe. Es war einfach nur nervig und hat mich wütend gemacht. Aber was tut man nicht alles für einen blöden Zettel, der einen bescheinigt, transsexuell aber nicht verrückt zu sein?

Vornamensänderung

Vornamensänderung als Graph

Zwischendurch habe ich die Vornamensänderung beantragt. Auch davon hatte mir mein betreuender Psych* abgeraten, auch wenn ich nicht verstanden habe, warum. Aber zum Glück sind die Vorgänge voneinander unabhängig und ich brauchte sein o.k. nicht. Der ganze Prozess war zwar auch langwierig, wie die nebenstehende Grafik zeigt. Und wie ich hier schonmal schrieb, hatte ich auch genug Gründe, Angst davor zu haben. Aber es lief alles weniger schlimm als erwartet, und vor allem nach klaren Regeln, die ich nachlesen konnte, und die ich als gültiges Gesetzt auch irgendwie akzeptieren konnte, selbst wenn ich sie ungerecht fand. Womit ich natürlich gar nicht gerechnet hatte: einer der beiden Psych*, welche die beiden psychologische Gutachten für die Namensänderung angefertigt haben, bot mir gleich noch eine weiteres Gutachten bzw. Indikationsschreiben für eine Hormontherapie. Er selbst hält nichts von dem 6- bzw. 12-Monatszwand und hat keinerlei Verständnis für Psych*, die das ohne Ausnahme strikt durchziehen.

Für mich fehlte von da an jede Motivation, diese „Therapie“ weiter aufrecht zu erhalten. Da ich eh keine ausstehenden Termine mehr hatte und mich um neue Termine hätte kümmern müssen, war das Thema für mich erledigt.

Vorbereitung der Hormontherapie

Inzwischen bin ich bei einer Endokrinologin, die auch schon sämtliche körperlichen Voruntersuchungen bei mir durchgeführt hat: diverse Blutwerte inkl. Hormonspiegel, Chromosomenanalyse zur Geschlechtsbestimmung, Genetische Untersuchung auf Faktor 5 Leiden, Hodenabtastung und -Größenbestimmung. Die letzten Ergebnisse erfahre ich in 4 Tagen, und bekäme dann wohl auch endlich eine Hormontherapie verschrieben. Ja, das Leben könnte so schön sein.

Aber daraus wird nichts, zumindest nicht ohne Probleme. Denn mein Indikationsschreiben, das ich letztes Mal schon bei mir hatte, akzeptiert sie nicht. Ohne auch nur einmal einen Blick hinein geworfen zu haben, ohne sich eine Kopie angefertigt zu haben. Allein meine Aussage, dass ich bei diesem Arzt nicht in einer 12-Monatigen Behandlung war reicht ihr aus, es als komplett irrelevant abzubügeln. Als ich sie auf die Richtlinie Ansprach, meinte sie nur „Das ist keine Richtlinie, das ist ein Gesetz.“ Sie geht davon aus, dass ich in 4 Tagen ein weiteres Indikationsschreiben von meinem anderen Psych* mitbringe, bei dem ich dann schon über 12 Monate gewesen wäre. Dass ich dort schon seit Monaten nicht mehr bin, und somit auch kein Schreiben erhalten werde, weiß sie noch nicht. Das ist eigentlich der einzige Fakt, den ich ihr verschwiegen habe, da ich Angst hatte, dass sie sonst sofort die Untersuchung abbrechen würde. Und das würde mich wieder um 3 weitere Monate zurückwerfen, da es in etwa so lange dauern kann, woanders einen Termin für eine Untersuchung zu erhalten. Kurzfristig war es also sicher richtig, so zu tun, als wäre ich noch in „Therapie“, aber das lässt sich nun nicht mehr aufrecht erhalten.

Damit ist die Basis meines Problems umrissen. Aber eigentlich ist da noch so viel mehr, weshalb hier schon bald der nächste Blogeintrag folgen wird…

This web site will move temporarily

(This is old information, the site has moved once again after this.)

In a few weeks, this web site will move to a new server and will then be reachable via the adress you already know: http://www.brianschimmel.de

In the meantime, some problems will probably occur. Therefore, a mirror is available at http://brianschimmel.homedns.org/ Of course I could somehow manage a smooth transition without any address change, but in fact, the mirror was easier to set up. I’m not even sure if anyone is still reading my blog, so I think this is all right.

It’s running on my Intel Atom Mini PC inside a virtual machine and is connected to the internet via DSL 2000, so don’t expect anything fast. On the other hand, it’s hard to be even slower than the current virtual server that the primary site is hosted on… as far as I can tell my home server is about 30% faster 🙂

Wie die Löcher wirklich in den Käse kommen…!?

Ich will eigentlich gar nicht lange drum rum reden, weil der Knackpunkt dieses Textes einfach zu wichtig ist. Denn nach der Vorrede über kindlichen Irrglauben möchte ich dann letztlich zeigen, dass doch alles anders ist, als jeder denkt. Wer es also eilig hat, sollte vielleicht einfach mal runter scrollen, einen Blick auf die Bilder werfen, und dann entscheiden, ob sich das Lesen lohnt.

Viele Kinder denken, die Löcher im Käse werden mit einem Bohrer gebohrt. Ich hatte als Kind eine etwas andere Erklärung für die Löcher: Die werden einfach entlang von Perforationslinien herausgedrückt. Eines Tages hatte ich nämlich eine Scheibe Käse, bei der scheinbar jemand eben dieses Herausdrücken vergessen hatte, so dass man die Perforationslinien klar und deutlich sehen konnte.

In Wirklichkeit lag dort nur eine Scheibe einer lochlosen Käsesorte unter einer Scheibe mit Löchern, und wegen unsachgemäßer Lagerung ist der Käse etwas weich geworden und die Löcher haben einen Abdruck auf der lochlosen Scheibe hinterlassen.

Inzwischen weiß ich also seit langem, was fast jeder weiß: Die Löcher entstehen durch Gasbildung bei der Fermentierung, und auch wenn sich die Quellen nicht ganz einig sind, ob dabei Kohlendioxid oder Wasserstoff für die Löcher verantwortlich ist, sind sich doch praktisch alle einig.

Vorgestern aber habe ich eine Packung Käse geöffnet und dabei letztlich den Glauben an die deutsche Lebensmittelindustrie verloren.  Da hatte nun wirklich jemand versäumt, die Löcher ordentlich rein zu machen! Seht selbst:

[clear]

Das ist kein Aprilscherz (dafür wäre ich auch ca. 43 Tage zu spät). Ich habe diese Packung bei Lidl gekauft, und unter der obersten Scheibe, die völlig intakt war, lag diese Scheibe mitsamt „Locheinsatz“. Auf dem letzten Bild sieht man ganz schön, dass die Randstruktur bei dem großen Loch anders ist als bei dem benachbarten, kleinen. Daher würde ich nun vermuten, dass zumindest einige der Löcher auf natürlichem Wege entstanden sind, aber der Hersteller noch ein bisschen nachhilft, damit der Käse hochwertiger aussieht.