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Toiletten und Umkleiden – verschiedene Schwierigkeitsgrade bei der Integration als Frau

Viele Transsexuelle berichten von Problemen bei der Benutzung von öffentlichen Toiletten. Diese sind ja in Deutschland fast immer nach (zwei!) Geschlechtern getrennt, und die “richtige” zu benutzen gilt als zwingendes Gebot. Ich weiß gar nicht, welches Gesetz das konkret regelt und welche Strafe auf die Benutzung der falschen Toilette steht, aber die meisten Menschen sind wohl geneigt, es auch nicht am praktischen Beispiel zu erfahren. Als präoperative Transsexuelle kann man sich einreden (lassen) dass nun keine der beiden Toiletten die passende sei. Viele trauen sich selbst nach mehreren Jahren im Wunschgeschlecht noch nicht auf öffentliche Toiletten!

Ich bin da immer schon sehr unkompliziert herangegangen. Seit meiner Transition im Mai 2011 habe ich erst ein einziges Mal eine Herrentoilette betreten, und auch das nur versehentlich. Im öffentlichen Raum Damentoiletten zu benutzen war von Anfang an eine Selbstverständlichkeit für mich. Von der Gleichstellungsbeauftragten der TU-Braunschweig habe ich sogar ein – wenn auch nur mündliches – o.k. dafür, aber auch ohne dieses würde ich mich wohl genauso verhalten.

Damentoiletten haben schon Tradition bei mir

Das ist auch gar nicht so verwunderlich. Damentoiletten kenne ich schon seit vielen Jahren von innen. Zu meiner Schulzeit trug ich meist Mäntel. An meinem Gymnasium gab es jedoch auf den Herrentoiletten keine Haken, an denen man diese aufhängen konnte. Sitzpinkeln ohne zuvor den Mantel auszuziehen und aufzuhängen – wir reden hier von bodenlangen Exemplaren – geht aber nicht, und ich hätte es auch im Leben nicht eingesehen, mich deswegen dabei hinzustellen. Schnell konnte ich meinen Verdacht bestätigen: Auf den Damentoiletten war jede Kabine mit einem solchen Haken ausgestattet. Auf Dauer wollte ich aber auch keinen Ärger provozieren, deshalb habe ich kurzerhand selbst einen solchen Haken in der Herrentoilette angebracht.

Aber auch später, in meinem Bachelorstudium in Wernigerode, war mir die Damentoilette nicht fremd. Obwohl ich mich damals noch als Mann bezeichnet und präsentiert habe (über den Erfolg jener Präsentation lässt sich natürlich streiten), gab es schon dort ein paar schöne Momente in denen ich mich von den anderen Frauen nicht nur toleriert, sondern als gute Freundin akzeptiert gefühlt habe. Wenn wir da in einem netten Plausch vertieft waren und gleichzeitig den Drang zur Entwässerung verspürten, ließen wir uns manchmal durch die getrennten Toiletten nicht das Gespräch unterbrechen. Ich ging ganz selbstverständlich mit auf die Damentoilette, natürlich in eine einzelne Kabine ;) und die Unterhaltung ging weiter. Das kam zwar wirklich sehr selten vor, fühlte sich für mich aber schon damals absolut selbstverständlich an und schien auch die anderen Frauen nicht zu stören.

Damals auf die Herrentoilette zu gehen war auch nicht sonderlich schlimm, schließlich gibt es auch da getrennte Kabinen. Komischerweise war ich da nie ein Fan davon, mich mit meinen “Nachbarn” zu unterhalten.

Jetzt wo ich meine weibliche Identität endlich voll auslebe, ist das natürlich nicht anders. Nur Männer fragen ab und zu noch, auf welche Toilette ich denn jetzt gehen würde, für Frauen scheint das keine Frage zu sein.

Bereit für die nächste Stufe?

Als ich also davon hörte, dass die Toilettenfrage für andere Transmenschen scheinbar die letzte soziale Hürde ist, dachte ich, mich kann nichts mehr aufhalten. Bis ich eines Tages dem Klettern im Unisport beiwohnte. Ich hatte mich schon mehrere Tage vorher für den Kurs angemeldet, aber bis zu dem Moment, an dem ich 2m vom Eingang der Frauenumkleide entfernt stand, hatte ich mir nie Gedanken ums Umziehen gemacht. Als ich die Frauenumkleide betrat, war diese wie erwartet leer, denn ich war gleich zum ersten Termin 17 Minuten zu spät. Meine Straßenkleidung ließ ich wie vorgesehen im abschließbaren Spind. Problematisch wurde es erst, als ich nach dem 3-stündigen Kurs wieder zurück in diesem Raum musste, um wieder ins Straßenoutfit zu gelangen. Denn jetzt war der Raum nicht mehr leer, sondern gefüllt mit mindestens vier weiteren Frauen. Und ohne dass ich das auch nur Sekunden zuvor geahnt hätte, kam plötzlich ein komisches Gefühl in mir auf. Ich kann es kaum näher beschreiben, als mit dem Begriff “Fehl am Platz”. Ich glaube, so schnell hatte ich mich noch nie zuvor umgezogen, war nach gefühlten 5 Sekunden aus der misslichen Lage entkommen und bin dabei wohl sichtlich panisch dem Raum entflohen.

Was war da passiert?

Ich konnte es nicht genau nachvollziehen, warum ich mich dort unwohl fühlte. Schließlich gehöre ich doch dort hin, bzw. wohin könnte ich sonst gehören? Die Männerumkleide war inzwischen so undenkbar geworden, dass ich eben das tat: Gar nicht erst daran denken.

Wo war also das Problem? Auf der Toilette geht es doch auch! Aber dort hat ja auch jede ihre eigene Kabine, außerhalb derer man sich komplett bekleidet begegnet. Doch auch für die Umkleide gilt: Die Frauen in diesem Raum ziehen sich doch schließlich nicht nackt aus, meist nicht mal unbedingt bis auf die Unterwäsche (Denn Klettern ist ein Sport, bei dem man nicht unbedingt schwitzt, wenn man das ganze mit viel Technik angeht und nicht zu sehr zum Schweiß neigt).

Man sollte dazu wohl wissen, dass ich zu dem Zeitpunkt im Kletterkurs nicht als transsexuell geoutet war – es ja auch jetzt nicht ausdrücklich bin – und es mit auch äußert schleierhaft ist, ob andere es mir ansehen oder nicht. Ich bin mir zumindest recht sicher, dass es in dem Kurs sicher schon nach dem ersten Termin welche gab, die es ganz sicher wussten, andere, die gar nichts ahnten, und ein paar, die zweifelten.

Neue Woche, neue Runde

Eine Woche später würde ich wieder hier sein, müsste mich wieder umziehen. Bis dahin sollte ich eine Lösung finden – oder zumindest das Problem! Vielleicht könnte ich es ja lösen, indem ich offener damit umgehe. Der Trainer hat eine Liste mit allen Emailadressen, ihn könnte ich anschreiben und ihn bitten, einen Text an alle Teilnehmer – am besten nur an alle weiblichen Teilnehmer, denn den Männern kann es ja egal sein – weiterzuleiten. Ich hatte sogar schon so einen Text formuliert, aber dann doch nicht abgeschickt.

“Als Transsexuelle habe ich keine Pflicht, mich zu rechtfertigen!”, sagte ich mir. “Ich lebe jetzt endlich als Frau, und wem das nicht passt, der kann ja woanders hin gehen. Ich bin und bleibe hier.” Soweit die Theorie.

Eine neue Woche kam, und ich war wieder zu spät zum Klettern. Das hatte den Vorteil, dass die Umkleide vermutlich wieder leer wäre. Das gab mir die nötige Sicherheit, mit großen Schritten hinein zu stürmen. Innen angekommen befand sich dann nur eine weitere Frau. Und sie stand splitterfasernackt vor mir. Offenbar werden die Duschen hier wirklich benutzt. Das war für mich in der Tat unerwartet, denn damals in der Schule kam nie jemand auf die Idee, nach dem Sport zu duschen, die Duschräume wirkten völlig deplatziert. Und nur weil mein Kurs schon vor 15 Minuten anfing, hieß das ja auch gerade nicht, dass kein anderer Kurs nun gerade zuende ist.

Panik vor der Panik

Es ging mir diesmal nicht besser als beim letzten Mal in der Umkleide. Ich drehte mich so, dass ich die andere nicht sah und sie mich nicht erkennen konnte. So war es eigentlich ausgeschlossen, dass sie an mir irgendetwas ungewöhnliches, etwas unweibliches, sehen konnte. Und wenn schon, was sollte sie tun? Ganz unterbewusst dachte ich: “Sie ist ja nun nicht in der idealen Position, um mich jetzt irgendwie zu attackieren, was soll mir schon passieren?”

Aber nun verstand ich endlich, warum diese Situation Panik in mir verursacht: Ich habe nicht Angst um mich, sondern Angst davor, dass ich den anderen Frauen Angst und Unwohlsein bereiten könnte. Nicht mehr und nicht weniger.

Um die Erzählung dieser konkreten Situation schon mal zu einem Happy End zu führen: Nachdem ich mich umgezogen und sie sich abgetrocknet hatte, trafen sich unsere Blicke und nach minutenlanger Stiller erkannten wir uns dann sofort: Sie war eine Bekannte, die zwar nicht in meinem Kletterkurs ist, die ich aber aus dem Studium kenne. Meine Transsexualität ist ihr wohl bekannt und stellt wohl für sie kein Problem dar, und auch diese Begegnung hat ihr scheinbar nicht das Geringste ausgemacht. Wir quatschten noch ein paar Minuten, dann verließ ich mit deutlich beruhigtem Gemüt den Raum.

Problem dennoch ungelöst

Von da an habe ich mich erst mal nicht mehr in die Gruppenumkleide “getraut” und mich mehrere Monate lang in einer Kabine der Damentoilette umgezogen. Wie gesagt, Damentoiletten zu betreten ist für mich absolute Normalität, und das lässt sich auch für andere Zwecke nutzen – zumal die Kabinen in der Sporthalle schön groß und sauber sind, und genug Kapazitäten vorhanden sind. Hier störe ich wohl niemanden. Aber kann das so weiter gehen? Muss ich mich so aus dem typischen Leben einer Frau ausschließen?

Das Thema ist für mich noch nicht abgeschlossen, wohl aber mein Bedürfnis, von meinen bisherigen persönlichen Erlebnissen zu berichten, die damit zusammen hängen. Das Dilemma hat mich (mal wieder) auf zugrunde liegende gesellschaftliche Zusammenhänge gebracht, die ich in einem meiner nächsten Blog-Posts näher beleuchten möchte. Mit etwas feministischer Theorie schaffe ich es vielleicht, die Freiheiten und Ängste von mir uns anderen Frauen in ein gerechtes Gleichgewicht zu bringen. Bis dahin… vielleicht triftt man sich ja mal auf der Toilette ;)

Wie die Ehe mir seit 9 Monaten den Kopf zerbricht

Eigentlich weiß doch jedes Kind, was eine Ehe ist. Mir ging das vielleicht ähnlich, auch wenn Ehe eigentlich nie ein Thema für mich war. Meine Eltern waren stets unverheiratet, meine Großeltern geschieden, und in meiner Generation ist es ja fast schon selbstverständlich, die Ehe abzulehnen.

Aber seit etwa einem dreiviertel Jahr versuche ich, die Ehe zu verstehen. Ich mache ich mir seitdem intensive Gedanken, nicht nur über die Ehe im engsten Sinn, sondern auch über  Familie und Elternschaft. Damit meine ich nicht nur die üblichen Gedanken, die viele zwischen 20 und 30 bekommen: “Wann finde ich den Partner für’s Leben? Werden wir heiraten? Werden wir Kinder bekommen und wenn ja, wie viele?” Ich gehe an das Thema eher im großen Stil und in abstrakter Weise heran.

Ich möchte hiermit einen Überblick über meine Gedanken und deren Entwicklung geben, und darüber, was meine daraus geschlussfolgerte Meinung ist. Spätere Blogeinträge werden Teilaspekte davon im Detail beleuchten.

Warum gerade jetzt?

Ich weiß nicht genau, was der konkrete Auslöser war, denn es gab viele Faktoren, die etwa gleichzeitig einsetzten (oder mir zu dem Zeitpunkt bekannt und bewusst wurden):

  • Meine erste Partnerin hat unsere langjährige Beziehung beendet und somit meine (unsere?) familiären Zukunftspläne durcheinander gebracht.
  • Zwei meiner Freunde gaben bekannt, bald zu heiraten. Offenbar lieben sie sich, so wird das wohl auch der Grund für die Heirat sein.
  • Zwei andere Freunde gaben bekannt, bald zu heiraten, obwohl sie sich nicht lieben – zumindest nicht in dem Sinn, der sonst für eine Ehe üblich wäre. Vielmehr wollen sie damit die Absurdität der Ehe in Zeiten wie diesen aufzeigen.
  • Ich habe mich zu meiner Transsexualität und meiner lesbischen Orientierung bekannt und somit auch nach außen hin meine Aussichten auf Ehe und “eigene” Kinder (also genetische Nachfahren) deutlich verändert.
  • Dadurch setze ich mich auch endlich intensiver mit der Akzeptanz Homosexueller auseinander. (Ja, traurig dass ich damit erst anfange wo es mich selbst offensichtlich betrifft…)
  • Dabei erfahre ich: Mehr und mehr Länder haben die Ehe für homosexuelle Paare geöffnet, was vor kurzer Zeit noch undenkbar gewesen wäre.
  • Obwohl die “eingetragene Lebenspartnerschaft” in Deutschland ja angeblich fast identisch mit der Ehe ist, werden mir die riesigen Unterschiede im Adoptions- und Zeugungsrecht bewusst, und die teils absurden Begründungen dafür.
  • Die christliche (katholische) Kirche hat die allgegenwärtigen Veränderungen erkannt und sich im steigenden Ausmaß für die Ehe und gegen andere Familienformen ausgesprochen.
  • Ich setzte mich erstmals mit feministischen Theorien und Positionen auseinander und hinterfragte geschlechtliche Rollenmuster mehr als zu vor – was natürlich auch die Rollen in Ehen und Familien betraf.
  • Erneute Unterhaltungen mit meinem Vater über die (Un-)Gerechtigkeit von Sorgerechts- und Unterhaltsverteilungen zwischen Vater, Mutter und Kindern stimmten mich nachdenklich.

Ganz klar also, dass nicht ein einzelner dieser Faktoren mein Interesse genährt hat, sonder die Kombination all dieser.

Wenn nötig, lese ich sogar die Bibel

Normalerweise verstehe ich Zusammenhänge schnell, auch wenn sie neu für mich sind. Ich habe mich auch schon zu sehr daran gewöhnt, das Lesen des betreffenden Wikipedia-Artikels als Garant für das Verstehen des Zusammenhangs zu sehen. Die Ehe ist nun wirklich kein neuartiges Konzept, aber sie zu verstehen war gar nicht leicht für mich. Man kann sie nicht für sich allein betrachtet erfassen. Sie ist eng mit Familie, Elternschaft, Geschlechterrollen, Ansehen, sozialer Absicherung und so ziemlich jedem anderen gesellschaftlichen Thema verbunden. Heutzutage gibt es auch diverse Ausprägungen dieser Phänomene, die ohne Ehe funktionieren, aber meist nur so wirken wie eine geduldete Ausnahme zum Regelfall “Ehe”. Um zu verstehen, wie unsere Gesellschaft aufgebaut ist, komme ich wohl nicht umhin, die Ehe zu verstehen. Und umgekehrt gilt dies mindestens genau so sehr.

Dass ich zu einem so komplexen Thema, das so zentrale Wichtigkeit hat, kaum vernünftige Einstiegsliteratur gefunden habe, kann wohl nur daran liegen, dass es als bekannt voraus gesetzt wird. In meinem Wissensdurst habe ich sogar begonnen, in den aktuellen Veröffentlichungen der Kirche(n) und in der Bibel selbst zu recherchieren – vielleicht das erste Mal das ich freiwillig einen Blick dort hinein werfe. Es ist nicht so, dass Religiosität mir persönlich etwas bedeuten würde, aber die Ehe ist eben meist auch mit der Kirche verbunden, und wo sie es nicht ist, dort versucht die Kirche dennoch ihren Standpunkt einzubringen. Um die Ehe zu verstehen, werde ich also auch den kirchlichen Glauben und die darauf fußenden Argumente nachvollziehen müssen.

Respekt vor der Ehe heißt nicht, sie nicht zu kritisieren

Während meiner Recherche überkam mich schon bald die Überzeugung, dass unser althergebrachtes Ehe-, Familien- und Elternschaftsverständnis nicht mehr zeitgemäß und somit reformbedürftig ist. Damit meine ich nicht die Abschaffung! Aber zwischenzeitlich nahm mir das die Motivation, mich weiter mit dem Ist-zustand zu beschäftigen, lieber hätte ich gleich Kritikpunkte formuliert, und auch konkrete Verbesserungsvorschläge gemacht. Aber es ist gar nicht so leicht, sich spontan etwas einfallen zu lassen, was besser ist als dieses uralte System, erst recht nicht, wenn man nicht mal jenes System komplett verstanden hat. Auch wenn vieles aus heutiger Sicht unpassend und ärgerlich erscheint, so ist es doch ein System von ausgesprochen durchdachter Perfektion. Daher hat sich auch in mir als angehende Ehekritikerin eine gewisse Ehrfurcht vor dieser Institution aufgebaut. Aus informatischer Sicht ist die Ehe und das sie umgebende System quasi ein sehr effizienter, dezentraler Algorithmus, der die Gesellschaft global in eine feine, regelmäßige geordnete Struktur bringt. Das ist schon auf der formalen Ebene faszinierend.

Momente der Erkenntnis

Es hat also Monate gedauert, aber ich denke, ich bin nun so weit und habe es im Großen und Ganzen verstanden. Ich weiß nun, was die Ehe derzeit bedeutet, bzw. wie verschieden heutzutage die Bedeutung sein kann, die jeder einzelne Mensch hat, je nach Staatsangehörtigkeit oder Wohnort, nach Religion, nach Alter, nach sexueller Orientierung, nach politischer Einstellung, nach Erziehung und persönlichem Umfeld, nach Zugehörigkeit zu Interessengruppen, nach der persönlichen Einstellung zu und Erfahrung mit Beziehungen, etc. Jeder Mensch hat seine Sicht davon, und so hat es jede Gruppierung von Menschen und jedes Rechtssystem. Es gibt nicht die eine Definition von Ehe, die faktische Richtigkeit und/oder allgemeine, weltweite rechtliche Gültigkeit hätte. Es gibt vielleicht so was wie eine winzige Schnittmenge, ein quasi-globaler Konsens über die Bedeutung von Ehe.

Ich habe mir außerdem eine Theorie dazu gebildet, wie das Ehekonzept geschichtlich entstanden sein mag, welche Bedeutung es für die Entwicklung der Gesellschaft hatte und was von dieser Bedeutung noch übrig geblieben ist – und was nicht. Sicherlich gibt es dazu fundiertere Theorien als meine, nachlesbare Fakten und wissenschaftliche Analysen, etc. Wenn ich wirklich wissen wollte, wie das Konzept “Ehe” entstanden ist, hätte ich mich anders informieren müssen. Aber ich merke, wie im aktuellen Diskurs auf die Bedeutung der Ehe in der Vergangenheit Bezug genommen wird und wie oberflächlich dabei das Wissen ist, das die Sprecher haben und welches sie bei ihren Rezipienten voraussetzen. Ich habe das Gefühl, meine persönliche Theorie dazu ist detaillierter und realistischer als diese allgemeine Diskussionsgrundlage, und damit genügt sie mir zunächst.

Die Ehe, Randgruppen und ich

Und ich habe sogar eine gewisse Vorstellung davon, wie ich in dieses Konzept hinein passen könnte und möchte, bzw. wie sehr ich in das aktuelle Konzept eben nicht passe. Präoperative lesbische Transfrauen mit männlichem Personenstand und ausgeprägtem Kinderwunsch bilden eine wenig beachtete Minderheit.  Die derzeitige Gesetzeslage grenzt mich komplett aus dem “Kern unserer Gesellschaft” aus, was natürlich für mich einer der Hauptmotivatoren ist, um von einem besseren  System zu träumen.

Aus all diesen Überlegungen heraus habe ich nun also endlich eine eine Meinung dazu gebildet, ob und wie dieses Konzept überarbeitet werden könnte und sollte. Nun, wo es schon jetzt viel zu viele Ausnahmen explizit behandelt, möchte ich natürlich nicht dafür eintreten, auch für Menschen in meiner Lage noch eine weitere Ausnahme einzuführen und dann gleich noch 523 weitere Regelungen für 523 andere Gruppierungen. Stattdessen müsste eine neue Denkweise her, eine die flexibel und allgemeingültig ist, und inklusiv für Menschen und Familien, die derzeit noch explizit excludiert und/oder benachteiligt werden. Diese Überlegungen stelle ich nicht nur aus eigensinnigem Zweck an, ich bin tief davon überzeugt dass ein Überdenken der Strukturen uns allen gut tun würde. Und nicht zuletzt ist es auch eine anspruchsvolle Herausforderung, mal auf dieser großspurigen Ebene kreativ zu gestalten.

Wie es weitergeht

So werde ich also in Zukunft in loser Folge zu Ehe- und Famlienrelevanten Themen bloggen. Ich hoffe, meine abstrakte Einleitung konnte den einen oder die andere neugierig machen auf das, was bald noch kommt, und erlaubt mir dann jeweils gleich zum Punkt zu kommen und für die einleitenden Worte einfach nach hier zu verweisen.

Ein Plädoyer für das entspanntere Studieren

Auch wenn es in allen Forderungskatalogen vorkommt, die in den letzten Tagen erarbeitet wurden, so wurde der Themenkomplex “Leistungsdruck, Creditpoints und Studiendauer” bisher nur Oberflächlich behandelt, und leider kam auch keine Arbeitsgruppe dazu zu stande.

Ich teile daher meine persönlichen Ansichten und Ideen dazu mit, in der Hoffnung, dass möglichst viele es ähnlich sehen. Dabei drehen sich meine Betachtungen einzig und allein um das “länger Studieren”. Es mag auch gänzlich andere Wege geben, aber ich betrachte nur einen, dafür aber auch recht detailliert.

Zunächst aber noch etwas “Vorgeplänkel” zu den Typen der Studierenden und den Problemen derer, die länger Studieren. Am Schluss kommen noch ein paar konkrete Lösungsansätze.

Typen der Studierenden

Jeder Student ist anders, aber trotzdem lassen sich gewisse Grundtypen ausmachen. Da sind zum einen die “Vorbildlichen“, die ohne zu Murren ihr Studium in der Regelstudienzeit durchziehen und dabei noch ganz ordentliche Noten hinlegen. Dann gibt es die “Faulen“, die sich kaum an der Uni sehen lassen, wenn sie mal bestehen, dann mit 4,0 und in zehn Jahren studieren sie wahrscheinlich immernoch.

Für viele hört die Betrachtung da schon auf. Entweder wird hart zwischen den beiden Typen unterteilt, oder man sieht sie als lineare Skala an – irgendwo dazwischen wird sich schon jeder Student einordnen lassen. Meiner Meinung nach ist das Quatsch.

Eine ganze Menge Studenten – dazu zähle auch ich mich – hat klare Ziele, möchte auch bald mit dem Studium fertig werden, ist wissbegierig und fleißig, lernt sogar gerne über das geforderte hinaus… und möchte dennoch in Ruhe, in Würde und Selbstbestimmung lernen, und dabei noch ein bisschen Privatleben genießen. Natürlich liegen die irgendwo zwischen den “Vorbildlichen” und den “Faulen”, aber nicht nur das, sie haben auch eigene Merkmale, die man in den anderen Extremen selten findet. Nennen wir sie daher einfach mal die “Individuellen“.

Darüber hinaus gibt es sicher noch andere Grundtypen, aber ich will es hier nicht ausarten lassen. Die zuvor genannte Dreiteilung deckt immerhin 90% der Studenten ab, behaupte ich einfach mal.

Das Paradoxon, gelöst

Manchmal wirken die Individuellen hochgradig paradox: Sie beschweren sich einerseits, dass sie zu wenig Zeit haben, zu viel Stoff durchpauken müssen, überlastet sind… und andererseits möchten sie ihr Wissen verbreitern und vertiefen, sich intensiver mit Themen beschäftigen, ihr Wissen und ihren Charakter stärken. Sie wollen nicht den ganzen Druck der Benotung, aber fordern von sich selbst ab, alles gut und richtig zu können und zu machen. Vielleicht wollen die sogar mehr Theorie und mehr Praxis. Wissen die denn gar nicht, was sie wollen!?

Klar wissen sie es: Sie wollen mehr lernen (insgesamt) und weniger lernen (pro Zeiteinheit). Daran ist nichts paradox, und man kann mathematisch leicht herleiten: Sie wollen mehr Zeit. Da muss es doch eine Lösung geben.

Und viele haben auch eine Lösung parat: Na dann studier doch einfach länger! Das hört man von den “individuellen” Artgenossen ebenso wie von den “Faulen”, manchmal sogar von den “Vorbildlichen”… auch wenn deren Standartantwort eher ist “Na mach dir nicht ins Hemd du Weich-Ei! Ich beschwer mich doch auch nicht”.

Stigmatisierung der Langzeitstudierenden

Das Länger-Studieren ist in der Tat eine mögliche Lösung – die ich auch im Bachelor ganz bewusst gewählt habe. Mir einer Überziehung von 2,2 Semestern sehe ich mich nun nicht als “ewiger Student” und ich denke, auch meine Noten können sich sehen lassen. Vorallem habe ich aber das gute Gefühl, mich mit dem Stoff und darüber hinaus angemessen befasst zu haben.

Leider kann nicht jeder diese Lösung wählen. Es sind (mindestens) drei Faktoren, und alle laufen darauf hinaus, dass “länger studieren” als schlecht, abnormal und unerwünscht eingestuft wird.

Zum einen ist das das BAföG. Man erhält es einerseits nur für die Dauer der Regelstudienzeit. Andererseits gibt es eine Leistungsüberprüfung ab dem 5. Semester. Wer zu dem Zeitpunkt erwarten lässt, dass er länger als Regelstudienzeit studieren wird, bekommt ab diesem Moment gar kein Bafög mehr – also nur 4 Semester lang, selbst wenn die Regelstudienzeit z.B. 7 Semester beträgt. Viele Studenten brauchen das BAföG zum Leben.

Wer sowieso kein BAföG bekommt, steht genauso unter Druck: Die Eltern zahlen den Unterhalt, und erwarten von ihren “lieben kleinen”, dass sie gefälligst in Regelstudienzeit fertig werden. Und das unpassende Wort “Regelstudienzeit” gibt ihnen ja sogar recht dabei. Egal wie das Verhältnis zu den Eltern ist: Wenn man sie mag, will man sie ja auch nicht über das nötige hinaus belasten, und wenn man sich mit ihnen nicht gut versteht, dann sind sie auch nicht sonderlich gewillt, länger zu zahlen.

Ein drittes und subtileres Problem, weil weder gesetzlich festgelegt noch finanziell nachprüfbar, ist das schlechte Ansehen von Länger-Studierenden. Viele haben Angst, dass andere schlecht über sie denken werden: Die Eltern, die Profs, die Komilitonen, die potentiellen Arbeitgeber… jeder könnte einen für faul, schwach, dumm, langsam oder ziellos halten. Man hat (leider begründete) Angst, nicht mehr ins gesellschaftliche Ideal zu passen. Der Gesellschaftliche Druck ist so hoch, dass man diese Denkweise irgendwann selbst annimmt: Man hält sich letzlich selbst für faul, schwach, dumm, langsam und ziellos.

Respekt und Solidarisierung statt Abfindung und Resignation

Kaum ein Student hat es heutzutage leicht, und selbst wenn es einer leicht hätte, könnte man ihm das doch sicher auch einfach gönnen. Die Studenten protestieren gegen die Uni, das Land, die Politik, evtl. auch gegen die Profs. Dabei ziehen theoretisch alle an einem Strang. Erschreckenderweise scheitern viele Versuche, etwas zu verbessern, aber schon an der ersten Hürde: Mangelnde Solidarität der anderen Studenten. Ich konnte in den letzten Tagen verschiedene Gründe erleben, warum Studenten sich nicht an den Protesten beteiligt haben:

Sie finden die Form des Protestes falsch – haben aber auch keine bessere Alternative. Sie sagen, sie haben keine Zeit zum Protest – was ja eigentlich schon genug Grund zum Protest sein sollte. Oder es interessiert sie einfach nicht. Alles keine perfekten Gründe, aber durchaus akzeptabel und nachvollziehbar. Wirklich schockiert haben mich aber die zahlreichen Diffamierungen der Streikenden als “Vollidioten, die es verdient haben, rausgeext zu werden”, “Weicheier, die nur rumjammern können”, “Nervensägen, die sich selbst inszenieren und damit echte Studenten vom studieren abhalten” etc. Viele Studenten haben nicht den geringsten Hauch von Respekt und Mitgefühl für ihre Mitmenschen – und das einfach deshalb, weil sie glauben, jeder müsse die Sitation genauso empfinden wie sie selbst.

Es mag sie ja wirklich geben, die hochintelligenten, die ohne Probleme alles durchziehen können und dabei noch genug Freizeit haben. Und auch wenn ich es nicht gut finde, wie diese sich äußern, so muss man doch sagen: Sie haben auf ihre Weise recht. Außer bloßer Solidarität könnte sie nichts dazu bringen, mit zu streiken. Mein Verdacht ist aber, dass unter den abschätzigen Gesellen viele sind, die in gewisser Weise auch Opfer des Leistungsdrucks sind. Natürlich sind das alles wage Vermutungen…

Entweder, sie sind noch so früh im Studium, dass sie noch in der (angenehmen) Illusion leben, dass alles easy und locker ist. In meinem Bachlor gab es viele davon: Im 3. Semester war ich der einzige von 35 Studenten, der es für sinnvoll und nötig befang, länger zu studieren. Letztlich sind nur 3 davon in Regelstudienzeit fertig geworden.

Oder aber, sie sind schon so lange dem Stress und Druck ausgesetzt, dass sie es als normal empfinden, sich damit abgefunden haben. Vielleicht glauben sie, sie brauchen keine Freizeit, oder meinen, sie hätten es als Student nicht verdient. Oder aber, sie reden sich ein, dass sie es so sehen müssten, weil sie sonst selbst zu den faulen Jammerlappen gehören, den “Minderleistern”.

Vielleicht hat jemand schonmal von dem Phänomän gehört, dass Schwule, die sich nicht trauen, sich zu outen, sich oft besonders schwulenfeindlich zeigen, damit sie bloß niemand für schwul hält. Ob es diese Art von Schwulen wirklich (noch) gibt, weiß ich nicht, aber ich glaube schon, dass viele von den “Fleißigen” nur deshalb so abwertend über die “überlasteten” reden, weil sie sich nicht eingestehen wollen, selbst überlastet zu sein.

Ok, soweit die Vermutungen und Spekulationen. Selbst wenn diese nicht zutreffen – also wenn alle unsolidarischen wirklich zum Typus “hyperintelligenter Vorbildstudent” gehören, ändert das nicht viel an den meisten meiner Grundaussagen. Wir brauchen mehr Anerkennung, Akzeptanz und Unterstützung von Studenten, die “länger machen”. Das sollte doch umso einsichtiger sein, da es sich ja nichtmal um eine Minderheit handelt, sondern um den Regelfall.

Von daher fordere ich zu allererst die Abschaffung des Unwortes “Regelstudienzeit”. Den Namen hätte es nur verdient, wenn es “die Regel” wäre, so lange zu studieren. Und das ist dann der Fall, wenn der Mittelwert (oder geg. Falls der Median) der Studienzeiten dem entspräche. Man könnte es z.B. “Mindeststudienzeit” nennen. Das ist zwar auch falsch, weil ein kleiner Prozentsatz wirklich eher fertig wird, aber längst nicht so falsch wie die “Regelstudienzeit”.

Das Problem auf den Punkt bringen

Nun besteht das Problem für viele also darin, dass sie in einer gegeben Zeit mehr studieren “sollen”, als es ihnen in der Zeit gut täte. Ob das “Sollen” nun Zwang, Empfehlung, finanzieller oder psychologischer Druck ist, sei mal dahingestellt. Würde es sich nur um die typischen “faulen” Studenten handeln, so könnte man da diverse Lösungen finden, die ihnen gefallen, aber dafür eindeutig (und berechtigt) von den anderen abgelehnt würden. Wenn wir aber davon ausgehen, dass darunter auch einige von den lustigen Leuten sind, die ich oben als die “individuellen” betitelt habe, wird die Sache schwieriger, denn für die muss noch das scheinbare Paradoxon eingehalten werden: Sie wollen mehr lernen (insgesamt) und weniger lernen (pro Zeiteinheit).

Die Bürokraten unter uns (und die sitzen meist eher in der Hochschulveraltung als unter den Studenten) haben eine ganz einfache Lösung, die sich sogar schon selbst erfüllt hat: Auf dem Papier steht, dass ein Student pro Woche X (X=40 oder X=60) Stunden arbeiten muss, um sein Studium in Regelstudienzeit zu bestehen. X Stunden pro Woche sind machbar und akzeptabel, also ist das Studium akzeptabel. q.e.d., Protest abgelehnt.

Lösungsansätze

Regelstudienzeit erhöhen bei gleicher Stoffmenge

Das könnte vielleicht das Optimum sein. Die schnellen Studenten können dann halt unter Regelstudienzeit fertig werden, die etwas langsameren liegen dann genau in der Zeit, und jeder lernt das, was er jetzt auch lernt. Nachteile? Nun ja, irgendwelche (blöden) Regelungen schreiben nunmal vor, dass ein längeres Studium auch mehr Creditpoints bringen muss, und somit mehr Inhalte. Das bringt uns dann zur folgenden Alternative…

Regelstudienzeit erhöhen bei proportinal erhöhter Stoffmenge

Nun, sicher wäre das machbar, aber hat es irgendwelche Vorteile? Es wäre genauso viel Stress, nur mehr davon ;) Außerdem müssten die Professoren sich neue Inhalte einfallen lassen, was vielen sicher auch nicht passt. Ich denke, diese Alternative kann gestrichen werden.

Regelstudienzeit beibehalten bei verringerter Stoffmenge

Auch gegen diesen Vorschlag würde es begründete Proteste geben. All jenen, die wissbegierig sind – sei es aus persönlichen oder beruflichen gründen – wird damit in keiner Weise geholfen. Das Studium würde damit an Wert verlieren, und in vielen Fachrichtungen gilt der Bachelor ja schon jetzt als “zu oberflächlich” und somit wertlos.

Regelstudienzeit und Stoffmenge behalten, aber Niveau und Anforderungen senken

Das ließe sich auf verschiedene Weisen umsetzen. Viele davon würden dazu führen, dass die Qualität des Abschlusses für alle gesenkt werden würde, also auch für die fleißigen, wissbegiereigen, etc. Auch wenn das nicht akzeptabel ist, fällt damit nicht die gesamte Alternative weg. Man kann sich durchaus Umsetzungen vorstellen, bei denen nur jene Anforderungen gesenkt werden, die keinen echten Zusammenhang zur Qualität des Wissens haben. So könnten Fächer mit mangelnder Praxisrelevanz vereinfacht werden, oder formale Regelungen aufgeweicht werden, die einem nur das Leben schwer machen, ohne Wissenszuwachs zu bringen.

Nachdem die vier Vorschläge alle nicht sonderlich erfolgversprechend waren, möchte ich noch zwei weitere näher im Detail vorstellen:

Regelstudienzeit erhöhen bei gleicher Stoffmenge

Moment mal – das hatten wir doch schonmal (erste Alternative), und als unmöglich abgestemptelt!? Ja, allerdings wurde da ein Lösungsweg übersehen, der nun ausführlich dargestellt werden soll. Wie gesagt: Wenn die Regelstudienzeit steigt, muss es auch mehr Creditpoints geben. Und das heißt in der Regel, dass auch mehr Inhalt her muss – es sei denn, der Mehr-Inhalt ist schon lange da und wird nur nicht erkannt. Viele der Module könnten einfach mehr Credit-Points bringen. Natürlich lassen sich auch diese nicht beliebig hochstufen, denn irgendwo ist noch ein Verhältnis definiert, das angibt, wie viele Arbeitsstunden zu einem Creditpoint gehören. Und wenn man die CreditPoints erhöht, muss man die Arbeitsstunden erhöhen. Wollen das unsere überarbeiteten Studenten? Ja, auf dem Papier durchaus. Man stelle sich eine Vorlesung vor, die 4 SWS hat und 3 CP einbringt. Der Tatsächliche Arbeitsaufwand ist aber viel höher als auf dem Papier steht. Wenn man diese Realität nun auf’s Papier überträgt, und somit die SWS und die CP erhöht, dann können die Studenten mit dem gleichen Inhalt, den sie nun auf mehr Semster verteilen, genügend Creditpoints sammeln, um die zusätzlichen Semester zu rechtfertigen. Meiner Meinung nach ist das die perfekte (und somit beste) Lösung, denn sei basiert nur darauf, die Realität als solche anzuerkennen – was könnte daran falsch sein? Trotzdem, an der FH, an der ich bisher studiert habe, wurde diese absolut naheliegende Lösung komplett blockiert, und ich fürchte, das könnte hier auch passieren. Daher noch eine Alternativlösung…

Alles lassen wie es ist, aber die Rahmenbedingungen für das Länger-Studieren verbessern

Es klappt ja auch jetzt schon: Manche studieren länger, bekommen die gleiche Anzahl Credits wie andere, sind dabei aber entspannter und können vertiefter Lernen. Diese Studenten sind glücklich, und zwar deshlab, weil sie es sich finanziell, gesellschaftlich und gegenüber dem eigenen Stolz leisten können. Nur leider gilt das nicht für alle. Damit alle ihr Recht zum Länger-Studieren bekommen, müssten sich aber folgende Dinge ändern: BAföG auch über die Regelstudienzeit hinaus, weg mit der Leistungsüberprüfung nach dem 4. Semester, Langzeitstudiengebühren erst später… das lässt sich alles gesetzlich und per Verordnung klären. Aber damit nicht genug, es bedarf auch einem Umdenken auf allen Seiten: Bei den anderen Studenten, den Arbeitgebern, den Eltern, und letzlich den betroffenen selbst. Wie man diese Änderungen “erzwingen” will, ist mir ein Rätsel. Aber Respekt und Solidarität könnten schon ausreichen.

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