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Ich bin, also denke ich – von zwanghaften Denkschleifen und Metadenken

Ich befinde mich in einer Denkschleife. Das ist so eine Sache, für die ich immer schon anfällig war. Wenn mich ein Gedanke gepackt hat, dann kann es passieren, dass er mich längere Zeit nicht loslässt und mich rund um die Uhr an jeden Ort verfolgt. Es gibt dann Tageszeiten, zu denen ist denken nicht angebracht, da habe ich dann auch meine Ruhe vor dem jeweiligen Thema. Aber zu jedem Zeitpunkt, zu dem ich denken kann, denke ich dann an diese eine Sache, und habe keine Kapazitäten mehr, um über etwas anderes nachzudenken.

Beispiele aus der fernen Vergangenheit

Meine Denkschleifen können verschiedenste Themen haben, aber nur selten etwas angenehmes. Es kann um andere Menschen gehen, oder um mich, oder um die Beziehung zwischen mir und anderen Menschen, oder um technisches… einige Beispiele:

Eine meiner ersten langandauernden Denkschleifen handelte von einer Schulkollegin. Sie war mir schon längere Zeit recht sympathisch, aber eigentlich kannten wir uns kaum und hatten privat nichts miteinander zu tun. Einige Zufälle (darunter auch Alkohol) führten dazu, dass sie mir eine Reihe von schwerwiegenden Sorgen und Problemen anvertraute, über die sie zuvor noch nie mit jemandem gesprochen hatte, und vielleicht auch nie wieder von sich aus ansprechen würde. Von da an hätte ich ihr gerne dauerhaft mit einem offenen Ohr und mit Hilfe und Unterstützung zur Seite gestanden, aber leider gab es noch am Abend unseres Gespräches ein paar Vorfälle, die uns beiden später peinlich waren. So war es danach schwierig, wieder miteinander in den Dialog zu kommen. Ich dachte lange darüber nach, wie es ihr wohl geht, wie ich am besten das Vertrauen wieder aufbauen sollte und was ich danach für ihr Wohlergehen beitragen könnte. Ich hatte auch Angst, dass es ihr unangenehm ist, wenn ich sie darauf anspreche. Diese Fragen waren alles, was mir durch den Kopf ging. Ich versuchte, die Sache aus ihrer Perspektive zu verstehen und versetzte mich nach und nach so umfassend in ihre Lage hinein, dass mein eigenes Leben für mich sekundär wurde. Und zwar mehr als ein ganzes Jahr lang! Dabei fiel mir auch nicht auf, dass ihre jämmerlichen Lebensumstände sich inzwischen gebessert hatten und es ihr nun bestens ging. Kein Wunder, schließlich hatte ich in diesem Jahr nur nachgedacht und nicht ein Wort mit ihr gesprochen. Was solls, dachte ich, Hauptsache ich lerne aus diesem Fehler und beiße mich nie wieder so an einem Gedanken fest.

Aber weit gefehlt. Zwei weitere Male hatte eine gute Freundin (nicht beides mal die gleiche) recht plötzlich die Freundschaft beendet, ohne dass sie einen Grund genannt hätte oder ein Grund offensichtlich gewesen wäre. Also genau genommen ist sowas ziemlich oft passiert, aber zwei mal hat es mich in der Weise erwischt, dass ich mit meinen Tagen nichts anderes mehr anfangen konnte, als darüber nachzudenken, warum das passiert ist. Vielleicht hätte mir die Kenntnis der Gründe geholfen, die Freundschaft wieder aufzubauen. Vielleicht hätte es auch dazu geführt, dass ich es einfach verstehe und mich damit abfinden kann, dass es wohl so kommen musste. Und die größte Hoffnung, nachdem sowas schon unzählige Male passiert war, bestand darin, es in Zukunft zu verhindern. Das könnte bedeuten, Freundschaften zu Mädchedn bzw. Frauen über mehrere Jahre stabil halten zu können. Oder einfach Personen zu erkennen, mit denen Freundschaften instabil wären, und sich gleich von ihnen fernzuhalten. Zwei mal hat mich dieser Gedankenstrom für mehrere Jahre gepackt, hat mich blind für alle anderen Vorgänge um mich herum gemacht. In diesen Fällen war es sogar durchaus angebracht, mich so auf das Thema zu fixieren. Denn intensive Kontakte zu gleichaltrigen Mädchen bzw. Frauen waren bzw. sind in meinem Leben das einzige, was mich wirklich bis in mein innerstes hinein mit Glück und Zufriedenheit erfüllen kann. Die Instabilität dieser Freunschaften hat meine Chance, ein erfülltes Leben zu führen, massiv gefährtet. Was liegt näher, als sich mit den Ursachen und Möglichen Lösungen zu befassen? Das Problem war nun aber, dass mir recht bald die Grundlagen ausgingen, auf denen ich diese Gedanken aufbauen konnte. Jede Idee, jeder Zusammenhang, jeder Erklärungsversuch war bereits mehrfach gedacht, und ich konnte dennoch nicht aufhören. Ich weiß nicht, wie viele Jahre meines Lebens von diesen Gedanken erfüllt waren. Vielleicht waren es zwei, vielleicht fünf…

Sowas passiert mir nun nicht mehr…

Die vorherigen Beispiele finde ich jeweils recht schockierend. Ich muss offen zugeben, dass ich sie krankhaft abnormal finde. Aber selbst wenn, sie sind ein wichtiger Teil meiner Vergangenheit, und ich schäme mich für meine früheren Verhaltensweisen nicht. Ich weiß auch, dass sich mein Geist und meine Psyche seit dem weiter entwickelt haben, und dass ich seit einigen Jahren genug Kontrolle über mein Denken und Fühlen habe, um mich nicht derart sinnlos in endlosen Gedanken zu verlieren. Das heißt natürlich nicht, dass es keine Gedanken mehr gäbe, die mich längere Zeit beschäftigen.

Eine angenehmere und weniger krankhafte Denkschleife ergab sich im Jahr 2005. Diesmal war es eine technische Idee, die recht bald zu meinem Hirngespinnst “Cubenet” wurde. Über diese Software nachzudenken war nicht zwanghaft, vielmehr habe ich freiwillig jede verfügbare Minute genutzt, das Konzept weiter auszuarbeiten. Inzwischen bin ich von der Nützlichkeit dieser Idee so überzeugt, dass sich dennoch eine zwanghafte Komponente eingestellt hat: Bei jeder nicht-trivialen Aufgabe, eine bestimmte Anwendung zu programmieren oder auch nur zu spezifizieren ist der erste Gedanke: “Wäre Cubenet schon fertig und könnte ich darauf aufbauen, dann wäre die Lösung ganz einfach.” Seit nun 7 Jahren ist Cubenet eine bestimmende Komponente in meinen Denkweise und sogar für meine Lebensplanung: Mein Masterstudium habe ich danach ausgewählt, meine Entscheidung gegen den Mainstream-Arbeitsmarkt und für die Gründung eines Startups kam aus dem Wunsch, günstige Rahmenbedingungen für “Cubenet” zu schaffen, und auch wenn ich letzlich in einem Startup gelandet bin, das nicht mit dem Zweck gegründet wurde, Cubenet zu verwirklichen, prägt diese Idee meinen täglichen Arbeitsablauf und teilweise auch die gesamtge Unternehmensausrichtung. Ich finde, das ist eine Denkschleife im positivsten Sinne, auch wenn ich mir ab und zu mal wünschen würde, unvoreingenommen an Softwareentwicklung gehen zu können, so wie “normale Programmierer” es tun.

…oder doch?

Aber meine aktuellste Denkschleife bezieht sich – und damit überrasche ich vermutlich niemanden – auf meine Transsexualität. Etwa vom Februar bis August des letzten Jahres war es schon so, dass sich in meinem Hirn kaum andere Themen tummelten. Das war völlig verständlich und ok, schließlich hatte ich eine Menge verdrängter Gedanken aufzuarbeiten und musste Entscheidungen treffen, die mein gesamtes Leben in allen Bereichen und vorallem bis an dessen Ende beeinflussen würden. Es handelt sich um ein unglaublich komplexes Thema, allein schon die nötigen Infos zu finden, zu lesen und sich zu merken hat was-weiß-ich-wie-viele hunderte oder tausende Stunden gedauert. Dass nochmal soviel für nachdenken und hinterfragen hinzukommt, ist auch klar. Aber etwa im August war dann eigentlich alles geklärt und ich habe mich darauf gefreut, einfach nur noch zu leben und glücklich zu sein. Und das hat geklappt.

Zumindest bis vor kurzem. Seit Ende Dezember spüre ich, wie sich das Thema bei mir wieder in den Vordergrund drängt. Während es im letzten Jahr offensichtlich angebracht war, meinen Kopf darüber zu zerbrechen, bin ich mir momentan mit mir selbst uneins, ob das den nun sein müsse. Lebenszeit, die ich in so einer Denkschleife verbringe, ist relativ vergäudete Lebenszeit. Somit wäre es wünschenswert, diese Gedanken jetzt sofort abzustellen und sich auf das eigentliche Leben zu konzentrieren. Das ist erstens leicher gesagt als getan, und zweitens vielleicht sogar diesmal der falsche Weg. Diese Schleife hat vielleich eine Daseinsberechtigung. Denn ihr thematischer Inhalt ist nicht bloß “die Transsexualität an sich” sondern vielmehr die konkrete Frage:

“Ob es angebracht ist, dass ich noch ein Jahr auf die Hormongabe warte, und falls es nicht richtig ist, wie ich diese Zeit verkürzen kann.”

Es ist nun so, dass ich auch über vieles andere nachdenke – aber in den letzten Wochen gab es keinen Abend, wo ich nicht auch mindestens eine Stunde diese Frage beackert hätte. Muss denn sowas sein?

Sein oder Denken, das ist hier die Frage

Mein Leben ist doch wunderbar, so wie es nun ist. Ich….

  • habe seit meiner Transition viele neue Freunde gefunden, kaum alte verloren, und viele dieser Freundschafen haben eine ganz neue Intensität bekommen
  • habe diverse neue Hobbys entdeckt
  • bin mit meinem Charakter und meinem Äußeren zufriedener als je zuvor
  • insbesondere damit, dass beide nun im inneren Gefühl und in der äußeren Präsentation übereinstimmen
  • kann endlich durch die Straßen gehen ohne neidisch auf andere Frauen zu sein
  • und habe nebenbei den Übergang vom Studium in einen erfüllenden Beruf geschafft

Es ist alles so gut geworden, dass es schade wäre, diese Zeit durch Nachdenklichkeit zu vergäuden. Stattdessen sollte ich einfach leben!

Aber so gut es mir auch jetzt gehen mag, ich bin mir sicher, ab dem Beginn der Hormontherapie wird es mir noch viel besser gehen. Es gibt jeden Tag noch unzählige Details, die mich nerven, stören, bedrücken, verunsichern… und die meisten davon werden sich früher oder später durch die Einnahme auflösen. Vieles davon sind Kleinigkeiten, die nur in der Summe groß sind. Aber auch bedeutende Dinge werden sich ändern. So sehne ich mich sehr nach Liebe, Zärtlichkeit und Partnerschaft, was aber für mich mit meinem aktuellen Körperzustand absolut undenkbar ist. Jeder Tag, den ich länger auf den Beginn der Hormongabe warte, warte ich auch länger auf die Grundvorauassetzung für ein Beziehungsleben.

Aus der Perspektive betrachtet sind meine jetzigen Tage suboptimal, sie einfach nur zu leben, ist Vergäudung. Sie mit Nachdenken zu verbringen wäre hingegen keine Vergäudung sondern eine sinnvolle Investition in meine Zukunft.

Ein Fazit? Als ob mein Hirn sich an ein Fazit halten würde!

Ich habe jetzt rationale Gründe für und wieder das unbeschwerte dahinleben bzw. das angestrengte Nachdenken geliefert. Und die sind alle vollkommen egal, weil mein Kopf sowieso nachdenkt, ob es nun aus rationaler Sichtweise angebracht sein mag oder nicht. Es ändert nicht, ob ich denke, es ändert allenfalls, ob dieses Denken krankhaft-zwanghaft zu bewerten ist oder eben eine selbstvertändliche Notwendigkeit darstellt. Und all das ändert nichts daran, dass ich in näherer Zukunft eben über dieses eine Thema bloggen werden.

Und egal ob krankhaft oder sinnvoll, der Gedankenstrom wird spätestens dann sein Ende haben, wenn die Hormone verordnet werden, was in ca. 1 Jahr der Fall sein sollte. Mehr als ein Jahr kann ich also nicht damit verplämpern. Da kann man sich nun fast schon fragen, ob Denkschleifen von weniger als einem Jahr Dauer es überhaupt Wert sind, erwähnt zu werden…

Die Öffentlichkeit des Privaten: Mein Projekt “Cubenet” in der gesellschaftlichen Perspektive

Wer online sein will, muss sich gut überlegen, wie er online sein will. Denn offline ist er nie wieder.

Zu diesem Thema könnte ich nun technisches, politisches oder persönliches Schreiben. Dies ist der erste von zwei Beiträgen dazu, und er erfasst eher den gesellschaftspolitischen und den gesellschaftlichen und technischen Aspekt. Und irgendwie kommt auch ein lange vergessenes Projekt wieder zum Vorschein…

Neue Ausmaße von Offenheit und Verschlossenheit im Netz

Die einen posten bei Facebook und anderen social networks quasi sekundenaktuell jede private Befindlichkeit, egal ob banal oder weltbewegend, und schaffen damit ein detailliertes digitales Abbild ihres Lebens, das für jeden Abrufbar ist und bleibt. Die anderen haben so viel Angst vor den Datenkraken, dass sie entweder gar nicht erst beitreten (obwohl sie ja teilweise irgendwie gerne würden…) oder aber beitreten und dann mit völlig sinnbefreiten Pseudonymen, ohne Profilfoto und ohne Inhalte einen unpersönlichen, leeren Datensatz schaffen. Natürlich gibt es löbliche Zwischenabstufungen, aber die Extreme überwiegen. Und das Thema der digitalen Privatsphäre wird thematisiert wie nie zuvor.

Ein scheinbares Paradoxon am Beispiel der Piratenpartei

Dieses digitale Dilemma hat in den letzten Jahren der Piratenpartei viel Beachtung eingebracht. Dass sich die Partei und ihre Mitglieder einerseits für politische Transparenz aber andererseits für privaten Datenschutz einsetzen, erscheint der breiten Masse nach wie vor unverständlich oder gar widersprüchlich. Wenn sich dann dennoch einzelne Mitglieder freiwillig dazu entscheiden, große Teile ihres Privatlebens im Netz zu dokumentieren, ist die Verwirrung komplett. Die politische Geschäftsführerin Marina Weisband ist ein gutes Beispiel dafür: sie bloggt, sie twittert, sie postet bei Facebook auf zwei Accounts und lässt auch in gedruckten Berichten und Fernsehtalkshows viel privates durchblicken. Dennoch traue ich ihr voll und ganz zu, Privatsphäre anderer zu verstehen und zu respektieren und sich in der Politik für eben deren Aufrechterhaltung einzusetzen. Dabei sind die letzten beiden Links jeweils sehr gute Beispiele dafür, dass die klassischen Medien genau diesen Unterschied nicht verstehen.

Ich benutze Google Mail – na und?

Ich selbst werde ja schon öfters komisch dafür angeguckt, dass ich Google Mail verwende und somit einem großen US-Konzern zugriff auf alle meine Emails gebe. Eine Form der Auswertung ist dabei allen bekannt, für die Nutzer wie mich klar sichtbar und nachweislich dazu geeignet, das Google damit seine kostenlosen Dienstleistungen monetarisiert: Passend zu Wörtern, die in der Mail vorkommen, wird mir neben der Mail textuelle Werbung angezeigt. Natürlich könnten sie in der Theorie mehr mit diesen Daten machen. Ob bzw. was genau noch damit geschieht, ist aber bloße Spekulation. Dennoch gibt es Menschen, die es nicht mit sich vereinbaren könnten, ihre Privatsphäre soweit aus der Hand zu geben. Das ist völlig o.k. und verständlich, nur eben nicht das, was ich für mich persönlich entschieden habe. Man muss stets technische Vorteile und praktischem Komfort abwägen gegen die Einbußen die man im Datenschutz macht, und ich habe in dem Fall so entschieden und kann zu einem anderen Zeitpunkt anders entscheiden.

Aber Daten, auf die Google eventuell Zugreift, vielleicht sogar an irgendwelche Firmen verkauft, sind damit ja immer noch nicht für viele oder gar jeden direkt öffentlich. Sich also über soziale Netzwerke, eigene Blogs und Webseiten oder über klassische Medien zu öffnen, geht noch einen ganzen Schritt weiter als nur einen Google-Dienst zu nutzen. Darüber schreibe ich aber ein andern mal und möchte mich jetzt eher auf etwas technisches konzentieren…

Ist Cubenet der Anfang oder das Ende des Datenschutzes…?

Ich habe mich in den letzten 7 Jahren mit nichts so intensiv befasst wie mit meiner Netzwerktechnologie “Cubenet”. Zur Erinnerung: das ist (bzw. wird vielleicht einmal) eine Programmkomponente, auf deren Basis sich vernetzte Software entwickeln lässt, vom Musikplayer über soziale Netze bis hin zu Warenwirtschaftssystemen.

(Cubenet wäre eigentlich unter http://cubenet.lenaschimmel.de ausführlich dokumentiert, diese Subdomain ist aber aus [mir bekannten] technischen Gründen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags gerade offline.)

Je nach dem, wie man diese Technologie einsetzen würde, wäre sie geeignet um die digitale Privatsphäre in nie dagewesenem Ausmaß zu zerstören, oder um sie wieder komplett herzustellen. Ich habe lange Zeit nicht verstanden, was dieser (scheinbare) Widerspruch bedeutet. Zeitweise hat mich die Aussicht auf eine Technologie, die endlich jedem die Herrschaft über seine Daten zurück gibt, massiv angespornt. Dann gab es Phasen in denen der Gedanke, dass ich damit das Gegenteil bewirken könnte, so sehr bedrängt dass ich mich nicht traute, weiter zu machen. Zu groß waren meine ethischen Bedenken. Und selbst wenn ich es mit mir selbst verantworten könnte, so liegt doch darin das Potential zu einem der meistgehassten Menschen der Welt zu avancieren.

Es sind nicht nur diese Unstimmigkeiten, die dazu geführt haben, dass mein Projekt Cubenet seit längerem wieder mal pausiert ist. Es sind auch private Umstände (z.B. meine Transsexualität) und wirtschaftliche (ich stecke derzeit viel Zeit in unser Unternehmen “Greenmobile Innovations UG“), die mich derzeit davon ablenken. Aber Cubenet lebt in meinem Kopf weiter und profitiert von dem, was ich im Alltag dazu lerne.

…oder ist es beides?

Denn inzwischen fügt sich in meinem Kopf ein stimmiges Gesamtbild des Widerspruchs zusammen: Jeder Mensch wählt frei, welche Technologien er nutzt und wie er das tut. So bietet jeder noch so datenhungrige Dienst jedem Menschen die Möglichkeit, ihn nicht oder nur sehr eingeschränkt zu nutzen und so eine Daten zu schützen, bzw. sich selbst vor seinen Daten zu schützen. Wer das tut, kommt natürlich auch nicht in den Genuss aller Vorzüge dieser Dienste. Somit ermöglicht jede Technologie maximalen Datenschutz durch Nichtnutzung. Egal wie gut oder schlecht nun der Datenschutz innerhalb von Cubenet wäre: Solange dessen Ausmaß für die (potentiellen) Nutzer realistisch abschätzbar ist, hat er die zuvor genannte Wahlfreiheit.

Nur ist es immer eine unschöne Wahl, ein Kompromiss, entweder auf Komfort und Leistung oder auf Datenhoheit zu verzichten. Wie man es macht, man macht es auch immer ein bisschen falsch. Und das wäre es, was Cubenet anders machen würde, wenn ich es denn so verwirklichen kann wie ich es plane. Cubenet ließe sich theoretisch so einsetzen, dass man die volle Funktionalität genießen könnte, und gleichzeitig die Herrschaft über die eigenen Daten behielte. Das wäre ein absolutes Novum. Aber diese Möglichkeit löst nicht die derzeit vorhanden Kompromisse zwischen Funktion und Datenschutz ab. Sie wäre nur eine Ergänzung, eine zusätzliche Option. Nutzer könnten sich bei der Nutzung immer noch so zurückhalten, dass ihnen die Vorteile nicht zu gute kämen. Oder sie könnten es so unkritisch und ungeschickt nutzen, dass sie all ihre Daten unwiderruflich an alle preisgeben und eventuell nicht mal einen Vorteil davon haben.

Medienkompetenz wird zum Pflichtprogramm

Die Medienkompetenz, die man heutzutage im Internet braucht, man wird sie vermutlich immer brauchen, in jedem Fall auch für die Nutzung von Software, welche auf Cubenet basiert. Aber es kommt quasi von selbst, dass die Menschen diese Kompetenz aufbauen. Niemand kann dazu gezwungen werden, sich damit zu befassen. Aber inzwischen dürfte wohl jeder von der Problematik gehört haben. In ein paar Jahren werde ich guten Gewissens sagen können: “Wer sich nicht anstrengt, einen Dienst verantwortungsvoll zu nutzen, darf sich hinterher nicht beschweren wenn seine Daten sonst wo landen.” Vorausgesetzt natürlich, ich habe alles in meiner Macht stehende getan, um diese verantwortungsvolle Nutzung möglich zu machen.

Und unter diesen Voraussetzungen habe ich keinerlei Zweifel mehr daran, dass ich Cubenet weiter entwickeln und Veröffentlichen sollte.

(Ich entschuldige mich schonmal, falls dieser Beitrag – insbesondere der Teil zu Cubenet – für viele Leser zu abstrakt war. Das wird später hoffentlich alles mal klar, was ich meine…)

(Re-)starting a big project

In this post I want to look back on many projects I started, most of which were canceled in an early stage. Anyway, I think the time is right and the decision is clear to (re-)start Cubenet, my pet project since 2005, and assign it the priority it deserves.

I’ve always had my projects, mostly programming projects. If I don’t count all those small one page programs, I may have started about 300 of them, but only finished about 40. And it’s clear that no project is ever really finished, I just got them to a point where it’s close to completion. Most got canceled because I lost interest.

In 2005 I started Cubenet, a software concept for information handling, but right now, there’s nothing to show. You might count this as one of the 260 failed projects, but that’s not correct. I never lost interest, but I never had the time to work on it. Or maybe, I never took the time.

Time

There’s an important invariant concerning time: You never have enough of it, there’s always much more to do than you ever could. So you do the most important things first, and the others afterwards. Cubenet never had the highest priority, so it never got the time it needed. I never had enough trust into this to assign a higher priority to it. So why is that?

First of all, as I said in the introduction, most of my projects “fail”. I used to think of this as a personal weakness, and so I was afraid to put large efforts into something that I would eventually cancel. Of course, this is exactly the wrong way round, but I didn’t recognize. If my projects fail because I’m not committed to them, then I won’t do any better if this leads me to even less commitment.

Child projects

Second, I used to start projects that I could never finish anyway. When I was 5, I insisted to file a patent for a chewing gum factory that I designed on paper. Age 6, I dug a hole in the ground because I wanted to build a subways station. My town only had buses, and I thought subways were much cooler than buses, so someone would have to start digging. Then, aged 9 or 10, I wanted to build the robot from the famous Johnny 5 movie.

None of this was feasible, but it’s no shame to talk about it, since I was a child. But when does this end? How do I know if I’m still a child with childish plans? When I was 13 or 14, when there were no MP3 players on the market, my father and I build one based on a do it your self kit, and I thought it would be cool to mass produce it, add a modem to it so it could connect to the Internet, and let people download music from a server, letting them pay for the music, and all this without a PC. This turned into a billion dollar marked some years later, but at that point, it seemed like another of my childish fantasies. I still mistrust my own ideas, especially when they are big and ambitious, which describes Cubenet very well.

Complexity

Third, when I don’t consider my former projects, but just Cubenet on its own, there are so many reasons why it could fail. Failing is related to not getting finished, and the complexity of my concept clearly indicates that it is too big, that I could never finish every part of it on my own. So why even start?

While every project starts small, some aim for the small, and some for the big. Often I get the advise to aim for a small goal, along with some anecdotal stories about projects that tried to reach a small goal and evolved beyond that, to finally become something big. In my case, I’m bound to ignore that advise, because of my central belief about practical computer science: Programming has grown in complexity because the whole area of software development started out small, without the great picture in mind. Now, if you want to build a small thing, you have to deal with a dozen of layers, which evolved over 50 years. This could be done better if it was planned from the beginning. Cubenet is, in its core, an attempt to do it better, by aiming for the big goal and approaching it directly. So the project has a great goal by its very definition, and there are many who think it must therefor fail by definition.

Just doing it

I’ve finally come to my senses. Every project, no matter how big and how many persons it will take to complete, has to be started by someone. And now, that’s me, the crazy kid, grown up, old enough to make decisions, while not really wise enough to implement it all. But if you have a thousand crazy children like I was, digging in the ground, they will eventually build a subway station. Maybe they lack the skills at first, but after some years of work, they will have them. I don’t know the real source, because it’s been cited too often, but programming is a “wicked problem”, one that you only understand while you try to solve it. This is widely agreed upon, but opinions differ on whether this legitimates a restart from scratch, or if it must be tackled by incremental changes and refactoring. I’m not sure about it, but if there is a solution, I’m the one who sets out to find it, hoping someone might join along the way.

A scheduling trade-off

For Cubenet to succeed, I need not only overcome the many obstacles of software development, I also must overcome my intrinsic problem of time scheduling. That is, I must assign a priority to Cubenet, high enough to actually being worked on. With a classical scheduling, only the most important task is worked on, until it is finished, so the next important one may follow. For a long time project like Cubenet, this would be fatal: I would drop out of my university rather quickly, but eventually I would die of starvation because cooking meals has a lower priority. There has to be a compromise, like this one:

I’ll work on Cubenet as much as I can afford, and I think I must accept that other aspects might suffer, like my studies, free time, social life, etc. But if I define a limit on how much those may suffer, this gets manageable. This is the only way it can be done, and it might get easier with synergistic effects. Like integrating Cubenet into my studies. I failed at this at my former university, the Hochschule Harz, because I studied the wrong branch of computer science. Now at the Technische Universität Braunschweig, I’m at the right place, and there may be ways to bring it all together. If I’m forced to succeed, I will somehow succeed.

Linking it to people and obligations

There’s another advise to start a project, and not let it fall aside: Tell everyone about it. Tell about it, until they start asking about the progress, which somehow motivates. This is a common hint for people who want to stop smoking, but it applies elsewhere.

But sometimes motivation is not the problem, but justification: Is it right to spend time on Cubenet right now? Am I supposed to do something else instead? Yes, I am, but as soon as Cubenet is officially related to my studies, or science, or a job, I’m supposed to work on it, one problem solved. On the other hand, linking a pet project to a proper obligation bears the risk of control loss. Nobody will force me to do exactly what I already wanted to do, so if I need some force, it may come along with a shift of focus. I’m already afraid of it, but I have to face it. It’s no deal if Cubenet turns into the wrong direction at first, if I always keep enough control to change it afterwards. Licensing it under a copy left license enforces this, because everybody may develop it in any direction, which includes myself. Every study, research project or contract has an end, and with a copyleft license and version control, projects can evolve or stand still, but they can never fall back.

So now I’ve talked myself into taking this project serious, into writing about it and justifying my decisions. Now the actions must follow. To kick start this project, I’ve installed a Redmine workspace at http://lenaschimmel.de/redmine/ and populated it with a huge mass of old notes, and a git repository for source code control. This is not only a place for old texts to get even older, it will be the central for cooperative working on the project itself.

If you feel like you want to be a part of my monster pet project, head over there and get yourself an account. Or just contact me with whatever you think about it.

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