Posts Tagged ‘safe spaces’

Lesben und Kinderwunsch – ein Grund für mich als Transfrau mal einen “echten” Safe Space aufzusuchen

Ich hab ja kürzlich über meine Erfahrungen und Nachdenklichkeiten bei der Nutzung von “impliziten Safe Spaces” erzählt, also Räumen, in denen sich nur Frauen aufhalten und sich daher eventuell sicherer fühlen als in ihrem Alltag. Vor einer Woche habe ich auch erstmals einen “richtigen” Safe Space für Frauen besucht, worüber ich kurz berichten möchte.

In Braunschweig findet vom 3. bis 23. Februar der “warme Winter” statt. Da dieser Zeitraum mit ca. -14 Grad begonnen hat, ist offenbar nicht die Außentemperatur gemeint, sondern erst geht um Veranstaltungen im LGBT-Kontext. Dazu gehörte z.B. auch der Gesprächs- und Informationsabend “Lesben und Kinderwunsch” (PDF) in der Frauenberatungsstelle Braunschweig.

Für mich ist ein sehr interessantes Thema, das mich natürlich auch persönlich betrifft. Schließlich ist für mich schon lange klar, dass ich irgendwann Kinder haben möchte. Mein Coming-Out als Transfrau und Lesbe ändert nichts daran, macht die Sache höchstens etwas komplizierter. Wenn und falls ich in einigen Jahren die Frau meines Lebens kennen gerlernt habe, die mit mir eine Familie gründen möchte, dann werde ich bereits rechtlich als Frau anerkannt sein und auch körperlich mehr Frau als Mann – aber damit auch absolut und unumkehrbar unfruchtbar sein. Uns werden dann praktisch alle Probleme betreffen, die auch andere lesbische Paare haben.

Hinzu kommen natürlich noch weitere Probleme, allen voran eine gesellschaftliche Ablehnung die noch weit über die hinausgeht, die Homosexuelle Eltern bereits erleiden. Wie weit das – selbst im Schwullesbischen Umfeld – geht, sieht man an diesem Artikel über schwangere Transmänner und an den zahlreichen verachtenden Kommentaren dazu.

Nur für Frauen

Die oben genannte Veranstaltung war ausdrücklich nur für Frauen bestimmt und fand in Räumen statt, die generell nur durch Frauen genutzt werden, insbesondere auch durch lesbische Frauen und weibliche Gewaltopfer. Das ist so ziemlich der Inbegriff eines typischen Safe Space. Was ich also zuvor zu meinem Umgang mit “impliziten Safe Spaces” geschrieben hatte gilt hier umso mehr. Ich muss mir Gedanken machen ob ich hier willkommen bin und wie meine Anwesenheit ggf. auf andere wirkt.

Im feministischen oder anderen gender-kritischen Kreisen ist es durchaus üblich, besondere Formulierungen zu verwenden um Menschen und ihr Geschlecht zu bezeichnen. Das geht meist weit über das “gendern” mit Binnen-I hinaus. So wird oft nicht von “Frauen”, sondern von “Frauen*” gesprochen, um damit auch Transfrauen (und ggf. weitere Menschen mit weiblicher Identität) einzuschließen. Teilweise kann “Frauen*” auch Transmänner einschließen, da auch diese durch ihren Körper und ihre Lebenserfahrungen typisch weiblichen Problemen ausgesetzt waren oder immer noch sind.

Dass die Frauenberatungsstelle aber in der Ankündigung einfach nur von “Frauen” sprachen, konnte somit zwei Dinge bedeuten: Entweder achtet man hier nicht sonderlich auf derartige Sprachkonzepte, oder man möchte sich wirklich nur an Cisfrauen richten (also Frauen, die nicht Transsexuell sind).

Fragen kostet nichts

Anstatt lange rumzurätseln habe ich einfach kurz eine Email geschrieben und mich darin als transsexuell zu erkennen gegeben und gefragt, ob meine Teilnahme gestattet bzw. gewünscht ist. Aus der Schriftkommunikation wurde schnell ein Telefonat. Die Veranstalterin war sichtlich überrascht von meiner Anfrage und meiner Offenheit. Mit Transfrauen hatte sie schlichtweg nicht gerechnet und keine Erfahrung. Davon war ich dann wiederum verwundert. Ich konnte ihr bzw. ihren Mitarbeiterinnen natürlich nicht anlasten, vielmehr deutet das wohl darauf hin, dass andere Transfrauen die Angebote der Frauenberatungsstellen nie wahrnehmen. Merkwürdig.

Alles in allem war es gut, dass ich vorher dieses Telefonat geführt habe. Denn dabei konnte ich meine persönliche Situation schon vorweg erklären, konnte gewisse Bedenken ausräumen, und erfuhr auch etwas über den geplanten Ablauf. Ich dachte nämlich, dass es eher ein Vortragsähnliches Format wäre, bei dem viele Zuhörerinnen eher anonym und passiv teilnehmen. Stattdessen war es eine sehr kleine Gruppe im Sitzkreis, die mit einer Vorstellungsrunde eröffnet wurde. Dank des Vorgesprächs konnte ich mich darauf schon mal etwas vorbereiten und mir überlegen, ob und wie ich in der Vorstellung meine Transsexualität thematisiere.

Ein netter Abend

Der eigentliche Infoabend selbst war sehr informativ. Ich war die letzte der fünf Frauen die sich vorstellte, und kam schnell zum Punkt dass ich TS bin und glaube, dass meine Situation dennoch viele Gemeinsamkeiten mit der der anderen Teilnehmerinnen hat. Ich habe mir natürlich keine TS-spezifischen Erkenntnisse von dem Abend erhofft und habe mich auch weitestgehend zurück gehalten, meine speziellen Problemchen in den  Vordergrund zu stellen. Es ging um diverse Themen: (Stiefkind-)Adoption, Pflegeelternschaft, Samenspende, Insemination, Sorgerecht… Aber da ich mich in den letzten Monaten selbst schon gut zu der Thematik belesen hatte, konnte ich mich doch in den meisten Bereichen recht gut einbringen und ein paar Infos beisteuern, die sicher für alle hilfreich waren. Und vor allem habe ich auch sehr viel von den Recherchen und Erfahrungen  der andere Frauen profitiert. Rein sachlich war es in jedem Fall lohnend.

Und gefühlsmäßig? Ich habe mich in der kleinen Runde wohlgefühlt und hatte auch das Gefühl, dass keine der anderen Frauen ein Problem mit meiner Anwesenheit hatte. Ich hoffe natürlich, dass diese Einschätzung richtig ist und es täte mir schon Leid, wenn eine der Frauen sich wegen mir irgendwie unwohl gefühlt hätte oder sich zurückgehalten hätte. Überwiegend hatte ich also auch den Eindruck, ich gehöre genau hier her.

Nur zum Schluss schwenkte das Thema in Bereiche, zu denen ich definitiv nicht in der Lage war etwas zu sagen und auch nie in diese Lage kommen werde, da ich selbst nie Eierstöcke und eine Gebärmutter haben werden. Den anderen Frauen dort zuzuhören hat mich schon mit einer gewissen Ehrfurcht erfüllt. Vor allem konnte ich mir aber auch ausmalen, wie schwer ein sein muss, in der Gegenwart von Männern darüber zu sprechen, die sich diese Erfahrungen weder vorstellen können noch wollen. Ich glaube, ich selbst bin da schon mit einer gewissen Vorstellungskraft ausgestattet, die aber sicher auch ihre Grenzen hat. Aber ich werde mich daran gewöhnen, mit anderen Frauen darüber zu sprechen. Und andere Frauen werden sich daran gewöhnen, dass ich dabei nicht so richtig mitreden kann, aber mich dennoch nicht komplett aus solchen Gesprächen ausschließen lassen möchte.

Offenheit lohnt sich

Ich kann zumindest schon mal das Fazit ziehen, dass es sich doch meistens lohnt offen, ehrlich, rücksichtsvoll und optimistisch durchs Leben zu gehen. Es wäre sicher dumm gewesen, nicht zu dem Abend zu erscheinen nur weil ich TS bin. Ohne spezielle Ankündigung zu erscheinen hätte aber auch zu komischen Situationen führen können. Ich finde ja, für die Sichtbarkeit und das Bewusstsein von Transsexuellen sind in erster Linie Transsexuelle verantwortlich. Dass die Frauenberatungsstelle bisher nicht von Transfrauen genutzt wurde ist schon schade, aber ich habe da einen ersten Schritt getan den hoffentlich auch noch viele nach mir tun werden.

Ach so: Zum eigentlichen Thema Kinderwunsch habe ich ja nun relativ wenig geschrieben. Das ist durchaus so beabsichtigt und wird auch später noch durch einen gesonderten Text konkretisiert werden.

Meine Rechte und die Rechte anderer Frauen in safe spaces – wenn es sowas denn überhaupt gibt

Ich habe vor kurzem über öffentliche Umkleiden und Toiletten geschrieben und darüber, welche Ängste mich als Transfrau teilweise plagen, wenn ich diese benutze. Ich hatte auch versprochen, dazu noch mehr zu schreiben und dabei ein wenig in feministische Argumentationsweisen einzutauchen. Hier ist nun die Erfüllung dieser Drohung Ankündigung.

Die Frage ist doch: Kann ich guten Gewissens in einen Raum gehen, in dem andere Frauen sich umziehen und duschen, und diese damit rechnen, unter sich zu sein? Ich sehe mich selbst keinesfalls als Mann, aber mit meinem Männerkörper liegt es nahe, dass andere mich als Mann sehen könnten. Und somit könnten sie mich als Bedrohung wahrnehmen.

Natürlich ist das eine Missachtung meiner weiblichen Identität. Und selbst wenn man nun darauf bestünde, dass ich ein Mann wäre, dann wäre ich doch gewiss nicht so einer, der eine Frau gefährden würde oder wollte. Es ist doch eine ziemlich miese Unterstellung, mich als potentiellen Vergewaltiger oder ähnliches darzustellen! Das ist Verleumdung, Diskriminierung, Beleidung! Ich verklage euch alle auf Schadensersatz und Schmerzensgeld, ihr gemeinen Frauen! </sarkasmus>

Verständnis für die Sorgen anderer

Aber so kann und will ich natürlich nicht argumentieren. Wenn eine Frau sich in meiner Gegenwart unwohl fühlt, braucht sie sich nicht zu rechtfertigen. Wenn sie Angst oder Bedenken hat, dann sind diese absolut real, egal wie real oder erdacht deren Auslöser sein mögen. Die Ängste andere Frauen, ja jedes anderen Menschen, habe ich zu respektieren, und wenn das auch mit einer Verletzung meines Stolzes oder Identitätsgefühls einhergeht. Da gibt es meinerseits keinen Anspruch auf Akzeptanz, sondern nur ein tiefes Gefühl der Reue, dass ich jemanden in eine unangenehme Situation gebracht habe.

Natürlich kann ich das nicht immer und überall erfüllen, sondern muss zwischen meiner Freiheit und jener der anderen abwägen. Ich kann und werde nicht damit aufhören, Bus zu fahren, nur weil sich jemand im Bus durch meine Identität oder meinen Körper oder das Zusammenspiel geängstigt fühlen könnte. Diese “Ausnahme” meiner hohen Grundsätze gilt aber nicht nur für Busse, sondern für so ziemlich alle denkbaren Orte dieser Welt. Es stellt sich die Frage, ob es denn überhaupt noch einen Ort gibt, an dem ich die Rechte anderer so bedingungslos über meine eigenen stellen muss wie ich es einen Absatz zuvor formuliert habe, oder ob das nur gänzlich leere Theorie ist. Eine solche Ausnahme von der Ausnahme, also ein Ort, wäre etwa ein so genannter “safe space”.

Safe what?

Safe spaces, zu deutsch sichere Orte, sind ein wichtiges antidiskriminatorisches Konzept. Ich würde ja zur Definition auf einen passenden Wikipedia-Artikel verlinken, aber im Deutschen gibt es keinen und der Englische ist irreführend, da er vorwiegend LGBT-Safe-Spaces behandelt, also solche für lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Menschen. Im Geek-Feminism-Wiki wird eine deutlich allgemeinere Sichtweise vorgestellt, aber eben auch auf englisch.

Daher scheint eine kurze Erläuterung angebracht. Es handelt es sich um Orte, an denen Angehörige von Minderheiten bzw. benachteiligten Gruppen sich aufhalten können ohne Angst vor den (leider) üblichen Diskriminierungen, Anfeindungen, Angriffen, neugierigen Blicken, etc. haben zu müssen. Sie können dort Ängste und angewöhnte Abwehrmechnismen ablegen und sich frei und sicher fühlen. Dazu gehört, dass den “Feinden” der Zutritt strengstens verwehrt ist. Zu den üblichen Prinzipien gehört, dass ein Besucher im Zweifelsfall nur dann Zutritt hat, wenn ausdrücklich niemand ein Problem damit hat. Das wiederum muss ggf. geheim ermittelt werden. Das Recht, im safe space frei von (gefühlten) Bedrohungen zu sein überwiegt über das Recht, ihn zu betreten, selbst wenn man nach eigener Einschätzung keine Bedrohung darstellt. Das steht im gewollten Gegensatz zur Priorisierung im restlichen Alltag. Schwere Konflikte gibt es natürlich dann, wenn eine Person sowohl zur eigentlichen Zielgruppe des safe spaces gehört (und somit Recht auf Zuflucht hat) als auch zu den potentiellen Bedrohern anderer anwesender (und somit draußen bleiben muss).

Safe spaces für LGBT werden explizit als solche geschaffen und bezeichnet. Das Queere Zentrum “Onkel Emma” in Braunschweig dient z.B. teilweise als Safe Space für LGBT, und während zu den offenen Kneipenstunden sicher auch Heteros willkommen sind, gibt es regelmäßige Termine für spezielle Gruppen, die dann exklusiven Zutritt haben – z.B. alle zwei Wochen für Transsexuelle. Hier komme ich also ganz klar selbst in den Genuss eine safe spaces.

Safe spaces für Frauen – wo gibt’s denn sowas?

Dort wo Frauen eine ganz eindeutig unterdrückte Gruppe sind – Minderheit hin oder her – gibt es (hoffentlich!) auch explizite safe spaces für Frauen. Das betrifft also die meisten Länder der Welt. In Deutschland ist die Gleichberechtigung vielleicht nicht perfekt, aber immerhin soweit voran geschritten, dass man anzeifeln kann, ob Frauen überhaupt sowas brauchen. Was wohl auch dazu führt, dass es hier kaum explizite safe spaces für Frauen gibt. Ausnahmen sind z.B. Frauenhäuser und Beratungsstellen für Gewaltopfer.

Doch viele andere “Frauenräume” sind inzwischen für die breite (auch männliche) Öffentlichkeit geöffnet und somit kein safe space im eigentlichen Sinne, so z.B. die Frauenbibliothek in Braunschweig. Frauen können wohl darauf vertrauen, dass hier ein generell frauenfreundliches Klima herrscht und wild herumpöbelnde Männer schneller als sonst wo vor die Tür gesetzt werden – aber gänzlich sicher vor unangenehmen Begegnungen ist man dort schon mal nicht mehr. (Ich war übrigens selbst noch nie da – *schäm* – daher sind das auch nur wilde Vermutungen dazu, wie man dort damit umgehen würde!)

Andere Maßnahmen zur Frauenförderung – z.B. der Girls Day, an dem Mädchen in männerdominierte Berufsfelder schnuppern können – sind komzeptionell mit dem Gedanken des safe-space verwandt. Gleiches gilt für die Monoedukation, also den getrenntgeschlechtlichen Schulunterricht. Letzteres gibt es kaum noch, und der Girls day wird inzwischen auch oft für Jungen bzw. Kinder jeglichen Geschlechts geöffnet.

Können safe spaces denn überhaupt “implizit” sein?

Jetzt stellt sich die Frage, ob es sowas wie “implizite safe spaces” gibt und wenn ja, ob die Regeln, die für andere safe spaces explizit aufgestellt wurden, auch hier gelten. Ich habe bisher im Netz nichts dazu gefunden, von daher bin ich vielleicht die erste, die explizit über implizite safe spaces spricht. Es erscheint mir nämlich irgendwie sinnvoll, jeden Ort, an dem nur Frauen sich aufhalten dürfen, als safe space anzusehen. Einer Frau, die Angst vor gewissen Männern hat, egal aus welchen Gründen diese Angst besteht, kann ein solcher Raum sicher dazu dienen, Ängste abzulegen, die sie sonst den ganzen Tag verfolgen. Da wird es dann keinen großen Unterschied machen, ob an dem Raum “safe space für Frauen” steht oder “Damenumkleide”. Umkleiden und Toiletten sind vermutlich die nächste Näherung eines safe spaces die einer Frau im Alltag begegnet.

Frauen in der Damenumkleide rechnen nicht damit, plötzlich einem Mann gegenüber zu stehen, und vermutlich auch nicht mit einer Person, die sich zwar weiblich gibt aber bei genauerer Betrachtung vielleicht doch ein Mann sein könnte. Dass solche Überraschungen passieren können, widerspricht der Zielsetzung solcher sicheren Räume irgendwie.

Sind Transmenschen in jenen Räumen für irgendwen ein Problem?

Gibt es tatsächlich Menschen, die sich daran stören, oder ist nicht allen klar, dass eine Transfrau in der Damenumkleide keine Gefährdung ist, und überhaupt nichts, über das man sich aufregen müsste? Ich weiß nicht, wie es hier in Deutschland wirklich ist. Die Medien – klassische Massenmedien ebenso wie der Onlinejournalismus – sparen diese Themen aus. Vielleicht ja, weil es einfach keine Themen mehr sind und alle Probleme gelöst sind?

Die Meldungen aus den USA zeigen leider ein anderes Bild. Unter dem Begriff Bathroom panic werden dort Befürchtungen zusammengefasst, dass Transfrauen bzw. “Männer in Kleidern” Damentoiletten aufsuchen um dort Frauen zu begaffen oder zu vergewaltigen. Ob es wirklich Frauen sind, die solche Ängste hegen, weiß ich nicht, aber es gibt Politiker – und die sind derzeit meistens männlich – die Gesetze verabschieden wollen um dem Einhalt zu gebieten. Die Kritik daran kann recht sachlich oder auch eher provokant ausfallen – ist aber in jedem Fall verständlich.

Aber nicht nur in Toiletten, sondern auch in Umkleiden bzw. Anprobekabinen sehen Männer ihre Frauen und Kinder in Gefahr. Der Republikaner Richard Floyd hat in Tenessee einen Gesetzesentwurf eingebracht, der es Transmenschen verbieten würde, den passenden Umkleideraum bzw. Toilette zu benutzen. Doch damit nicht genug, er hat außerdem angekündigt, alle Transfrauen gewaltsam zu töten die es auch nur versuchen, diese Räume zu betreten, wenn seine Frau oder eine seiner Töchter diese gerade benutzen. Für jedes Problem, dass in den USA eindeutig besteht, ist der Verdacht nicht weit, dass wir in Deutschland ein ähnliches haben könnten.

Was das in der Praxis für mich bedeutet – und wo es dennoch Probleme geben kann

Um auf meine spezifische Problematik zurück zu kommen: Beim Klettern benutze ich nun seit einiger Zeit die Damenumkleide, sowohl im Unisport als auch in der Boulderhalle. Besonders wenn ich zusammen mit Bekannten hinein gehe habe ich ein gutes Gefühl. Wenn meine Freundinnen mich ganz offensichtlich als Frau akzeptieren, dann wird auch eine fremde Frau, die gerade anwesend ist, die Situation sehr entspannt wahrnehmen. Meine Begleiterinnen sind bei so einer Begegnung sowohl für mich als auch für potentielle Fremde eine Absicherung der Situation.

Aber trotzdem gibt es nach wie vor Grenzsituationen, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob das alles so o.k. ist. Vor ein oder zwei Wochen war ich in der Unisport-Umkleide allein mit zwei Mädchen, die vielleicht 12 gewesen sein mögen. Sie unterhielten sich – wohl rein zufällig – über Mädchen die wenig Mädchenhaft aussehen und Jungs die eher feminin wirken. Eine von beiden hatte selbst Angst, dass sie “Jungenaugen” hat und deshalb nicht wie ein Mädchen aussehen würde. Mich haben sie nicht weiter beachtet, vermutlich auch da mein Rücken nicht sonderlich spektakulär ist. Ich stelle mir vor, sie hätten mich als Transsexuell erkannt. Keine Ahnung, ob sie das als bedrohlich wahrgenommen hätten – was weiß man in dem Alter schon über Transsexualität? Selbst wenn die Begegnung mit mir für sie nur eine lustige Kuriosität  gewesen wäre, von der sie später lachend ihren Freundinnen erzählen würden… wenn die Eltern davon mitbekämen, wäre das Theater wohl groß. Ich kann mir lebhaft die Beschwerde vorstellen: “Wir schicken unsere Töchter in die Unisporthalle damit sie dort Spaß haben und sicher sind, und in der Damenumkleide sind sie allein mit einem Mann der vermutlich doppelt so alt sind wie sie!” Das wäre ein Skandal, der es locker auf die Titelseite unserer provinziellen Stadtzeitungen schaffen könnte. Ok, vielleicht übertreibe ich auch.

Für mich sind diese Räume also nun selbstverständlicher Teil meines Alltags und dennoch stets Orte, an denen ich besonders nachdenklich, vor- und umsichtig, schüchtern und besorgt bin. Diese sorgen gelten nicht nur mir selbst, sondern auch nach wie vor dem, dass ich andere in eine unangenheme Situation bringen könnte. Das liegt mir fern, aber lässt sich dann u.U. eben nicht vermeiden. Mir in solchen Situationen derart viele Gedanken zu machen und mich vorsichtig zu verhalten ist etwa das Gegenteil der Gefühle und Verhaltensweisen, die man in einem safe space eigentlich haben sollte. Aber was soll’s, ich denke die paar Minuten Unsicherheit und Angespanntheit pro Tag kann ich locker auf mich nehmen.

Return top

Hallo!

Ich bin Lena und schreibe hier über alles, was mir gerade wichtig ist. In letzter Zeit also Frauenrechte, Gesellschaft, Politik, Transsexualität, Privates, Computerzeugs... Ich freue mich über konstruktive Kommentare!

Blog abonnieren

Email: