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Die Vornamensänderung und ihre kaum zumutbaren Umstände

Worum es geht – kurz gefasst:

  • Warum ich eine Vornamensänderung dringend brauche.
  • Was dazu zu tun ist, insbesondere das Gutachterverfahren.
  • Was an diesem Verfahren alles dumm, gefährlich, demütigend, überflüssig und skandalös ist.
  • Wie es außerdem die teils dringend nötige psychologische Betreuung von Transsexuellen untergräbt.
  • In welchen Konflikt mich das nun bringt.

Die aktuelle Lage

Ich bin Lena Schimmel. Ich bin Mitglied der Gesellschaft für Informatik und Sprecherin von deren Studierendengruppe Braunschweig, bin Kundin bei Amazon und Ebay, habe Profile bei Facebook, Xing und Last.fm, bin zur Nutzung von Packstationen berechtigt, habe einen unbefristeten Arbeitsvertrag und mir gehören sogar ein paar Prozente des Unternehmens das mich beschäftigt. Offenbar stehe ich mitten im Leben.

Aber man findet mich in keinem Melderegister, ich habe keinen Personalausweis, es gibt mich nicht in den Unterlagen der Universität an der ich studiere, so dass sie mir auch keinen Studentenausweis mit Semesterticket ausstellt, ich habe kein Girokonto, keine Wohnung, keine Geburtsurkunde, keine Bahncard, und habe keine Zeugnisse. Die gehören alle meinem alten Ich. So ähnlich geht es vielleicht auch “illegalen Einwanderern” die ebenfalls keine Papiere haben – wobei das ein ungerechter Vergleich ist, denen geht es mit Sicherheit noch um ein Vielfaches schlimmer. Trotzdem.

Zum Glück habe ich den Ergänzungsausweis der DGTI, der mir bescheinigt, dass mein altes und mein neues Ich sich all diese schönen Dinge teilen dürfen, weil wir die selbe Person sind. Dieses Dokument sieht nicht schön aus, es ist kein offizielles Ausweisdokument, es ist relativ unbekannt, und wer es überhaupt akzeptiert tut dies entweder aus gutem Willen oder weil er denkt, er wäre dazu verpflichtet. So oder so ist das Teil unbeschreiblich hilfreich im Alltag, es gibt einem das gute Gefühl, wirklich zu existieren. Von den Errungenschaften, die ich als Lena inzwischen als “mein” bezeichnen kann, wäre gut die Hälfte ohne dieses Dokument gar nicht möglich gewesen. Aber es hat offensichtlich seine Grenzen. Wenn es jemand nicht akzeptiert, bleibt mir nur zu sagen: “Na dann eben nicht. Ich komm dann in ein paar Jahren nochmal vorbei.”

Der nächste Schritt

Natürlich wäre es schön, von allen Seiten her rechtlich als Lena Schimmel akzeptiert zu werden. In Deutschland besteht diese Möglichkeit durch eine Vornamensänderung. Andere Menschen zahlen für so etwas – abhängig von ihrem Wohnort – ein paar hundert Euro oder weniger, und müssen relativ wenig Aufwand dafür aufbringen. Natürlich fällt ein wenig formaler Papierkram an, aber wo kämen wir denn ohne das auch hin in unserer Bürokratie?

Von Transsexuellen wird jedoch noch mehr verlangt. Da wären zum einen Kosten für die Gutachten, die sich auf mehrere Tausend Euro belaufen können. Die jucken mich derzeit wenig, mein Verdienst ist gering genug um diese Kosten per Prozesskostenhilfe zu decken. Sprich: der Staat bzw. der Steuerzahler kommt dafür auf. Sicherlich eine Steuerverschwendung, für die ich aber kein schlechtes Gewissen haben muss, sondern jene, die sich dieses komplexe Verfahren ausgedacht haben.

Aber selbst wenn ich das selbst zahlen müsse: Was sind schon ein paar Tausend Euro im Vergleich zur Aufgabe der persönlichen Würde? Und die ist durch das Gutachterverfahren ernsthaft gefährdet.

Was ist das Ziel?

Bevor ich nun den Sinn oder Unsinn der Gutachten bespreche, muss man sich doch erst mal fragen: Worum geht es eigentlich?

Es geht hier nur darum, ob eine Person ihren Vornamen ins andere Geschlecht ändern darf und von da an rechtlich in jenem Geschlecht anerkannt ist. Das mag zwar eine große Sache sein, aber immerhin ist dies komplett unabhängig von medizinischen Maßnahmen. Die Frage, ob eine Person eine Hormontherapie oder geschlechtsangleichende Operation erhalten soll/darf/muss ist nicht Thema dieses Gesetzes. (Bis Januar 2011 bestand allerdings noch ein Sterilisationszwang, der nun zum Glück passé ist.) Die Trennung von rechtlichen und medizinischen Maßnahmen ist ein hohes Gut – wenn auch leider immer noch kein real vorhandenes, wie man später sehen wird.

Das Risiko einer fälschlicherweise zugestandenen Vornamensänderung ist gut kalkulierbar: Wenn der Antragsteller nach einigen Jahren bemerkt, dass ihm der alte Vorname besser gefiel, dann würde er einen erneuten Antrag stellen. Bei diesem Risiko könnte man es wohl vertreten, das Begutachtungsverfahren entfallen zu lassen – und damit würden im Worst-Case der zweifachen Änderung jeweils wenige hundert Euro an Kosten entstehen, und somit immer noch weniger als nun zur Verhinderung jenes Worst-Case aufgewendet wird.

Die rechtliche Grundlage für die Begutachtung ist dünn bzw. unkonkret, denn das “Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen (Transsexuellengesetz – TSG)” sagt in §4 Absatz 3 dazu nur:

“Das Gericht darf einem Antrag nach § 1 nur stattgeben, nachdem es die Gutachten von zwei Sachverständigen eingeholt hat, die auf Grund ihrer Ausbildung und ihrer beruflichen Erfahrung mit den besonderen Problemen des Transsexualismus ausreichend vertraut sind. Die Sachverständigen müssen unabhängig voneinander tätig werden; in ihren Gutachten haben sie auch dazu Stellung zu nehmen, ob sich nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft das Zugehörigkeitsempfinden des Antragstellers mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr ändern wird.”

Es besagt also, was sie auch begutachten sollen. Der Hauptzweck der Begutachtung wird nicht explizit mit der Begutachtung in Verbindung gebracht, aber mit etwas Verstand lässt sich schließen, dass es wohl um die Sicherstellung der Bedingungen in §1 Absatz 1 Punkt 1 und 2 gehen muss:

(1) Die Vornamen einer Person sind auf ihren Antrag vom Gericht zu ändern, wenn
1.    sie sich auf Grund ihrer transsexuellen Prägung nicht mehr dem in ihrem Geburtseintrag angegebenen Geschlecht, sondern dem anderen Geschlecht als zugehörig empfindet und seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen entsprechend zu leben,
2.    mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass sich ihr Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird [, und]

Was passiert im Begutachtungsverfahren?

Was die Gutachter nun genau tun, um dies sicherzustellen, lässt das Gesetz offen. Ich habe das ja alles noch vor mir, kann daher nicht aus eigener Erfahrung sprechen, aber man hat ja so seine Quellen. Ich muss zugeben, dass ich mich hier sehr selektiv auf Negativbeispiele stütze, die nicht ganz repräsentativ sind. Andererseits handelt es sich auch nicht um seltene Einzelfälle, sondern durchaus um einen Teil des Üblichen.

In der Praxis üblich ist dabei mehr als nur ein Seelen-Striptease (und auch das wäre ja schon viel verlangt):

  • Der Gutachter prüft und notiert was der Antragsteller für Kleidung trägt und ob diese seinem persönlichen (Klischee-)Bild eines Mannes oder einer Frau entspricht.
  • Der Antragsteller soll den Gutachtern Auskunft über sein gesamtes Leben geben, und dabei jedes Detail erwähnen, das irgendetwas mit (Trans-)Sexualität zu tun hat. Dass man “Sexualität” und “Transsexualität” überhaupt in einen Topf werfen kann, ist dabei rein sprachlicher Natur, da die sexuelle Identität bekanntlich nichts mit der sexuellen Orientierung oder sexuellen Vorlieben zu tun hat. Dennoch sind sehr detaillierte Fragen zur Selbstbefriedigung, zum Geschlechtsverkehr mit anderen, zu sexuellen Phantasien und Abweichungen von der sexuellen Norm sehr üblich. Für die meisten Menschen dürfte dies der privateste Teil ihres ganzen Leben sein, den sie nun offenlegen müssen.
  • Es muss eine schriftliche Antragsbegründung vom Antragsteller abgegeben werden. Obwohl das Gesetz nur eine Rechenschaft über die letzten drei Jahre verlangt (oben zitierte §1 Absatz 1 Punkte 1 und 2), fordern die Gerichte ebenfalls einen kompletten Bericht inklusive der Kindheit, in dem auf die psychosexuelle Entwicklung eingegangen wird. Es wird vom Gericht explizit auch nach der Bedeutung von Eltern und Geschwistern gefragt.
  • Der Antragsteller wird bei der Begutachtung gebeten, sich zu entkleiden und körperlich begutachtet. Dabei sind die bestellten Sachverständigen praktisch immer psychogisch ausgebildete Personen, deren Fähigkeit zur körperlichen Überprüfung zweifelhaft ist. Was die Beschaffenheit des nackten Körpers darüber aussagt, ob der Antragsteller sich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlt, ist auch schleierhaft.
  •  Während es für viele Menschen relativ normal ist, sich bei einem Arzt zu entkleiden, muss man bedenken, dass die meisten Transsexuellen ihren Körper in seiner falschen Geschlechtsform hassen. Und die Begutachtung findet in vielen Fällen noch vor medizinischen Maßnahmen statt, die dem Abhilfe schaffen. Die Abneigung geht häufig so weit, dass seit vielen Jahren kein anderer Mensch mehr einen Blick auf die nackte Haut bekommen hat, sogar die Betroffenen selbst können oft nicht mehr in den Spiegel schauen oder duschen z.B. im Dunkeln. Sich nun nackt zu präsentieren ist extremer Stress, kurz davor, kurz danach oder sogar gleichzeitig über Details des Sexuallebens sprechen zu müssen verschärft die Lage.
  • Die oben geschilderte Situation stellt also für den Antragsteller evtl. schon ein missbrauchsähnliches Erlebnis dar. Doch damit nicht genug, tätlicher sexueller Missbrauch, mal mehr und mal weniger gut als “notwendiger Schritt zur Diagnose” getarnt, ist angeblich in dieser Situation nicht selten. Wer einen starken Magen hat, kann sich hier Berichte über solchen Missbrauch durchlesen.
  • Die beiden Psych* (von hier an verwende ich die Abkürzung “Psych*” als Oberbegriff für Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater und für die daraus zu bildenden Adjektive), welche die Gutachten erstellen, dürfen ausdrücklich nicht jene sein, welche den Antragsteller dauerhaft psych* betreuen. Und auch wenn das “Gesetz über die Änderung der Vornamen…” nichts über eine dauerhafte Betreuung sagt, gibt es andere Regeln die jeden Transsexuellen zur Dauerbetreuung zwingen, ob er diese nun will bzw. braucht oder nicht. Die Trennung zwischen Betreuern und Gutachtern ist extrem sinnvoll – wird aber dadurch zunichte gemacht, dass die Gerichte verlangen, dass der Antragsteller alle betreuenden Ärzte von ihrer Schweigepflicht entbindet. Auch das wird durch das Gesetz nicht gerechtfertigt. (Mehr dazu im nächsten Textabschnitt)
  • Es sind auch Fälle bekannt, in denen die Gutachter (teilweise auch erfolgreich) versucht haben, den Antragsteller zu unumkehrbaren medizinischen Maßnahmen zu zwingen, welcher dieser nicht wollte. (Ich glaube, darum geht es in diesem langen Text, den ich aber wegen der Länger, Formulierungsweise und unübersichtlichen Formatierung nicht in seiner Gänze gelesen und verstanden habe.)
  • Gesetzt den Fall, dass dem Antrag zugestimmt wird und der Vorname geändert wird, erhält der Antragsteller einen Gerichtsbeschluss, den er von da an bei unzähligen weiteren Ämtern, Firmen und ggf. Privatpersonen vorlegen muss, um seine Namensänderung zu belegen. Doch auf genau diesem Beschluss werden oft sehr private Details aus dem Begutachtungsverfahren aufgeführt. Wer also z.B. den Name auf seinem Führerschein aktualisieren lassen möchte, muss dann der Fahrerlaubnisbehörde ein Dokument übermitteln, welches über seine sexuelle Vorlieben und (sexuell) einschneidende Erlebnisse in der Kindheit berichtet.

Meine Meinung zur Aufhebung der ärztlichen Schweigepflicht

Ich konnte mir es an vielen stellen nicht verkneifen, schon während der Aufzählung auszudrücken, wie wenig ich von den gängigen Methoden halte. Manche Punkt stehen schon ohne Kommentar als abschreckendes Beispiel da. Aber einen Punkt möchte ich nochmal gesondert hervorheben, da er auf den ersten Blick harmloser erscheint, als er ist: die Entbindung der betreuenden Psych* von der ärztlichen Schweigepflicht.

Transsexualität ist kein psychisches Leiden, insbesondere kann sie niemals auf psych* Wege geheilt werden. Die beste Näherung an eine Heilung ist durch medizinische Maßnahmen möglich, die den Körper an das Identitätsgeschlecht angleichen. Dennoch gibt es viele Gründe für Transsexuelle, um sich einem Psych* anzuvertrauen, denen man sich bewusst sein muss, um die Problematik zu verstehen:

  • Theoretisch können andere psychische Leiden sich ähnlich wie eine Transsexualität bemerkbar machen. Diese sind dann aber psychisch und nicht körperverändernd zu beheben.
  • Durch die lange Zeit im falschen Körper und die Probleme, die erwartete Geschlechterrolle zu erfüllen, kann über die Jahre viel Leid auf die Betroffenen einwirken und somit psychische Probleme verursachen.
  • Die Umstellung des gelebten Geschlechtes im Alltag führt oft zu Ablehnung durch Familie, Bekannte und das Arbeitsumfeld. Dadurch entstehen besondere psychische Belastungen, bei denen ein Psych* hilfreich sein kann.
  • Im Rahmen der Hormonumstellung kommt es oft zu Veränderungen des Gefühlshaushaltes, die mit professioneller Begleitung besser überstanden werden können.
  • Auch kann der Erfolg der körperlichen Maßnahmen schlechter ausfallen als man sich das zunächst erhofft hatte, was wiederum zu Krisen führen kann.
  • Um die Hormontherapie und/oder angleichenden Operationen zu erhalten ist eine Diagnose eines Psych* notwendig. Behandlungsrichtlinien erzwingen hier eine längerfristige Betreuung mit Hinweis auf die eben genannten Vorteile – allerdings auch für die Patienten, welche auch gut ohne diese auskommen würden.
  • Der oben erläuterte Prozess der Vornamensänderung erfordert Zwingend die Gutachten zweiter Psych*.

Der Bedarf von transsexuellen Menschen an psych* Hilfe wird einem vielleicht klar, wenn man sich bewusst macht, dass bis zu 70% jener, die angleichende Maßnahmen erhalten, zuvor mindestens einen Selbstmordversuch hinter sich hat. Wer weiß, wie hoch die Anzhal jener ist, die sich wegen ihrer Transsexualität umgebracht haben, noch bevor diese Ursache diagnostiziert wurde? Man kann es nur erahnen… aber all das macht klar, dass mit dem tatsächlichen Hilfebedarf dieser Menschen nicht zu scherzen ist und dass man nichts unternehmen sollte, was die Erfolgschancen dieser Hilfen mindert.

Hier also endlich die Kernaussage dieses Posts:

Ein Patient, der sich vom Psych* seines Vertrauens ernsthafte Hilfe bei der Bewältigung seiner Probleme erhofft, sollte die volle Freiheit darüber haben, was er diesem anvertraut und was nicht. Normalerweise wäre das auch erfüllt. Durch die Begutachtungspraxis der Vornamensänderung weiß der Patient aber: jedes Problem, von dem er seinem betreuenden Psych* berichtet, wird später einmal den Gutachtern und dem Gericht bekannt, und wird über das Gerichtsurteil vielleicht noch weiter in die Welt gestreut. Das ist schon unangenehm genug, aber vor allem muss der Patient damit rechnen, dass mit Bekanntwerden der Thematik der Gutachter einen Grund findet, um der Vornamensänderung zu widersprechen.

Oft kommt es dann zur Umkehr von Ursache und Wirkung: Ein Patient ist transsexuell, wird deswegen vom Umfeld abgelehnt, leidet psychisch darunter, und letztlich wird ihm seine Transsexualität abgesprochen, weil sie angeblich nur ein Ergebnis seiner psychischen Probleme wäre. Auch wenn der Gutachter, der einem später vielleicht einmal zugeteilt wird, diesen Fehlschluss nicht tun wird: schon bei Beginn des  Gesprächs mit dem betreuenden Psych* muss der Patient Angst davor haben. Somit werden nur noch Symptome preisgegeben, die eindeutig auf die Transsexualität hinweisen. Alles, was mit viel Phantasie dagegen sprechen könnte, wird verschwiegen und bleibt unbehandelt.

Was soll ich nun ganz konkret tun?

Für mich ist diese Frage hochgradig akut. Ich werde in wenigen Tagen den Antrag auf Vornamensänderung stellen.

Wenn ich das tu, und dabei die Anforderungen einhalten muss, muss auch ich drei Psych* von ihrer Schweigepflicht entbinden. Ich weiß noch in etwa, was ich diesen bisher über mich erzählt habe. An jedes Detail kann ich mich natürlich nicht erinnern. Da ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, dass diese Schweigepflichtentbindung auf mich zukommen würde, habe ich vermutlich Dinge gesagt, die zwar Wahrheitsgemäß sind, aber eigentlich nichts in der Entscheidung über meine Vornamensänderung verloren haben. Und vor allem weiß ich nicht, was ich in zukünftigen Sitzungen noch bereden werde. Ich fühle mich derzeit psychisch absolut gesund, den “Behandlungserfolg” meiner Sitzungen zu gefährden ist leichtes Spiel für mich, da es nichts zu behandeln gibt. Aber ich kann nicht wissen, welche psychischen Probleme sich in den nächsten Monaten noch ergeben. Wenn ich jetzt die Entbindung unterzeichne, setze ich die Freiheit und Qualität meiner Behandlung in Zukunft aufs Spiel.

Ihr wisst ja, was ich von meiner Privatsphäre allgemein halte, und wie sehr ich mich davon verabschiedet habe, seit ich transsexuell bin und mich dazu berufen sehe, eine öffentliche Referenz für andere zu sein. Aber unabhängig davon, was dieses irsinnige Gutachterverfahren für mich konkret bedeutet, unterwerfe ich mich einer Regelung, die in keinem Gesetz steht, und stimme ihr somit zu. Ich sage “Ist o.k., ihr könnt meine gesamte psychische Krankengeschichte lesen, denn ich bin ja gar nicht psychisch krank.” und bedeute damit ein Stück weit auch, dass es generell o.k. wäre, so zu verfahren.

  • Ich könnte die Schweigepflicht aufrecht erhalten. Wenn ich keine Entbindung davon beilege, würde sie wohl nach gefordert werden, so als hätte ich sie ganz versehentlich vergessen. Ich könnte auch explizit hineinschreiben, dass ich keine derartige Freistellung wünsche, und abwarten, was passiert. Schlimmstenfalls wird mir wegen mangelnder Mitwirkung der Antrag abgelehnt und Lena Schimmel bleibt nach wie vor eine Phantombürgerin. Das will ich natürlich nicht.
  • Ich könnte dem Gericht schreiben “Ich entbinde die Ärzte X, Y und Z von ihrer Schweigepflicht” und nebenbei mit denen private Nebenabreden vertraglich schließen, die besagen “Die Fakten A,B und C bleiben geheim, auch wenn eine generelle Entbindung von der Schweigepflicht stattgefunden hat.” Ob die sich auf so ein Heckmeck einlassen, ist natürlich eine andere Frage. Keine realistische Alternative.
  • Ich könnte Klage erheben um zu erwirken, dass das Gericht nie wieder solche Entbindungen von der ärztlichen Schweigepflicht für Vornamensänderungen verlangt. Das würde Jahre dauern, vielleicht würde mein Antrag die ganze Zeit ruhen und ich verbaue mir selbst das Ziel, möglichst schnell rechtlich anerkannt zu werden.
  • Vielleicht könnte ich auch gute Miene zum bösen Spiel machen, mein recht auf informationelle Selbstbestimmung zum Teufel schicken weil es mir selbst eigentlich gar nicht so viel ausmacht und der Vorteil überwiegt, und mich nachher immer noch gegen diesen Mist einsetzen. Aber mal ehrlich, habe ich dann wirklich noch den nötigen Antrieb dazu?

Wie ich es auch mache, ich mache es falsch. Aber das ist eine der Erkenntnisse der letzten Jahre, mit denen ich mich abgefunden habe. Es wird mich nie wieder davon abhalten, das zu machen, was gemacht werden muss. Und ansonsten weiß ich ja auch, dass es im Schnitt alles nicht ganz so schlimm läuft, ich bin ja nach wie vor Optimistin. Aber vor jedem Schritt muss man ja wissen, was alles passieren kann und sich fragen, ob man mit den Konzigwensen umgehen kann. Ich kann.

Die Öffentlichkeit des Privaten: die Konsequenz für mich als Transsexuelle

Als ich begann, diesen Text zu schreiben, fing ich mit einem Vorwort über die gesellschaftliche Situation an, das sich zu einem eigenen Beitrag entwickelt hat, der nun hier zu finden ist. Irgendwie habe ich darin noch über ein paar technische Überleungen den thematischen Bogen zu meinem (unfertigen) Lebenswerk Cubenet geschafft. Man sieht, alles in meinem Leben hängt irgendwie grob zusammen. Nun aber zum privaten Aspekt, und warum ich den nicht mehr privat halte:

Stufen der Geheimhaltung

Gewöhnlich hat man wohl verschiedene Kreise der Privatheit. Ich nummeriere diese mal kurz durch, um mich anschließend einfacher darauf beziehen zu können:

  1. Worüber man öffentlich, z.B. im WWW oder im Fernsehen, berichtet
  2. Worüber man mit jedem offen redet
  3. Worüber man mit Freunden spricht
  4. Worüber man nur mit den aller vertrautesten Personen spricht
  5. Worüber man mit niemandem spricht
  6. Worüber man nicht mal bewusst nachdenkt

Meine Transsexualität, die mir irgendwie schon seit 16 Jahren bewusst ist, war trotzdem die gesamte Zeit über auf “Geheimhaltungsstufe 6″. Ich wusste, das da etwas ist, aber dieses Wissen hat es mit sehr wenigen Ausnahmen nicht mal in Selbstgespräche oder mein Tagebuch geschafft. Viel privater und geheimer kann etwas nicht sein. Der Gedanke, dass irgendwer davon erfährt, war an sich schon undenkbar. Es hätte das Ende bedeutet, was auch immer das bedeuten mag…

Im kurzen Zeitraum von April bis Mai 2011 hat sich dieses Thema zügig von “Stufe 6″ auf “Stufe 1,5″ hochgearbeitet. Sobald ich mich wagte, darüber aktiv nachzudenken, habe ich etwas in Gang gesetzt, das zur Umsetzung führen würde, also zur öffentlichen Transition. Jeder Mensch auf der Welt könnte mich draußen als Frau antreffen, das ist schon sehr öffentlich. Jedem, der aufmerksam genug hinsieht, würde ich auf stille Weise kommunizieren: “Ich bin transsexuell”.

Ist öffentlich gleich öffentlich?

Aber wie öffentlich ist das wirklich? “Ich bin transsexeuell” erschien mir lange als eine sehr schwergewichtige Information, ein großer Brocken, für den es gewiss viel Mut bräuchte, um ihn in die Öffentlichkeit zu zerren. Aber letztlich ist es auch eine triviale Information, die sich in ein paar Zeichen verkürzt darstellen lässt: “Ich=TS”. In 6 Byte kann schon Informationstheoretisch nicht viel Wissen drin stecken. Alle Details, all das was mich als Mensch und meinen Werdegang wirklich ausmacht, lässt sich anhand dessen nur sehr grob erahnen.

Ich habe deshalb mein Coming-Out mit einem etwas längeren Text begangen, nämlich über 12.000 Zeichen, worin auch die Aufforderung an meine Freunde enthalten war, mich nach Details zu fragen, sowie eine genaue Beschreibung dessen, wie öffentlich das nun alles sein soll:

“Ihr könnt mir jederzeit Fragen stellen, wobei folgendes Prinzip gilt: Ihr dürft mich fragen was immer ihr wollt, ich nehme keine Fragen per se übel. Ich werde die meisten Fragen offen und ehrlich beantworten, aber behalte mir natürlich auch als Transsexueller ein gewisses Maß an Privatsphäre vor. (…) Du kannst übrigens auch gerne mit jedem anderen im Raum Braunschweig über das Thema bzw. über mich sprechen. (…) Globaler als in Braunschweig möchte ich das Thema noch nicht verbreiten, also bitte ich euch alle inständig, zunächst mal keine “auffälligen” Dinge über Facebook, StudiVZ und Co. zu verbreiten. Das kommt zu gegebener Zeit noch, aber bitte nicht jetzt.”

Damit habe ich die Öffentlichkeit auf Stufe 3 oder sogar 2 gelegt, aber auch ganz klar nicht auf Stufe 1.

Eine Transfrau kann natürlich nicht ohne weiteres mit männlichen Onlineprofilen durch’s Web ziehen, und als ich nach ein paar Wochen meinen Facebook-Account und wenig später auch den bei StudiVZ umstellte, war klar, dass meine Transsexualität für immer auch online verbucht sein würde. Damit war meine Transsexualität auf Stufe 1 angelangt, aber noch lange nicht alles gesagt. Ich wusste nicht, wie sehr ich mein Facebook-Account nun mit diesem Thema “zuspammen” sollte.  Die Details waren nicht online. Und die allermeisten Menschen würden nun sagen: “Richtig so, da gehören sie ja auch nicht hin.” Wenn ich selbst die Details meiner transsexuellen Entwicklung – vielleicht das privateste was ein Mensch haben kann – online ausbreite, dann schaffe ich ja quasi meine Privatsphäre ab.

Will ich es riskieren, nichts privates mehr zu haben?

Ja, ich will, ich muss. Eigentlich wusste ich das von Anfang an.

Die Anfänge – ich meine nicht die echten Anfänge, damals als ich 11 war, sondern den April 2011 – waren eine stürmische Zeit. Ich setzte mich hin und entschloss mich, endlich über meine geschlechtliche Identität nachzudenken. Um mein jahrelang unterdrücktes und dadurch festgefahrenes Denken etwas in Schwung zu bringen, surfte ich im Netz und suchte ganz bewusst Berichte von anderen, denen es ähnlich geht oder ging. Ganz am Anfang wusste ich nicht mal genau, wo nach ich gerade suche, surfte ein wenig hier und da herum, uns stieß zunächst auf die “Teilzeitfrau” Jula und ihre Website. Von da aus dauerte es nicht lange, bis ich auf Svenjas Blog stieß.

Svenja ist transsexuell und hat ihren Weg vom ersten ersten Tag an akribisch, schonungslos offen aber auch mit viel Humor online dokumentiert. Ach, ich brauche das ganze gar nicht wortreich umschreiben, lest einfach diesen Zeitungsartikel über ihren Blog in den Kieler Nachrichten, oder schaut direkt in ihren Blog: Svenja-and-the-City. Darüber, was Svenjas Blog für mich persönlich bedeutete und möglich machte, werde ich in Kürze noch ausführlich berichten…

Solche Frauen braucht das Land!

Transsexuelle, die ihre privatesten Details nach außen kehren, leisten einen unbeschreiblichen und unbezahlbaren Dienst für andere, die ihren Weg noch vor sich haben. Vom Bewusstwerden und Akzeptieren über das Coming-Out und die Transition, nichts von alle dem erscheint auch nur annähernd machbar bevor man nicht jemanden sieht, der es getan hat. Ich hätte so gerne etwas getan, um etwas dankend an Svenja zurück zu geben. Mir wurde aber bewusst, dass ich nicht viel tun kann für Svenja, dafür aber viel für andere. Ich schrieb ihr eine lange Mail, voll von dankenden Worten, aber auch mit dem Versprechen: Auch ich werde meinen Teil beitragen, ich werde einen Teil meiner Privatheit aufgeben um anderen ein Vorbild, eine Stütze, eine Inspiration oder ein Hoffnungsschimmer zu sein.

Aber Vorsätze sind immer leichter gesprochen als umgesetzt. Ich hatte zwar schon einen lauffähigen Blog, den ich nur noch mit neuen Inhalten füllen musste, sowie mit einem neuen Banner, um den alten Namen loszuwerden. Aber irgendwas hielt mich zurück. Auch wenn doch nun praktisch alle wissen, dass ich transsexuell bin, und ich mit praktisch jedem darüber spreche: darüber zu schreiben ist schwierig. Verdammt schwierig. Vielleicht bin ich auch einfach nicht die richtige Person, um darüber zu bloggen, und sollte mich lieber anders nützlich machen?

Alternativen zum Blog

Inzwischen kannte ich auch viele amerikanische Seiten über Transsexualtiät. Manche sind ebenfalls chonologisch geordnete Blogs, andere sind klar strukturierte Webseiten mit sachlichen Informationen, manche mischen beides. Vielleicht läge mir das eher? Aber schon jetzt gibt es viel zu viele solche Seiten, jede für sich ist wertvoll und unverzichtbar, aber ihrer Gesamtheit sind sie ein heilloses Chaos, über das niemand einen Überblick bewahren kann. Und jede der Infoseiten für Transsexuelle hat ihre Themenschwerpunkte, stellt die Meinung oder Erfahrung von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen dar, und viele werden auch seit Jahren nicht mehr aktualisiert. Die Autoren und Autorinnen haben verständlicherweise irgendwann andere Lebensschwerpunkte als ihre Transsexualität.

Der einzige Weg, wie ich die Lage verbessern könnte, wäre vielleicht ein Wiki. Hier könnte es eine zentrale Informationsquelle geben, die von vielen Bearbeitet wird, wo einerseits jeder sein persönliches Wissen einbringen kann, und andererseits auch Informationen von anderen Seiten gesammelt und zusammengefasst werden können. Ein Wiki über Transsexualität und verwandte Themen aufzusetzen, mit ersten Inhalten zu füllen, und dann zu moderieren, das könnte mein Beitrag für eine bessere Welt für Transsexuelle sein…

Nun, ich war nicht untätig. Ich kann sogar wohl behaupten, schon über 100 Stunden in besagtes Wiki investiert zu haben, welches nun kurz davor ist, veröffentlicht zu werden. Dazu gibt’s dann natürlich auch die entsprechende Ankündigung hier im Blog, wenn es soweit ist. Aber ich werde mich jetzt aber nicht auf ein Datum festlegen!

Und doch wieder der Blog

Erstaunlicherweise ist aber nun doch mein Blog schneller gewesen, und enthält nun erste Beiträge von mit, die sich mit Transsexualität auseinandersetzen. Ich habe endlich wirklich Stufe 1 erreicht. Ich habe langsam auf Facebook eine Balance gefunden zwischen meinen Interessen (Programmierung, Geektum, Fotografie, Transsexualtiät, Politik, Queerness, Feminismus…) und so auch eine neue, gemischte Richtung für meinen Blog gefunden, wie ich hier berichtet habe. Bis vor wenigen Tagen ging das nicht sehr in die Tiefe, und vor allem wusste wohl niemand, dass ich nach einem Jahr Pause wieder aktiv blogge.

Vorgestern passierte es dann, dass Janet Mock über Facebook ihren neusten Blogpost ankündigte. Sie ist eine extrem sichtbare Persönlichkeit in den USA, eine Transsexuelle die ihr Leben per Blog und Podcast beschreibt, auf Konferenzen Vorträge hält, ständig in den Medien ist… ein echtes Vorbild an Öffentlichkeit. Sie ist sicher für tausende von Amerikanern das, was Svenja für mich und viele andere deutsche ist. Was ich bis vorgestern nicht wusste: Sie ist erst seit weniger als einem Jahr an der Öffentlichkeit. Davor hat sie Jahre lang “stealth” gelebt, also so, dass nur ihre engsten Vertrauten von ihrer Transsexualität wussten. Sie ist innerhalb weniger Monate zu einer kraftgebenden Leuchtgestalt für so viele Menschen geworden, wie kaum jemand anders.

Und sie hat mich daran erinnert, dass ich das auch sollte. Sie hat mich an mein “Versprechen” gegenüber der Welt erinnert, dass ich Svenja gegenüber geäußert habe. Sie hat mich daran erinnert, mal wieder in Svenjas Blog zu schauen. Dort heißt es:

“Meine Personenstandsänderung war das letzte TransThema in meinem Blog. Es gibt im Blog keine Andeutung meiner Vergangenheit mehr.”

Das Klingt so, als wird dort ein Job frei… Ich kann nicht genau das tun, was Svenja getan, weil mein Leben ein völlig anderes ist. Ich kann nicht genau das tun, was Janet tut, weil ich nicht so sein kann wie Janet ist. Aber ich kann mein bestes tun. Mein Blog mit seinen viel zu langen Texten wird nicht die Welt retten. Mein Wiki wird es nicht. Aber es sind zwei Puzzle-Stückchen, weitere werden folgen, wenn ich dazu bereit bin. Und Menschen wie Svenja, Janet, Jula, Claudia, Jeanette, Madeline, Lynn, Lannie, Balian und viele andere werden mich durch ihr Werk regelmäßig daran erinnern, mich selbst zu prüfen. Das heißt, ab und zu nachzusehen, ob ich inzwischen genug Erfahrung, Weisheit, Kraft, Motivation, Mut und Zeit gesammelt habe, um ein weiteres Puzzlestück beizutragen.

Gedanken zum Alter(n)

Ich habe gestern meinen 27. Geburtstag gefeiert, welcher aber eigentlich schon 3 Tage her ist. Und auch wenn der Körper an solchen Tagen nicht mehr altert als an den 364 anderen im Jahr, so macht man sich ja gerade da Gedanken zum Alter. Zum Glück hatte ich in den letzten Tagen stets liebe Leute um mich herum, so dass ich auch mit 1000 anderen Dingen beschäftigt war, aber an einem stillen Sonntag wie heute ist es eben unvermeidlich, die Denkmaschine einzuschalten.

Wann habe ich zum ersten Mal über mein Alter nachgedacht? Es gab in meiner Kindheit eine Phase, wo ich keinen Bock mehr auf’s Kindsein hatte. Da war ich gerade mal 5 oder 6, auf jeden Fall noch nicht eingeschult, und fand es so furchtbar “unproduktiv” den ganzen Tag nur spielen zu können. Höchstwahrscheinlich habe sogar schon das Wort “unproduktiv” dafür benutzt, das war damals genau meine Art. Ich wollte gerne einer vernünftigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Am liebsten wäre ich Erfinder gewesen. Ich hatte damals sowieso schon ständig irgendwas “erfunden”, aber dass ich meine Zeichnungen von der Kaugummifabrik nicht beim Patentamt einreichen durfte, hat mich ernsthaft frustriert. Aber vermutlich hätte ich auch auf dem Bau gearbeitet wenn ich gedurft hätte. Schuld an allem war natürlich mein Alter, was sonst. Aber wie jede ordentliche Phase hatte auch das irgendwann sein Ende. Meine Kindheit verlief dann eigentlich soweit ganz glücklich und ich glaube, ich hatte mir weder das Ende herbeigesehnt, noch hab ich mich vor dem Ende gefürchtet.

Als ich 11 war, hatte ich kurz zur Kenntnis genommen, dass die Kindheit nun wohl zu Ende geht. Ich war mit ein paar Schulfreunden auf einem Spielplatz, und obwohl es Spaß gemacht hat, habe ich irgendwie das Gefühl gehabt, langsam zu alt für so was zu sein. Das war aber eine recht neutrale Feststellung. Und auch ohne regelmäßige Spielplatzbesuche waren die Jahre danach gar nicht so viel anders als die davor, was die Art der Freizeitgestaltung anging.

Ebenfalls mit 11 wusste ich im Grunde genommen, dass ich transsexuell bin. Das war deutlich erschütternder als das Ende der Kindheit. Ich habe mich damals mit den medizinischen Lösungsmöglichkeiten befasst, die aber damals nur Volljährigen zur Verfügung standen. Selbst heutzutage werden operative Maßnahmen erst bei 18-jährigen durchgeführt, aber Jugendliche bzw. Kinder können immerhin Hormonblocker erhalten, um nicht die für sie unpassende Pubertät erleben zu müssen. Inzwischen kann so schon zehnjährigen geholfen werden, aber als ich in dem Alter war gab es diese Möglichkeit nicht. An manchen Stellen war stattdessen zu lesen, dass man sogar bis zum 21. Lebensjahr warten muss, bis überhaupt irgendwas gemacht wird.

Theoretisch hätte das Alter von 21 Jahren also etwas absolut positives werden können, auf das ich freudig hin fiebere. Aber ich hatte damals eine sehr jugendfixierte Sicht des Lebens: Wenn man erst mal 20 ist, dann ist eh die beste Zeit des Lebens vorüber. Man muss sich bevor man 20 ist so gut amüsieren, dass man von der schönen Erinnerung daran sein restliches Leben lang zehren kann. Ob man dann danach im falschen Körper lebt oder nicht, wäre dann doch völlig egal, denn das Leben nach der Jugend ist eh für alle Menschen gleichermaßen trostlos.

Und selbst wenn ich eine positive Sicht auf die Zeit danach gehabt hätte: sollte bzw. konnte ich die nächsten 10 Jahre so leben, dass ich dabei jeden einzelnen Tag mein Schicksal bedauern würde und die 3652 Tage rückwärts zählen sollte, die ich auf die Erlösung warte? Vorfreude funktioniert für mich nur für kurze Zeitabschnitte. Zu lange auf etwas zu warten zermürbt mich komplett.

Ich habe mich dazu entschlossen, die Thematik zu verdrängen. Gedanken und Gefühle, die man bewusst verdrängt, kann man schlecht mit einem Timer versehen oder mit einem Vermerk zur Wiedervorlage. Ohne Zweifel bestand das Risiko, dass ich mit dem Verdrängen so erfolgreich wäre, dass ich meinen 21. Geburtstag verpennen würde und die Möglichkeiten, die ich dann habe, nicht nutze. Genau so ist es ja dann auch passiert. Ich kann nicht mehr genau sagen, ob ich mir damals diesem konkreten Risiko bewusst war. Aber selbst wenn ich es wusste, war es mir sicher egal.

In meiner Zeit zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr ist dann nicht sonderlich viel passiert – es hätte eigentlich sogar eine ganz nette Zeit sein können – aber ich hatte immer das Gefühl dass andere da mehr erleben als ich, während meine Zeit abläuft, die ich noch habe um positive Eindrücke vom Leben zu bekommen.

Diese Angst vor der 20, wie ich sie hatte, ist wohl relativ selten – zumindest ist es kein großes Thema unter Jugendlichen und ich weiß auch nicht, ob ich jemals mit jemandem darüber gesprochen habe. Anders ist das mit dem 30. Geburtstag, um den in unsere Kultur ein großer Rummel gemacht wird, als sei da das Leben zu Ende. Und falls man die 30 überlebt, kann man gleich damit weitermachen, sich vor der 40 zu fürchten. So oder so, diese kollektive Angst betrifft auf den ersten Blick zwar viele, aber ich glaube die meisten sind doch nur sehr oberflächlich betroffen. Vielleicht hat auch inzwischen kaum noch jemand Angst vor der 30 und alles was noch davon übrig ist sind die Witze, die man darüber macht. Meine Angst, dass man das Leben mit 20 quasi ausgelebt hat, war hingegen todernst. Wie ich zu dieser abstrusen Sicht gekommen bin, ist nochmal ein Thema für sich.

Natürlich war dieser Jungendwahn totaler Quatsch, aber was weiß man schon als Kind davon, wie es ist, erwachsen zu sein? Überhaupt war das meine Meinung mit 11, die sich schon bald mäßigte, und je näher ich der 20 kam, desto weniger hatte ich Angst davor, dass sich mein Leben grundlegend ändern würde. Vielmehr wurde mir das Leben zu Hause “zu eng” und ich sehnte mich danach, mit 18 endlich formal in der Lage zu sein, daraus auszubrechen. Auch diese Möglichkeit habe ich dann nicht sofort genutzt, aber nach der Schule fernab der Heimat auf Helgoland Zivildienst  zu leisten hat mir sicher gut getan.

Ich bin jetzt 27, und die “beste Zeit meines Lebens” ist damit sicher noch nicht zu Ende. Natürlich bin ich nun erwachsen, d.h. führe einen eigenen Haushalt, entscheide selbst über mein Leben, bin berufstätig (wenn auch, zumindest auf dem Papier, neben dem Studium), etc. Aber das Leben hat gleichzeitig auch noch alle Elemente, die ich mit Jugend verbinde: die Art wie ich meine Freizeit verbringe, wie man mit Freunden interagiert… natürlich ist das alles in den Details irgendwie reifer geworden, aber im Grunde ist es doch das gleiche wie vor 12 Jahren. Wahrscheinlich ist man nicht erst Jugendlich und dann plötzlich Erwachsen, sondern es gibt eine lange Phase im Leben, in der man einfach beides ist. Und weil man beides zu mehr als nur 50% ist, ist man irgendwie mehr als 100% Mensch. Gerade das macht diese Zeit so toll. Und eigentlich denke ich auch nicht, dass ein Tag in meinem Leben kommen wird, an dem es heißt: So, ab jetzt bist du nur noch erwachsen und machst nichts mehr von den vielen Dingen, die schon in der Jugend Spaß gemacht haben. Zwischendurch dachte ich auch, das Ende dieses Lebensabschnitts wird nicht durch das Alter eingeleitet, sondern einfach durch das Ende des Studiums. Inzwischen sind viele meiner Freunde mit dem Studium fertig geworden, und soweit ich weiß haben sie alle den Übergang geschafft ohne dabei den jugendlichen Teil ihrer Seele zu begraben. Ich habe keine konkrete Angst vor dem 30. Geburtstag, ich werde ihn mindestens so rauschend feiern wie gestern meinen 27. Vielleicht ist es genauso wie es schon mit der 20 war: Je näher es kommt, desto mehr verliert es seinen Schrecken.

Aber ich muss zugeben, dass ein kleiner Teil dieser Haltung immer noch in mir steckt, dass diese Lebensphase irgendwann endet und ich sie dann vermissen werde. Denn egal was ich denke, tief drin spüre ich doch eine gewisse Angst. Gefühle sprechen leider nicht immer in klaren Sätzen und präzisen Zahlen, aber dieses Gefühl sagt mir doch recht eindeutig, dass der Spaß in ca. 2 bis 5 Jahren vorbei sein könnte, was den 30. Geburtstag als fiktiven Stichtag zumindest nicht ausschließt.

Meine besondere Situation als Transsexuelle macht mir die Sache natürlich auch hier nicht leichter. Ich hätte zu gerne gewusst, wie es sich anfühlt, ein 11-jähriges Mädchen zu sein, habe mich aber auch schon lange damit abgefunden, dass ich das niemals selbst erleben werde. Das gleiche gilt für das Gefühl, ein 12-jähriges Mädchen zu sein, oder ein 13-jähriges… als ich mit 26 die Entschlossenheit hatte, endlich Nägel mit Köpfen zu machen und als Frau zu leben, war ich natürlich gespannt wie sich das Leben für eine 26-jährige Frau anfühlt. Einerseits war klar, dass es nicht vom ersten Tag an genau so wäre, wie es sich für andere Frauen anfühlt, aber trotzdem glaube ich, ich bin schon recht dicht dran an dem, was andere erleben. Ich werde später mal sagen können: “Damals, als ich noch Studentin war…”.

Aber so sehr ich mich auch jetzt schon als Frau fühle, und vor allem als solche akzeptiert fühle, so sehr ist mir doch auch bewusst, dass unzählige “Kleinigkeiten” noch fehlen. Man mag sagen, auf ein Jahr mehr oder weniger komm es jetzt auch nicht mehr an. Aber als ich vor etwas mehr als einer Woche erfuhr, dass sämtliche medizinischen Maßnahmen nochmal ein Jahr später beginnen werden als ich zunächst dachte, war sofort der Gedanke da: “Ich hab auch nicht mehr ewig Zeit, ich werde nicht jünger! Die 30 steht bald vor der Tür!” Ich könnte kein einziges rationales Argument dafür anbringen, warum es nun wichtig sein sollte, vor der 30 mit der ganzen Transition fertig zu werden. “Fertig” ist eh ein schwammiges Konzept bei bis zu 6 Jahren, die das Brustwachstum bis zur endgültigen Größe und Form braucht. Aber dieses blöde Jahr erfordert nun wieder Geduld von mir, was bestimmt nicht meine Stärke ist. In diesem Zwiespalt aus Warten und Altersangst ist es natürlich sowohl positiv als auch negativ, dass die Zeit im Fluge vergeht und ein Jahr schneller vorbei ist als man denkt.

Es wäre natürlich naheliegend, dass ich jetzt auch eine entsprechende Angst vor dem Älter- bzw. Altwerden generell entwickelt hätte. Aber eigentlich sehe ich das alles nun recht gelassen. Ich glaube, ich werde mit 30 ebenso glücklich sein wie mit 40 und 50 und 60. Und vielleicht auch noch länger. Sicher wird mein Leben nicht bis dahin genau so verlaufen wie jetzt, aber das ist natürlich auch gut so. So sehr ich es jetzt noch genieße, dass ich mir mit 27 eine gewisse jugendliche Seite bewahrt habe, so gut kann ich mir auch vorstellen, irgendwann einmal ohne diese aus zu kommen. Das Leben hält doch noch so viel bereit: beruflich, freundschaftlich, partnerschaftlich, familiär, freizeitlich (aus “Hobby” konnte ich irgendwie kein Adjektiv auf “-lich” bilden), etc. Und was sollte mich mit 60 davon abhalten, all das zu genießen? Also.

Sicher mag irgendwann der Punkt kommen, an dem es unangenehm wird. Mit hunderten von Gebrechen, gefesselt an Bett, medizinische Geräte und unzählige Medikamente, geistig und körperlich zu nichts mehr fähig… darauf freut sich vermutlich niemand. Aber das ist auch eine extreme Übertreibung des üblichen, ein Worst-Case der ja nicht in der Form eintreten muss oder zumindest kein Dauerzustand sein muss. Ich habe 8 Monate lang Parkinsonpatienten betreut und danach noch 1 Monat lang im Altenheim gearbeitet. Da bekommt man ein gewisses Gefühl dafür, wie gut oder wie schlecht es einen treffen kann. Ich hatte da ja schon eine absolut unrepräsentative Menge von Menschen vor mit, denn jene, die bis zum Schluss fit sind daheim wohnen, bis sie eines morgens nicht mehr aufwachen, habe ich da natürlich nicht zu Gesicht bekommen. Trotzdem macht mir das Alter keine Angst und erscheint mir nicht nach einer Phase, in der man Leiden muss. Und falls es mich doch so treffen sollte? Ich vertraue da auf die Weiterentwicklung der Gesellschaft. Bis ich diesen Zustand erreiche gehen noch viele Jahrzehnte ins Land, und bis dahin gibt es dann sicher einer Alternative zur “Lebensverlängerung zu jedem Preis und zum reinen Selbstzweck”. Als die Wurzeln für unser heutiges Moralverständnis gelegt wurden, hatten wir noch keine überalterte Bevölkerung und nicht die medizinischen (Un-)Möglichkeiten die wir nun haben.

Jetzt hätte ich gerne noch einen schönen Abschluss. Als ich mich entschlossen habe, einen Artikel übers Alter(n) zu schreiben, und damit recht chronologisch begonnen habe, hätte mir eigentlich klar sein sollen, dass es mit dem Tod enden würde. Selten etwas erfreuliches, außer eben, wenn das Leben noch unerfreulicher war. Aber kein schöner Abschluss. An der Stelle sollte ich dann wohl neidisch auf gläubige Menschen sein, die können sich immer noch auf den Himmel freuen, da ist das Happy End quasi inklusive. Aber was solls, direkt vor mir liegen ja jetzt erst mal andere Dinge, und ich kann wohl mehr als je zuvor sagen, dass ich mich auf die nächsten Jahrzehnte freue!

Die Welt ist im Wandel. Ich und mein Blog auch.

Lang war’s ruhig in diesem Blog. Wie der vorherige Post vom 14. April 2011 sagt:

“If you read this text, then you’ve already been served by my new server. (…) However, I suspect that the transition might have led to a few minor problems.”

Die Transition der Webseite von einem Server auf eine andere war aber wohl das kleinere Problemchen.

And if you read this text, you’ve been served by my new self :)

Ich selbst habe nämlich auch eine Transition hinter mir, von Brian nach Lena, von Mann zu Frau. Read more

Failing at the easiest things – e.g. printing

Printer by the OatmealThis post was originally written on December 3rd, but I forgot to publish it.

If you want a funny version if this, go read “Why I believe printers were sent from hell to make us miserable” by the Oatmeal. If you want to know how well printers succeeded at the task of making me miserable, read on…

I just want to moan about the miserable feeling that I get when even the easiest things fail. I think this is because in most cases, I just can’t figure out if it’s just those things that fail, or if it’s me.

One such thing is printing. I have to hand in several homeworks per week, and being the kind of nerd I always was, I prefer to write the solution on a computer, using LaTeX. In this portable environment, it can’t even shock me if my laptop breaks, because there’s always some other machine around that can process LaTeX. And while there always may be problems with how to typeset a given formula, a solution can always be found. In the ideal case, I can find it in 2 minutes with google, but even when I struggle for 30 minutes, this comes with a certain feeling of pride, having achieved something, having learned a valuable piece of knowledge for the future.

Then I have to print it, which can be done on one of 12 printers at my university. It either works, which really isn’t enough to give me a real, intense, fuzzy warm feeling. Or, if it doesn’t work, it fails. I hit print, and nothing happens. Or, I hit print, and it says “done”, but the paper just isn’t there. Or, I hit print, it says “processing”, says this for about 20 minutes (while the printer actually does nothing), then it forgets my order and prints something else for someone who’s luckier than me.

No matter in what way it fails, a true solution lies beyond my reach. Yeah, I could buy myself a printer, but that involves money… you guess the problem. Everything else is just not under my control. So I come to the university early, planning more than 1 hour to print 3 (!!) pages of black and white text. Given more time, I can always try again to print. Which I always have to pay for, probably even when it fails.

Today, I spent more than 1,5 hours printing my three pages. I used 4 university PCs in 2 rooms, 6 printers in 3 rooms, my own OQO UMPC, and a PC in a copy shop which had about 20 printers, but failed even more than the entire university gear.

I had to hand in my homework 40 minutes late, causing considerable overhead for my professor and his assistant, who was already gone with the homeworks which were handed in on time. It was ok, but of course I don’t know home many times it will be OK in the future. And even though he didn’t say anything nasty, it gave me the feeling of having failed. Having failed personally, on a trivial task. And without any trace of a proof, I guess everybody else manages to print things on time. Well, call me a pussy for that, as I could just forget about it and be happy.

But the aftermath is, that the additional time I spent printing, was initially planned to do another homework and hand in some even more important papers to the university. My schedule just is too packed to reserve 5 hours a week just for printing some pages. As you might suspect, the responsible office was closed by the time I had my homework printed. And, guess what, I already planned to hand this in yesterday, but I first had to print it, and by the time this was done, well the office was also closed. So I have to go there the next time they open, which leads me to missing at least one lecture – plus the two I missed yesterday by printing. Which is ok, because when I don’t hand in those papers by tomorrow, all my lectures and homeworks and everything is meaningless anyway.

And slowly I come to the bitter conclusion, that my entire life might eventually fail, not because of big catastrophes, but because of the accumulation of small failures, adding up beyond the sum that the society is able to compensate.

So you might find my personal misery and its nasty details rather uninteresting or even annoying. Everybody thinks so, and because of that, I can’t reply to questions like “Why did you hand in your homework late?” with an answer like “Yeah, you know [insert the whole blog post here], that’s why.” Instead, the answer would be more like “Because I’m an idiot who can’t even manage the most simple things in life, that’s why.” I might want to add “There’s also a good reason for it, but you wouldn’t want to know the details.” In the end, I start to believe that I’m that idiot.

And you might ask from where I take the time to think and write about it. Well, while waiting for my printouts, of course.

So, whats the end of the story? Finally, I ended up with my document, that is, three copies of that document, and eventually found 7 more copies of the papers I wanted so print yesterday, scattered through the printer rooms. I guess there are 4 more copies of my homework on their way, too. Hooray.

Note from today: I might want to add that I bought a printer some weeks later, and now I’m floating in endless happiness.

(Re-)starting a big project

In this post I want to look back on many projects I started, most of which were canceled in an early stage. Anyway, I think the time is right and the decision is clear to (re-)start Cubenet, my pet project since 2005, and assign it the priority it deserves.

I’ve always had my projects, mostly programming projects. If I don’t count all those small one page programs, I may have started about 300 of them, but only finished about 40. And it’s clear that no project is ever really finished, I just got them to a point where it’s close to completion. Most got canceled because I lost interest.

In 2005 I started Cubenet, a software concept for information handling, but right now, there’s nothing to show. You might count this as one of the 260 failed projects, but that’s not correct. I never lost interest, but I never had the time to work on it. Or maybe, I never took the time.

Time

There’s an important invariant concerning time: You never have enough of it, there’s always much more to do than you ever could. So you do the most important things first, and the others afterwards. Cubenet never had the highest priority, so it never got the time it needed. I never had enough trust into this to assign a higher priority to it. So why is that?

First of all, as I said in the introduction, most of my projects “fail”. I used to think of this as a personal weakness, and so I was afraid to put large efforts into something that I would eventually cancel. Of course, this is exactly the wrong way round, but I didn’t recognize. If my projects fail because I’m not committed to them, then I won’t do any better if this leads me to even less commitment.

Child projects

Second, I used to start projects that I could never finish anyway. When I was 5, I insisted to file a patent for a chewing gum factory that I designed on paper. Age 6, I dug a hole in the ground because I wanted to build a subways station. My town only had buses, and I thought subways were much cooler than buses, so someone would have to start digging. Then, aged 9 or 10, I wanted to build the robot from the famous Johnny 5 movie.

None of this was feasible, but it’s no shame to talk about it, since I was a child. But when does this end? How do I know if I’m still a child with childish plans? When I was 13 or 14, when there were no MP3 players on the market, my father and I build one based on a do it your self kit, and I thought it would be cool to mass produce it, add a modem to it so it could connect to the Internet, and let people download music from a server, letting them pay for the music, and all this without a PC. This turned into a billion dollar marked some years later, but at that point, it seemed like another of my childish fantasies. I still mistrust my own ideas, especially when they are big and ambitious, which describes Cubenet very well.

Complexity

Third, when I don’t consider my former projects, but just Cubenet on its own, there are so many reasons why it could fail. Failing is related to not getting finished, and the complexity of my concept clearly indicates that it is too big, that I could never finish every part of it on my own. So why even start?

While every project starts small, some aim for the small, and some for the big. Often I get the advise to aim for a small goal, along with some anecdotal stories about projects that tried to reach a small goal and evolved beyond that, to finally become something big. In my case, I’m bound to ignore that advise, because of my central belief about practical computer science: Programming has grown in complexity because the whole area of software development started out small, without the great picture in mind. Now, if you want to build a small thing, you have to deal with a dozen of layers, which evolved over 50 years. This could be done better if it was planned from the beginning. Cubenet is, in its core, an attempt to do it better, by aiming for the big goal and approaching it directly. So the project has a great goal by its very definition, and there are many who think it must therefor fail by definition.

Just doing it

I’ve finally come to my senses. Every project, no matter how big and how many persons it will take to complete, has to be started by someone. And now, that’s me, the crazy kid, grown up, old enough to make decisions, while not really wise enough to implement it all. But if you have a thousand crazy children like I was, digging in the ground, they will eventually build a subway station. Maybe they lack the skills at first, but after some years of work, they will have them. I don’t know the real source, because it’s been cited too often, but programming is a “wicked problem”, one that you only understand while you try to solve it. This is widely agreed upon, but opinions differ on whether this legitimates a restart from scratch, or if it must be tackled by incremental changes and refactoring. I’m not sure about it, but if there is a solution, I’m the one who sets out to find it, hoping someone might join along the way.

A scheduling trade-off

For Cubenet to succeed, I need not only overcome the many obstacles of software development, I also must overcome my intrinsic problem of time scheduling. That is, I must assign a priority to Cubenet, high enough to actually being worked on. With a classical scheduling, only the most important task is worked on, until it is finished, so the next important one may follow. For a long time project like Cubenet, this would be fatal: I would drop out of my university rather quickly, but eventually I would die of starvation because cooking meals has a lower priority. There has to be a compromise, like this one:

I’ll work on Cubenet as much as I can afford, and I think I must accept that other aspects might suffer, like my studies, free time, social life, etc. But if I define a limit on how much those may suffer, this gets manageable. This is the only way it can be done, and it might get easier with synergistic effects. Like integrating Cubenet into my studies. I failed at this at my former university, the Hochschule Harz, because I studied the wrong branch of computer science. Now at the Technische Universität Braunschweig, I’m at the right place, and there may be ways to bring it all together. If I’m forced to succeed, I will somehow succeed.

Linking it to people and obligations

There’s another advise to start a project, and not let it fall aside: Tell everyone about it. Tell about it, until they start asking about the progress, which somehow motivates. This is a common hint for people who want to stop smoking, but it applies elsewhere.

But sometimes motivation is not the problem, but justification: Is it right to spend time on Cubenet right now? Am I supposed to do something else instead? Yes, I am, but as soon as Cubenet is officially related to my studies, or science, or a job, I’m supposed to work on it, one problem solved. On the other hand, linking a pet project to a proper obligation bears the risk of control loss. Nobody will force me to do exactly what I already wanted to do, so if I need some force, it may come along with a shift of focus. I’m already afraid of it, but I have to face it. It’s no deal if Cubenet turns into the wrong direction at first, if I always keep enough control to change it afterwards. Licensing it under a copy left license enforces this, because everybody may develop it in any direction, which includes myself. Every study, research project or contract has an end, and with a copyleft license and version control, projects can evolve or stand still, but they can never fall back.

So now I’ve talked myself into taking this project serious, into writing about it and justifying my decisions. Now the actions must follow. To kick start this project, I’ve installed a Redmine workspace at http://lenaschimmel.de/redmine/ and populated it with a huge mass of old notes, and a git repository for source code control. This is not only a place for old texts to get even older, it will be the central for cooperative working on the project itself.

If you feel like you want to be a part of my monster pet project, head over there and get yourself an account. Or just contact me with whatever you think about it.

I’m currently out of order…

…and so is my blog.

(I know that “out of order” applies to technical stuff, an normally one would say “I’m currently too busy”. But depending on how busy you are, there isn’t a clear distinction anyway)

It might seem as if my blog was dead even before it started living. But rest assured, this is just a temporal break. Currently, my studies and other affairs are so demanding, that blogging just doesn’t fit in. It was even hard to find a moment to post this post, which just emphasizes its message. But as I think that having time for blogging is a crucial right of any human being, I’m constantly trying to change my life in a way that will give me that time back (and time for other things, of course).

There are so many things to say, mostly unwritten but well thought about, so that in the not-so-distant future, when I’ll have the necessary time, there’s no risk of running out of ideas. To make the waiting worthwhile, I’ll present a (not even complete) List of topics that I want to cover soon:

  • What does it take to be an inventor?
  • Tin-openers as a model for software tools
  • When the food is smiling at you
  • Is portability a means to an end, or an end in itself?
  • Is OpenStreetMaps an every-day-alternative to e.g. Google Maps?
  • How everybody can contribute to OpenStreetMap without even leaving his home.
  • Make simple things simple, or: the theory of computational complexity applied to human beings (for both computer-related and real-world tasks)
  • How it feels to fail at the most simple tasks
  • The problem of fuzzy groups in social interaction and web administration
  • The pros and cons of tuition fees (Studiengebühren)

I can’t guarantee that each topic will be covered, or that I will manage to do this any time soon, but if some of this sounds interesting to you, you should consider coming back or subscribing to my RSS feed.

PS: One note on the choice of language: This will be an english blog. But if I have something of interest only to a limited, german-only audience, I fall back to using german. If you’re an english speaker, you probably don’t miss anything.

Me, my websites and blogging

My first website

Since I had an Internet connection, I also had a homepage. Because PHP and other dynamic web languages were not part of the free hosting services at this time, I wrote my own offline homepage generator, or what would be called a “content management system” nowadays. It’s “offline” because it ran locally on my PC, generated an number of html-files, and left it up to me to upload them over my 33 kbit/s line.

As you can see on the picture, I had a well planned site structure for the site, which regrettably has never been filled with content. For me, the work flow was not “Oh, today I might want to fill in some of the gaps on my website… like… err… this one: Musik”. Rather, I had some thought and just needed a platform to express it.

A post-based website

Because of this, I added a post system to hpd2, which allowed me to put a new post on the home page that would push the older posts into an archive. It turned out that my early posts either belonged into the “private” category, or into “programming”, so I implemented a simple category system. Sadly, the most “recent” picture of that website is about 10 years old and just before I built the post system.

Some time late, I remember it to be around Christmas, one of my PCs ran into serious hardware problems, which made me personally unhappy, at the same time hindering me to fulfill my programming visions regarding Open GL. I could still update my website and share my sorrow with the world , but should this go into “private” or “programming”? This was the first time I felt the need for something better than just categories. And so I went ahead an invented what would late be known as “tags”.

A break

Some months later, I finally realized that no one is interested in reading about my life, both privately and programatically, so I eventually stopped updateing that site. After maybe a year without updated it had undergone the automatic garbage collection of the web host and was lost until today, when I found an old offline copy on one of my hard drives.

What’s a blog?

In the retrospective, it’s pretty clear that my website was a blog, but at that time, I did neither know the word “blog” nor the concept behind it – it was kind of my invention, even though I was not the first to invent it. That’s typically me: Being on the bleeding edge when it comes to my own creativity, but lagging years behind in noticing what’s happening around me.

One of my websitesSome years later, blogs became so popular that even I heard of them. My first thought was: “Who would be interested to read that stuff?”, and only after that the resemblance of “blogs” and my first website came to my mind. So I thought about blogging as a collective abberation, with myself as one of the first to have gone through it. I came to my senses and stopped it, and so would they.

Consequently, my next website was planned from the beginning without a blog. Anyway, it was at least as ugly as the ones before and suffered other fundamental problems which made me abandon it rather soon.

A comeback

Well, time has proven that blogs are not that brain dead, and now that I have familiarized myself with reading blogs (as you can see on the right sight in my blog roll), it seems to be the right time to come back to that good old habbit of writing a blog.

So what can you expect from it? It’s definitely going to be kind of nerdy, as I’m definitely a nerd. Whenever possible, I’ll be trying to write in a way that lets the non-nerds understand me, so that after some time of constant consumption of my thoughts, they might eventually also become nerds ;) Other than that, don’t expect anything, ok?

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Hallo!

Ich bin Lena und schreibe hier über alles, was mir gerade wichtig ist. In letzter Zeit also Frauenrechte, Gesellschaft, Politik, Transsexualität, Privates, Computerzeugs... Ich freue mich über konstruktive Kommentare!

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